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Jürgen Klopp bei Sport und Talk aus dem Hangar-7
Für Klopp selbst kommt eine Rückkehr auf die Trainerbank derzeit nicht infrage.
Für Klopp selbst kommt eine Rückkehr auf die Trainerbank derzeit nicht infrage.
ServusTV / Johannes Jank

Klopp rechnet ab: Zu viel Fußball, zu wenig Geduld

13.01.2026 um 11:31, Yunus Emre Kurt
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Der Deutsche zieht nach einem Jahr als Head of Global Soccer bei Red Bull Bilanz und spricht über Xabi Alonsos Aus bei Real Madrid.

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Ein Jahr nach seinem Amtsantritt als Head of Global Soccer bei Red Bull zieht Jürgen Klopp eine intensive Zwischenbilanz. Im exklusiven Interview, bei Sport und Talk aus dem Hangar-7, spricht der 57-Jährige über seine neue Rolle abseits der Trainerbank, die Zusammenarbeit mit den internationalen Red-Bull-Klubs, aktuelle Entwicklungen im Weltfußball und nimmt auch zur überraschenden Entlassung von Xabi Alonso bei Real Madrid Stellung.

„In einem Jahr fünf Jahre gelernt“

Der Wechsel vom Spielfeldrand in eine globale Führungsrolle war für Klopp bewusst gewählt. „Das letzte Jahr war sehr intensiv. In diesem einen Jahr habe ich fünf Jahre Erfahrungen gesammelt“, sagt Klopp. Er sei heute an einem völlig anderen Punkt als noch zu Beginn seiner Tätigkeit und könne Prozesse deutlich besser einschätzen.

Nach 25 Jahren im Trainerjob wollte Klopp den extremen Termindruck nicht mehr in dieser Form weiterleben. „Ich wollte diesen ganz straffen Terminkalender so nicht mehr machen“, erklärt er. Ganz ohne Arbeit sei ein Rückzug für ihn aber nie infrage gekommen. Das Projekt Red Bull habe ihn sofort gereizt.

Veränderung statt Stillstand

Klopp beschreibt seine neue Aufgabe klar: Inhalte verstehen, Strukturen analysieren und nachhaltig verbessern. „Wir haben in manchen Vereinen Kleinigkeiten, in anderen größere Dinge verändert. Es ist erst ein Anfang“, so der frühere Liverpool-Coach.

Besonders die internationale Vielfalt reizt ihn: Brasilien, Japan, die USA, jede Fußballkultur bringe eigene Herausforderungen mit sich. „Jeder Tag ist neu und spannend“, sagt Klopp, der sich selbst als Bindeglied zwischen Trainern, Management und Entwicklung sieht.

Vertrauen, Motivation und Teamwork

Red Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff zeigt sich überzeugt: „Ich kann mir keinen besseren Königstransfer als Jürgen Klopp vorstellen.“ Auch Mario Gomez, Technical Director bei Red Bull Soccer, hebt Klopps Wirkung hervor: „Es gibt keinen Menschen, der aus einem Meeting mit ihm rausgeht und nicht motiviert ist.“

Klopp selbst betont das Teamwork, insbesondere mit Gomez: „Die Trainersicht hat früher gefehlt. Jetzt ergänzen wir uns sehr gut.“ Langfristig will er bei Red Bull bleiben, ganz seinem Naturell entsprechend. „Ich mag lange Beziehungen. Diese hat gerade erst angefangen.“

Niederlagen als Fundament des Erfolgs

Trotz aller Erfolge ist Klopp bodenständig geblieben. „Ich habe mehr Champions-League-Finals verloren, als die meisten spielen“, sagt er mit einem Schmunzeln. Gerade diese Rückschläge hätten ihn geprägt. „Eine Niederlage ist nur eine Niederlage, wenn du nichts daraus lernst.“

Auch über seine Rivalität mit Pep Guardiola spricht er offen: respektvoll, aber kompromisslos. „Am Spielfeldrand haben wir ein ganz schlechtes Verhältnis, weil keiner verlieren kann.“

Kritik an der WM 2026 und dem Trainerkarussell

Mit Blick auf die WM 2026 zeigt sich Klopp zwiegespalten. Zwar freue er sich über neue Teilnehmer, doch 48 Teams und 104 Spiele seien „verrückt“. Die Belastung für die Spieler sei längst zu hoch.

Deutliche Worte findet er auch zur Entlassung von Xabi Alonso bei Real Madrid: „Das ist ein Zeichen, dass dort nicht alles zu 100 Prozent stimmt.“ Alonso habe über Jahre herausragende Arbeit geleistet, sein schnelles Aus sei symptomatisch für den heutigen Fußball. Für Klopp selbst kommt eine Rückkehr auf die Trainerbank derzeit nicht infrage: „Ich bin da, wo ich bin, am richtigen Ort.“

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