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Franck Ribery und Christan Lell vor dem Bundesligaspiel gegen Wolfsburg, 2010.
Christian Lell (rechts) spricht offen über Depressionen und Suizidgedanken nach seiner Karriere.
Christian Lell (rechts) spricht offen über Depressionen und Suizidgedanken nach seiner Karriere.
APA-Images / dpa / A3794

Ex-Bayern-Spieler: „Ich wollte nicht mehr leben“

28.01.2026 um 09:22, Yunus Emre Kurt
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Christian Lell feierte Titel mit dem FC Bayern, doch abseits des Rasens kämpfte er mit Depressionen. In einem Podcast spricht er über seine dunkelste Phase.

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Christian Lell kennt beide Seiten des Lebens: den Glanz großer Titel und die Dunkelheit tiefer persönlicher Krisen. Der frühere Profi des FC Bayern München hat in einem Podcast offen über jene Phase gesprochen, die er heute als die „dunkelste Stunde“ seines Lebens bezeichnet. Ein Moment, der ihn fast alles gekostet hätte und zugleich zum Wendepunkt wurde.

Erfolg auf dem Platz, Leere im Inneren

Lell galt früh als großes Talent. In der Jugend des FC Bayern ausgebildet, feierte er bereits mit 19 Jahren sein Bundesligadebüt unter Trainerlegende Ottmar Hitzfeld. Später gewann er mit den Münchnern zweimal das Double, bestritt insgesamt 98 Pflichtspiele für den Rekordmeister. Doch was nach außen wie eine Erfolgsgeschichte wirkte, fühlte sich für Lell selbst anders an.

„Erfolg wäre für mich gewesen, das alles aus innerem Frieden heraus zu erreichen“, sagte der 41-Jährige rückblickend. Stattdessen sei seine Karriere stark von Angst und Druck geprägt gewesen, weniger von Freude oder Erfüllung. Ein Muster, das ihn auch nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn begleiten sollte.

Unternehmerische Krise als Auslöser

Nach dem Fußball wagte Lell den Schritt in die Selbstständigkeit und arbeitete als Unternehmer im Immobilienbereich. Doch die Krise am Markt im Jahr 2022 brachte sein Geschäftsmodell ins Wanken und ihn selbst an seine Grenzen. „Ich fand keinen Lösungsansatz mehr für das, was vor mir lag“, schilderte Lell. Die gefühlte Ohnmacht habe ihn zunehmend zermürbt.

Besonders belastend sei die Angst gewesen, öffentlich wieder abgestempelt zu werden. Diese Sorgen hätten ihn schrittweise in eine schwere Depression geführt. „In der Spitze wollte ich tatsächlich nicht mehr am Leben sein“, sagte der frühere Verteidiger offen. Der Tiefpunkt folgte 2023.

„Ich bin gestorben und habe überlebt“

Heute spricht Lell mit einer gewissen Distanz über diesen Moment. „Es war der Zeitpunkt, an dem ich innerlich gestorben bin, bevor ich wirklich gestorben wäre“, erklärte er. Dass er diese Phase überlebt habe, empfinde er als einschneidendes Schlüsselerlebnis. Seitdem habe sich sein Leben grundlegend verändert.

Der Ex-Profi macht keinen Hehl daraus, dass die Wurzeln seiner Probleme weit zurückreichen. Schon als Kind sei er mit traumatischen Erfahrungen konfrontiert gewesen. Er wuchs nach eigenen Aussagen in einem von Gewalt und Alkohol geprägten Elternhaus auf, Erlebnisse, die ihn bis ins Erwachsenenalter begleiteten.

Ein neuer Blick auf das eigene Leben

Heute blickt Christian Lell reflektierter auf seine Vergangenheit. Seine Karriere, die Titel, aber auch die Krisen hätten ihn geprägt. Nach Stationen bei Hertha BSC, dem spanischen Klub UD Levante und einem Amateurverein beendete er 2016 endgültig seine Laufbahn.

Hier finden Sie Hilfe
Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter www.suizid-praevention.gv.at finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich. Infos für Jugendliche gibt es unter www.bittelebe.at.)

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