Molkerei-Multi und Leukämie-Trainer: Das ist Arnautovic' neuer Klub Bologna

Einst war Bologna ein echter Spitzenklub, siebenmal holte der Verein aus der Hauptstadt der Emilia Romagna den italienischen Meistertitel – zuletzt war das 1964 der Fall. Heute ist Bologna ein Mittelständler: In den letzten Jahren pendelte der Klub zwischen Platz 10 und 15 in der Liga mit 20 Teilnehmern. 2014 stieg man in die Serie B ab, reparierte diesen Betriebsunfall aber schon ein Jahr danach wieder.

Der Trainer: Sinisa Mihajlovic

Als Spieler – Mihajlovic war im defensiven Mittelfeld bzw. als Libero daheim – war der in Vukovar aufgewachsene Serbe ein echtes Enfant Terrible, ähnlich wie Arnautovic, der ja selbst einen serbischen Vater hat. Sein Markenzeichen war der aufgestellte Kragen, seine Freistöße waren gefürchtet, sein Temperament noch mehr.

Der mittlerweile 52-Jährige bekam vor zwei Jahren die niederschmetternde Diagnose Leukämie und bekam eine Knochenmarkstransplantation, seither trägt er eine auffällige Mütze, um das fehlende Haupthaar zu verdecken. Zudem machte er letztes Jahr eine Corona-Erkrankung durch. Dennoch lässt er sich nicht davon abbringen, als Trainer von Bologna zu arbeiten.

Der Klub-Besitzer: Joey Saputo

Wie fast alle Serie-A-Klubs ist auch Bologna längst nicht mehr in italienischer Hand. Joey Saputo, 56-jähriger Kanadier mit italienischen Wurzeln, hat den Klub 2014 übernommen. Ihm gehört auch der Profi-Klub aus seiner Heimatstadt Montréal, der in der nordamerikanischen Profiliga MLS spielt. Saputo ist der Erbe einer Großmolkerei mit knapp acht Milliarden Euro Jahres-Umsatz. Passend zu seinem Engagement in Italien stellt der Saputo-Konzern auch Spaghetti-Sauce her.

Die Heimstätte: Stadio Renato Dall'Ara

Auch in puncto Stadion ist Bologna ein echter italienischer Klub: Die nach dem langjährigen Klub-Präsidenten Renato Dall'Ara benannte Arena ist ein baufälliger Uralt-Bau mit dem brüchigen Charme der 1970er Jahre und einer Leichtathletik-Laufbahn. Die letzte Renovierung des knapp 100 Jahre alten Stadions ist über 30 Jahre her, als man vier Spiele der WM 1990 ausrichten durfte.

Das 42 Meter hohe Turm über dem Marathonor, der über der Mittellinie thront und das Alleinstellungsmerkmal des Stadions ist, wird Bologna erhalten bleiben. Das gilt auch, wenn die geplante, 100 Millionen Euro teure Renovierung irgendwann doch durchgeführt wird. Saputo will rund 60 Millionen Euro für den modernen De-facto-Neubau aus eigener Tasche beisteuern.

Was für Arnautovic drin ist

Arnautovic würde gegenüber seinem Vertrag in China auf rund 75% seines Gehalts verzichten – rund 2,7 Millionen Euro sind aber immer noch kein Lercherl. Um Titel wird der 32-Jährige, anders als in China, in Italien sicher nicht mitspielen. Aber sie bringen ihm wieder viel näher an die Marke von 100 Länderspielen bzw. Andi Herzogs Rekord von 103 ÖFB-Einsätzen.

Aktuell hält Arnautovic bei 91 Ländermatches und die Reise zum Nationalteam wird aus Italien viel leichter sein. Seit dem Corona-Ausbruch vor anderthalb Jahren war er nämlich wegen der chinesischen Quarantäne-Vorschriften nur für zwei Länderspieltermine nach Österreich gekommen.

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Autor: Philipp Eitzinger, 26.07.2021