Rubey: Über Putin muss man Witze machen!

Intime Einblicke: Manuel Rubey über seine Unterstützung für Van der Bellen, die Grenzen des Humors und weshalb ihn die Schulmedizin in dunklen Stunden gerettet hat.
Autor: Stefanie Hermann, & Robert Eichenauer 24.09.2022 um 13:28 Uhr

Publikumsliebling, Neo-Autor und Falco-Mime: Manuel Rubey (43) ist für sein gesellschaftliches Engagement bekannt. Sein aktuelles Buch „Der will doch nur spielen“ entführt den Leser auf die Bühnen der Provinz. Mit dabei: tiefe Einblicke in die Denk- und Gefühlswelt des Wiener Publikumslieblings. Mit weekend spricht er über Bobo-Kabarett, seine Unterstützung für Van der Bellen und die Grenzen des Humors.

Wenn Sie heute jemand nach Ihrem Beruf fragt, was geben Sie zur Antwort?
Manuel Rubey:
Schauspieler. Ich glaube, alle anderen Sachen passieren aus einer Unterforderung. Der Schauspielberuf besteht aus viel Wartezeit …

Viele Kabarettisten schreiben Bücher. Ist denen allen langweilig?
Manuel Rubey
: Für die anderen kann ich es nicht beantworten. Es ist naheliegend, dass man, wenn man längere Zeit in diesem Beruf ist, beim Schreiben landet.

Falco war ein Macho

Als Menschen, die Sie inspirieren, nennen Sie in Ihrem Buch David Bowie, Bob Dylan und Falco. Was verbindet diese Männer untereinander und mit Ihnen?
Manuel Rubey:
Diese Künstler haben schon vor Jahren begonnen mit Geschlechterklischees zu spielen. Das Zweite ist die sogenannte Authentizität. Dieses permanente Versteckspiel und gleichzeitig sehr offen und verletzlich zu sein … An Falco finde ich super, dass er von anderen Künstlern geklaut hat ohne Ende. Sein Männlichkeitsbild ist dafür nicht so spannend – dieser Macho.

Feminismus ist bei Ihnen generell auch immer wieder ein Thema.
Manuel Rubey:
Ja, leider. Schade, dass es immer noch ein Thema ist. Themen wie Feminismus oder Rassismus sind 2022 einfach außer Streit zu stellen. Gleichzeitig bin ich aber nicht so naiv, dass ich nicht weiß, dass es nicht immer noch zur Spaltung führt oder zumindest Brennstoff ist.

Wie gehen Sie damit um?
Manuel Rubey:
Ich versuche, Gesprächen nicht auszuweichen. Ich liebe es, mit den Leuten nach der Vorstellung über Politik zu diskutieren. Wenn man es schafft, sich zumindest ein bisschen auszutauschen, habe ich die Hoffnung, dass man sich zentimeterweise annähern kann.

Wobei man immer sagt, dass die „falschen“ Leute ins Kabarett gehen.
Manuel Rubey:
Früher war klar: Oben steht jemand mit einer ziemlich linken Haltung und unten sitzen 98 Prozent, die komplette Bestätigung suchen. Das stimmt so nicht mehr. Wir hören immer öfter von Zusehern: „Lasst uns mit eurer Bobo-Politik“ in Ruhe. Das finde ich interessant, weil man mit denen ja sonst selten in Berührung kommt. Wenn es da gelingt, respektvoll zu bleiben, kann man der Spaltung etwas entgegenwirken.

Wie nehmen Sie das Gesprächsklima aktuell wahr?
Manuel Rubey:
Man muss zwischen sozialen Medien und Wirklichkeit differenzieren. Wenn die Menschen sich direkt begegnen, ist es zivilisierter. Das will ich glauben, das muss ich glauben. Die sozialen Medien führen in den Abgrund. Wir können nur versuchen aus diesen Blasen auszusteigen und uns im echten Leben begegnen.

Sie haben Van der Bellen bei seinem ersten Antritt unterstützt. Und diesmal?
Manuel Rubey:
Mache ich es wieder. Ich möchte mir gar nicht wirklich vorstellen, wo wir heute mit all den Krisen, der Kurz-ÖVP usw. ohne einen so besonnenen Verfassungslieber und Demokratie-Menschen stünden. Noch dazu bei diesen zum Teil wahnwitzigen Figuren, die sich noch zu tummeln. Ich schätze den Herrn Pogo – er ist ein kluger Mann, aber ich finde das Amt doch zu wichtig.

Sind solche Kandidaten eine Herabwürdigung des Amtes oder sogar demokratiegefährdend?
Manuel Rubey:
Ich finde es nicht ungefährlich. Ich finde es auch hochproblematisch, dass noch immer zwei vermeintlich große Parteien niemanden aufstellen, nur weil sie keine Chance sehen.

