ÖSV-Boss über Eder-Aus: "Da hört es sich bei mir auf"
Der Rücktritt von Lisa Eder mit nur 24 Jahren erschüttert die Welt des Skispringen. Was zunächst wie eine persönliche Entscheidung wirkte, entpuppt sich offenbar als tiefer Konflikt mit dem ÖSV. Im Zentrum steht ihr Verlobter, Ex-Adler Manuel Fettner, den die Salzburgerin in ihrem Betreuerstab sehen wollte – ein Wunsch, den der Verband strikt ablehnte.
Lisa Eder: „Das Drumherum macht mich nicht happy“
Die erfolgreichste ÖSV-Skispringerin der letzten Saison zieht die Reißleine. Gegenüber dem ORF erklärte Lisa Eder offen, dass sie konkrete Bedingungen für eine Fortsetzung ihrer Karriere hatte: „Ich hatte noch eine Idee, wie ich es mir vorstellen kann, dass es weitergeht. Das funktioniert nicht. So ist der Schlussstrich gekommen.“ Obwohl ihr Skispringen an sich Spaß mache, hätten die Umstände ihren Entschluss besiegelt: „Schon länger haben es mir die Umstände schwergemacht. Skispringen an sich würde mir Spaß machen, aber das Drumherum macht mich nicht so happy.“
Harte Linie des ÖSV: Compliance-Regeln verbieten Partner-Trainer
Florian Liegl, der sportliche Leiter im ÖSV, bestätigte, dass die Integration von Manuel Fettner ins Trainerteam gefordert war. Dies sei jedoch aus mehreren Gründen unmöglich gewesen. Neben budgetären Fragen stünden vor allem Compliance-Regeln im Weg, die Beziehungen zwischen Trainern und Athleten in derselben Gruppe untersagen, um Fairness zu garantieren: „Dem konnten wir aus inhaltlichen, compliance-technischen und budgetären Gründen nicht Folge leisten.“
Sportdirektor Stecher stellt klar: „Das geht einfach nicht“
ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher zeigt in der Debatte eine klare Kante. Er sieht die Gefahr eines Domino-Effekts, sollten individuelle Forderungen dieser Art erfüllt werden. In der Tiroler Tageszeitung findet er deutliche Worte zur Verhandlungstaktik der Athletin: "Wenn man Forderungen stellt und will, dass der ÖSV das dann zahlt, und nur dann mache ich weiter, da hört es sich bei mir auf."
Laut Stecher dürfe das Private keinen Einfluss auf sportliche Strukturen haben: „Wenn wir das zulassen, dann kann jeder mit seinem Partner daherkommen und sich den als Trainer wünschen. Das geht einfach nicht.“
Präzedenzfall Gritsch: Eigenregie statt Verbandsstruktur?
Der Fall erinnert stark an die Skirennläuferin Franziska Gritsch, die den ÖSV verließ, um mit ihrem Partner Florian Stengg als Privatteam zu trainieren. Für die erst 24-jährige Lisa Eder bedeutet diese Unvereinbarkeit nun das Karriereende im Profisport.