Ü-30-Mutterglück: In diesem Alter noch Kinder?

Immer mehr Frauen entscheiden sich dazu, erst im späteren Alter Mutter zu werden. Doch das Ticken der biologischen Uhr darf nicht überhört werden.
Autor: Cornelia Scheucher, 10.11.2022 um 15:40 Uhr

Vor gar nicht allzu langer Zeit war es quasi undenkbar, das erste Kind erst nach dem 30. Lebensjahr zu bekommen. Mittlerweile liegt das Durschnittsalter der steirischen Mütter bei 31,2 Jahren. Stand früher die Familienplanung an erster Stelle, haben sich die Prioritäten mittlerweile geändert: Zuerst Karriere und die Erfüllung des Lebenstraumes, dann die Partnerschaft und schlussendlich der Nachwuchs.

Die biologische Uhr

Leider gibt es jedoch die biologische Uhr und deren Ticken wird mit zunehmendem Alter immer lauter. Eine Frau kommt mit etwa zwei Millionen Eizellen zur Welt, im Laufe der Zeit wird diese Anzahl immer kleiner. Ein spannender Fakt am Rande: Alle Eizellen der Frau entstehen bereits im Embryo-Stadium, und zwar in der fünften Schwangerschaftswoche der eigenen Mutter. Ist die Fruchtbarkeit einer Frau mit Anfang zwanzig auf ihrem Höhepunkt, nimmt sie danach rapide ab. Mit 30 ist etwa nur noch die Hälfte der Eizellen genetisch fit, mit 40 sind es nur noch zehn Prozent. Als Knackpunkt wird das 32. Lebensjahr genannt, denn ab diesem Zeitpunkt nimmt die Anzahl der befruchtungsfähigen Eizellen immer schneller ab. Und auch Samenzellen bleiben nicht ewig fit. Heißt: Es wird immer schwieriger, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. „Bei meinen 40-jährigen Patientinnen gibt es pro Jahr einen von zwölf Zyklen, in denen eine fruchtbare Eizelle wächst. Entweder wir haben Glück oder wir müssen auf eine Eizellenspende umsteigen“, erklärt Michael Schenk vom Kinderwunsch Institut in Dobl.

Medizinische Methoden

Die gute Nachricht ist: Es gibt heutzutage zahlreiche Möglichkeiten, die Biologie auszutricksen. Drei Methoden kommen dabei zum Einsatz. Bei der Insemination injiziert ein Mediziner aufbereitetes Sperma direkt in die Gebärmutter. Die IVF (In-vitro- Fertilisation) ist die älteste Methode und wird am häufigsten genutzt. Dabei trifft eine entnommene Eizelle erst im Reagenzglas auf das Sperma. Nach erfolgreicher Befruchtung werden eine oder mehrere Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt. Last but not least gibt es noch die ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion), bei der ein einzelnes Spermium mittels Pipette direkt in das Zellinnere einer zuvor entnommenen Eizelle injiziert wird. Bei Erfolg wird der Embryo in die Gebärmutter eingesetzt.

Ultraschalluntersuchung einer Schwangeren | Credit: iStock.com/gorodenkoff

Gedanken machen

Eine Schwangerschaft im fortgeschrittenen Alter ist also durchaus möglich, dennoch gilt: speed is the name of the game. Die meisten Menschen haben einen genauen Lebensplan und wissen, ob sie Kinder wollen oder nicht. Ist Ersteres der Fall, sollte man sich schon etwas früher mit dem Thema auseinanderzusetzen und gegebenfalls Vorbereitungen treffen. Ein gesunder Körper, eine ausgewogene Ernährung sowie eine gute Fitness können die Nachwuchsplanung positiv beeinflussen. „Es sollte keine Zeit vergeudet werden. Frauen können sich außerdem einer Fruchtbarkeits-Untersuchung unterziehen, um schlechte Eizellen oder ein anderes medizinisches Risiko auszuschließen“, rät der Experte. Und meint außerdem: „Ist man unter 35 Jahre alt und versucht bereits seit einem Jahr schwanger zu werden, würde ich jedem raten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.“

Das Risiko-Thema

Gerade ältere Mütter werden oft mit dem Thema „Risikoschwangerschaft“ konfrontiert. Und natürlich ist es wichtig, die Gesundheit der Frau und des Kindes im Blick zu behalten. Aber ein fortgeschrittenes Alter bedeutet nicht automatisch eine komplizierte Schwangerschaft. „Man kann Frauen nicht miteinander vergleichen. Das Risiko hängt natürlich auch vom individuellen Lebensstil ab. Eine Schwangerschaft bringt durchaus zusätzlichen Stress, ist die Frau jedoch komplett gesund, sehe ich darin kein Problem“, so Michael Schenk. Wichtig ist es, für den Nachwuchs sorgen zu können, ihm Liebe sowie Nähe zu vermitteln und seiner Verantwortung bewusst zu sein. Denn Kinder brauchen wenig anderes, um glücklich aufzuwachsen. Ob die Mutter 25 oder doch 40 Jahre alt ist, spielt in diesem Fall keine Rolle.