Gibt es Dinge im Kabarett, über die man sich nicht lustig machen darf? Über Putin beispielsweise?
Manuel Rubey:
Über Wladimir Putin muss man sich lustig machen, weil er eine erbärmliche Witzfigur ist, die natürlich Tragisches anrichtet. Mittlerweile ist er eine wahnsinnig lächerliche Figur mit großer Wirkung. Ich finde, Humor und Kunst muss alles dürfen.

Ohne Einschränkung?
Manuel Rubey:
Wer zieht die Grenze? Ich möchte sie nicht ziehen. Ja, per se würde ich sagen: Man kann über alles Witze machen. Ob man das mit seiner Haltung vereinbaren kann, ist eine andere Frage.

Wo ist Ihre persönliche Grenze?
Manuel Rubey:
Es ist interessanter, sich selber zu zerstören und nicht irgendwo hinzutreten. Ich möchte Menschen nicht diffamieren, sondern bestenfalls Situationen aufzeigen. Ich habe einen Witz im Programm, bei dem es tatsächlich immer wieder sehr böse Zuschriften gibt: „Was ist der Unterschied zwischen einem Pädagogen und eines Pädophilen? Der Pädophile mag Kinder.“ Das ist ein guter Witz – der funktioniert. Ich nehme es ernst, wenn sich jemand gekränkt fühlt, verstehe es, aber das muss man auch aushalten.

Wie lange hat es gedauert den Falco abzustreifen?
Manuel Rubey:
Das hat so lange gedauert, bis ich akzeptiert habe, dass ich mich nicht mehr dagegen wehren soll. Jetzt will ich es gar nicht mehr ausschließen, jetzt rede ich wieder gerne drüber, aber jetzt ist auch schon zu viel Zeit vergangen. Jetzt bin ich auch schon älter, als es Falco wurde.

Klingt ein bisschen nach einem verheilten Falco-Trauma.
Manuel Rubey:
Das würde ich nicht so hart sehen. Es war einfach ein Crashkurs in Sachen Umgang mit Medien, Persönlichkeitsrechte, Grenzen, was man herzeigen will. Das kam für einen 26-Jährigen sehr plötzlich und hat mich privat ziemlich ins Schleudern gebracht.

Werden Sie auch heute noch als Falco angesprochen?
Manuel Rube
y: Ja, das passiert zwei- bis dreimal pro Woche.

 

Die Pappkameraden sind auch schon eingetroffen. Ab heute in der Buchhandlung Ihres Vertrauens DER WILL NUR SPIELEN.

Gepostet von Manuel Rubey am Mittwoch, 24. August 2022

Berühmt-sein kann unangenehm sein

Beim Thema gekränkt: Sie berichten in Ihrem Buch von Momenten, in denen Sie jemand verwechselt oder der Name nicht einfällt. Beschäftigt sie das?
Manuel Rubey:
Es ist einfach wahnsinnig erniedrigend für alle Beteiligten. Ich finde, es gibt kaum eine peinlichere Situation, als jemanden erklären zu müssen, wer man selber ist, der einen aber vermeintlich erkannt hat. Das ist peinlich für alle – aber auch sehr lustig.

Welche Rolle spielt das Berühmt-werden für einen Schauspieler?
Manuel Rubey:
Als Kind habe ich fiktionale Interviews mit mir selbst gefährt. Je mehr ich mich mit dem Beruf ernsthaft beschäftigt habe, desto unwichtiger wurde das. Es ist schmeichelhaft, es ist auch störend, es ist einschränkend. Spätestens ab dem Moment, wenn man Kinder hat und Leute in diesen engen Schutzkreis hineinlatschen, wird es unangenehm.

Vieles geben Sie auch von sich aus preis, schreiben über Depression und Angstzustände. Wie ernst war es bei Ihnen?
Manuel Rubey:
Es war zumindest so, dass ich ohne Schulmedizin nicht mehr weiter wusste für eine gewisse Zeit. Ich bin sehr dankbar, dass es in dieser Stadt noch immer 24 Stunden tolle Betreuung gibt und es die Schulmedizin gibt, auf die man zurückgreifen kann, wenn es wirklich ein bisschen dunkel wird.

Was würden Sie heute Betroffenen raten?
Manuel Rubey:
Dass sie sich mit jedem Recht und mit jedem Selbstbewusstsein Hilfe holen! Es gibt tolle Hilfe, es gibt die Wissenschaft und es gibt auch Medikamente, die einfach wirken. Und dass man sich nicht selbst in sich zurückzieht und die Fehler bei sich selber sucht. Das führt meistens noch tiefer hinunterführt.

Wollen Sie ein schöneres Schlusswort anfügen?
Manuel Rubey
: Ein guter Freund von mir hat nach einer schweren Krankheit gesagt: „Das Wichtigste ist die Zuversicht.“