Höllenritt in Kitzbühel: Best-of Streif

Akrobatische Showeinlagen, Gänsehautatmosphäre und sportliche Höchstleistungen – wir werfen ein Schlaglicht auf einige geschichtsträchtige Sternstunden des Rennens am Hahnenkamm.
Autor: Stefan Kohlmaier, 19.01.2023 um 11:09 Uhr

Wenn es eine Skipiste gibt, deren Kultstatus von keinem Fan des alpinen Skisports weltweit in Zweifel gezogen wird, dann ist es die legendäre Kitzbüheler Streif. Die 3.312 Meter lange Abfahrtsstrecke weist ein durchschnittliches Gefälle von 27 % auf und manche ihrer Passagen rufen selbst unter den erfahrensten Athleten des Skiweltcups ein Gefühl der Ehrfurcht hervor. Etwa die berüchtigte Mausefalle, ein Steilstück auf dem auf die Läufer kurzfristig Kräfte einwirken, die dem Zehnfachen ihres Körpergewichts entsprechen. Oder der Zielschuss, auf dem übermenschlich anmutende Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/h erzielt werden.

Unvergessliche Momente

Ein Sieg auf dieser anspruchsvollen Strecke, der sogar ein eigener Kinofilm („Streif - One Hell of a Ride“) gewidmet wurde, kommt daher einer Erhebung in den Adelsstand des Skisports gleich und rangiert unmittelbar hinter einem Olympia- oder WM-Triumph. Vor allem, da sich die Streif auch regelmäßig von ihrer mitunter lebensgefährlichen Seite präsentiert. So trugen beispielsweise Andreas Schifferer, Hans Grugger und Daniel Albrecht von ihren Stürzen ein Schädel-Hirn-Trauma davon und mussten in ein künstliches Koma versetzt werden. In der Regel beschert uns das Rennwochenende in Kitzbühel allerdings unvergessliche Momente voller berührender Emotionen, atemberaubender Manöver und sportlicher Höchstleistungen, von denen wir euch eine kleine Auswahl präsentieren dürfen.

Die Ghedina-Grätsche

Mit einer zirkusreifen Showeinlage veredelte beispielsweise Kristian Ghedina seine Abschiedsvorstellung auf der Streif im Jahre 2004: Der Italiener, der die Abfahrt bereits 1998 gewinnen konnte, vollführte während des Zielsprungs eine Grätsche und versetzte mit der hochriskanten Aktion nicht nur die Fans in Ekstase, sondern bescherte ORF-Kommentator Armin Assinger beinahe einen Nervenzusammenbruch.

Ein glücklicher Horrorcrash

Für ein besonderes Glück im Unglück musste 1995 der Italiener Pietro Vitalini seinem Schutzengel dankbar sein. Er verlor kurz vor dem Ziel die Kontrolle über seine Skier, wurde in weiterer Folge über den Sicherheitszaun geschleudert und überschlug sich mehrmals außerhalb der Piste. Dass er diesen Horrorcrash nicht nur überlebt, sondern sogar vollkommen unbeschadet überstanden hat, verdankte er den Unmengen an Neuschnee, die seinen Aufprall abfederten. Vitalini zeigte sich von dem Unfall zudem unbeeindruckt – noch am selben Tag nahm er an der zweiten Abfahrt Teil und landete auf dem fünften Rang.

Bode Millers Wallride

Der erfolgreichste US-amerikanische Skirennläufer aller Zeiten wurde von den Fans auch für sein unkonventionelles Auftreten gefeiert. Als eigenwillig ist auch die Linie zu bezeichnen, mit der er 2008 die Steilhangausfahrt passierte. Der Abfahrtsweltmeister von Bormio (2005) schlitterte dabei mit beiden Skiern über die am Streckenrand senkrecht in die Höhe ragende Sicherheitsplane, kam dabei jedoch wie durch ein Wunder nicht zu Sturz. Schlussendlich belegte er sogar den zweiten Platz.

Die Tränen des Herminators

Für einen der emotionalsten Momente der Streif-Historie sorgte wiederum ein Athlet, der an für sich stets für seine eiserne Disziplin bekannt war. Doch als Hermann Maier 2003, lediglich 17 Monate nach seinem karrierebedrohenden Motorradunfall, sich in Kitzbühel zum Super G-Sieger krönte, hatte der Salzburger sowohl während der Siegerehrung als auch in dem darauffolgenden TV-Interview mit den Tränen zu kämpfen.