Klopp nach einem Jahr Red Bull: Was ihn wirklich antreibt
Zwölf Monate nach seinem Amtsantritt als Head of Global Soccer bei Red Bull zieht Jürgen Klopp eine erste persönliche Bilanz. In einem ausführlichen Gespräch spricht der 58-Jährige über Optimismus, Druck und die Herausforderungen moderner Führungsarbeit im internationalen Fußball.
Der einstige Erfolgscoach von Dortmund und Liverpool steht heute nicht mehr an der Seitenlinie, sondern verantwortet strategische Entwicklungen auf globaler Ebene. Eine Aufgabe, die Weitblick und Geduld verlangt.
Optimismus mit Realismus
Klopp bezeichnet sich selbst als optimistischen Menschen, allerdings nicht naiv. „Ich bin optimistisch bei den Dingen, die ich beeinflussen kann“, betont er im Interview mit The Red Bulletin. Globale Entwicklungen und gesellschaftliche Veränderungen könne man nicht kontrollieren, wohl aber die eigene Haltung dazu.
Für ihn war Optimismus schon immer ein Begleiter. Gleichzeitig sei Realismus entscheidend. Bereits als aktiver Spieler habe er gewusst, dass seine Fähigkeiten für die absolute Weltspitze nicht ausreichen würden. Dennoch legte gerade diese Erfahrung den Grundstein für seine spätere Trainerkarriere.
„Um Träume zu verwirklichen, braucht man Optimismus. Aber man muss auch wissen, wo man steht“, so Klopp.
Scheitern als Lernmoment
Ein zentrales Thema in seiner Reflexion ist der Umgang mit Rückschlägen. Klopp versteht Misserfolge nicht als Endpunkt, sondern als Information. „Wenn etwas nicht funktioniert hat, dann ist das schlicht eine Erkenntnis“, erklärt er.
Diese Haltung habe ihn über Jahre begleitet, als Spieler, als Trainer und nun als globaler Fußballverantwortlicher. Wer sich von Niederlagen dauerhaft bremsen lasse, verliere den Blick nach vorne.
Geteilte Überzeugung als Kraftquelle
Besonders eindrücklich schildert Klopp, wie kollektiver Glaube entstehen kann. Er erinnert an die verpassten Aufstiege mit Mainz und daran, wie eine gemeinsame Vision Spieler und Fans zusammenschweißte. „Optimismus allein ist schön. Aber wenn man ihn teilt, entfaltet er enorme Kraft“, sagt er.
Diese Erkenntnis überträgt er heute auf Organisationen. Führung bedeute, Überzeugung zu vermitteln, nicht laut, sondern nachhaltig.
Druck einfach ausblenden
Der öffentliche Druck im Spitzenfußball sei allgegenwärtig. Klopps Rezept ist überraschend schlicht: ignorieren. „Wenn ich ein Buch darüber schreiben würde, hätte es nur einen Satz: Einfach nicht reagieren.“ Der Fokus müsse auf der eigenen Arbeit liegen, nicht auf äußeren Stimmen.
Neue Rolle, neue Perspektive
Die Distanz zur Kabine vermisst Klopp nicht. Statt täglicher Trainingssteuerung sieht er sich heute als Sparringspartner für Trainer. „Ich will wissen, mit wem ich arbeite, bevor ich etwas verändern will“, beschreibt er seine Herangehensweise.
Sein Credo bleibt unverändert: Entwicklung braucht Zeit. Kurzfristiger Erfolg sei wichtig, dürfe aber nicht die langfristige Perspektive verdrängen.
Geduld als Erfolgsfaktor
Für Klopp war immer klar, dass nachhaltige Arbeit mehrere Jahre benötigt. „Ob sieben, zehn oder zwölf Jahre, das spielt keine Rolle.“ Entscheidend sei, Strukturen aufzubauen, Menschen mitzunehmen und Vertrauen zu schaffen.
Sein Fazit nach einem Jahr: Optimismus ist keine spontane Emotion, sondern eine bewusste Entscheidung und eine Form von Disziplin.