Lisa Eckhart: "Der Österreicher liebt den Fäkalhumor"

Kabarettistin Lisa Eckhart spricht im Interview über den Unterschied zwischen Österreich und Deutschland und ihre Lust auf das unsittliche Landleben.
Autor: Brigitte Biedermann, 14.09.2022 um 11:34 Uhr

Paris steht in Ihrem neuen Roman "Boum" im Fokus. Sie haben selbst dort gelebt. Was ist so faszinierend an dieser Stadt?
Lisa Eckhart: Paris hat im Gegensatz zu vielen anderen Städten Persönlichkeit. Es klingt kitschig, aber es ist die schönste Stadt der Welt. Ich glaube nicht, dass man dort wahnsinnig glücklich ist, aber wer will das schon. Es sind großartige Geschichten, die sich vor dieser Kulisse abspielen, und das muss reichen.

Aloisia erlebt so einiges in Paris. Entwickelt sich eine solche Geschichte erst beim Schreiben?
Lisa Eckhart: Gestartet bin ich mit einer sehr dürftigen Idee von einer jungen Österreicherin. Das Buch selbst hat schnell die Zügel in die Hand genommen, und dann war ich nur noch blinder Passagier.

Sie sind Sprachkünstlerin: Wissen Sie, welches Ihr erstes gesprochenes Wort war?
Lisa Eckhart: Ich weiß es noch, weil ich zufällig erst gestern meine Mutter danach gefragt habe. Es war „Aderl“ für Adler.

Gibt es einen Lieblingsausdruck von Ihnen?
Lisa Eckhart: Es ist ein Ausdruck, der in Deutschland – wo ich ja wohne – so gar nicht verstanden wird: `Der Spaß hört sich auf.´ Der Deutsche versteht nicht im geringsten was das Reflexive, dass er sich aufhört, heißen soll. Ich mag daran, wie selbstbestimmt der Spaß daherkommt.

Sie werden als Sprachfetischistin bezeichnet. Können Sie sich damit identifizieren?
Lisa Eckhart:
Das finde ich recht charmant. Aber es betrübt mich auch, weil ich daran sehe, wie gering das Niveau angesetzt wird. Ich bin eine gewöhnliche Sprachliebhaberin und finde es schade, dass gerade jene Menschen, die sich sprachsensibel wähnen, oft eine elendige Sprache pflegen. Da gibt es keine Schönheit und kein Spiel, sondern nur vorgefertigte Hülsen, mit denen versucht wird, möglichst korrekt, aber nicht schön zu sprechen.

Brigitte Biedermann und Lisa Eckhart I Credit: Katharina Schiffl

Die Cancel Culture hat letztes Jahr bei Ihnen zugeschlagen, jetzt geht es gerade der Abenteuerliteratur an den Kragen. Was halten Sie davon, Bücher, wie Winnetou, aus dem Verkehr zu ziehen?
Lisa Eckhart:
Es sollte uns zuversichtlich stimmen, dass wir die gröbsten Probleme aus der Gesellschaft entfernt haben, wenn das jetzt die schlimmste Baustelle ist. Das ist eigentlich ein Grund zum Jubeln.

Sie leben derzeit in Leipzig. Was ist der größte Unterschied zwischen Österreich und Deutschland?
Lisa Eckhart:
Der Humor. Die Deutschen lachen eher über sexuelle Witze, die Österreicher lieben die fäkalen Witze.

Sie haben Flugangst. Welche Phobien kennen Sie noch?
Lisa Eckhart:
Ich habe keine Freude mit Wasser. Also ich bin kein Hygienefanatiker. Wasser sparen ist bei mir kein politischer Aktivismus, ich stinke einfach. Ich bin einfach ein bisschen ein schmutziger Mensch und kann es mir leisten, weil das Publikum durch den Bildschirm oder den Bühnengraben von mir getrennt ist.

2023 kommt Ihr neues Programm, danach wollen Sie aufhören?
Lisa Eckhart:
Ich bringe nächstes Jahr die Kaiserin Stasi die Erste auf die Bühne. Dann habe ich angedacht, ins französische Exil zu gehen. Es ist ein Wunschdenken, dass man mich irgendwann vertreibt. Wahrscheinlich bin ich den Leuten nicht wichtig genug.

Nehmen Sie Mann und Kind mit?
Lisa Eckhart:
Das Kind nehme ich auf jeden Fall mit. Beim Mann muss ich schauen, wie er sich beträgt. Er ist herzlich eingeladen, und ich glaube, die Französinnen werden ihm zusagen, wenn ich nicht da bin.

Wenn Sie nach Frankreich auswandern, wo zieht es Sie hin: In die Großstadt oder aufs Land?
Lisa Eckhart:
Ich glaube, ich werde einmal das Land probieren, weil die Großstadt hatte ich jetzt 30 Jahre. Es reicht mit dem urbanen Tugendpfuhl, ich habe Lust auf das unsittliche Landleben.