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Harvey Weinstein im Rollstuhl – der ehemalige Produzent berichtet über Gewalt im Gefängnis
Gebrochen und isoliert: Harvey Weinstein schildert in einem aktuellen Interview seinen Alltag zwischen Zellenhaft und Gewalt auf Rikers Island.
Gebrochen und isoliert: Harvey Weinstein schildert in einem aktuellen Interview seinen Alltag zwischen Zellenhaft und Gewalt auf Rikers Island.
APA-Images / AFP / STEVEN HIRSCH

Harvey Weinstein: Ex-Mogul im Gefängnis zusammengeschlagen

11.03.2026 um 10:11, Marcel Toifl
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Harvey Weinstein bricht sein Schweigen: In einem neuen Interview berichtet er über brutale Gewalt im Gefängnis und seine Isolation von Hollywood.

Der tief gefallene Ex-Mogul Harvey Weinstein spricht erstmals ausführlich über seinen erschütternden Alltag hinter Gittern. Der 73-jährige frühere Hollywood-Produzent sitzt derzeit im berüchtigten Gefängnis Rikers Island in New York. In einem Interview schildert er seine soziale Isolation sowie massive Gewalt unter Mithäftlingen. Der ehemalige Miramax-Gründer verbüßt derzeit eine 16-jährige Haftstrafe wegen Sexualverbrechen.

Erstes Interview aus der Haft

Weinstein beschreibt einen Alltag in weitgehender Isolation. „Ich verbringe fast die gesamte Zeit in meiner Zelle. Manchmal fahre ich kurz im Rollstuhl raus, um etwas Luft zu schnappen – aber nur für eine halbe Stunde. Meistens bin ich 23 Stunden am Tag eingeschlossen“, erklärt der ehemalige Filmproduzent gegenüber The Hollywood Reporter.

Kontakt habe er fast ausschließlich zu Wärtern, Anwälten sowie wenigen Bekannten. Unter Mithäftlingen fühle er sich nach eigener Darstellung „unter Belagerung“. Diese würden ihn angeblich um Geld bitten oder hoffen, dass sein Anwaltsteam ihre Fälle übernehme. Rikers Island beschreibt Weinstein mit drastischen Worten als schlichtweg „die Hölle“. Besonders die Vorstellung, im Gefängnis zu sterben, bereite ihm große Angst.

Gewalt im Gefängnis

In dem Interview berichtet Weinstein auch von einem Vorfall massiver Gewalt. Der Angriff soll sich an den Telefonen der Haftanstalt ereignet haben, als Weinstein einen Mitinsassen ansprach, der gerade telefonierte.

„Als ich einmal darauf wartete, das Telefon benutzen zu können, fragte ich den Mann vor mir, ob er fertig sei. Er stand auf und schlug mir hart ins Gesicht. Ich fiel zu Boden und blutete überall. Ich war schwer verletzt“, schildert Weinstein gegenüber The Hollywood Reporter.

Auf Nachfrage der Beamten nannte er den vermeintlichen Täter jedoch nicht. „Die Polizisten fragten mich, wer das getan habe, aber ich konnte es nicht sagen. Man darf kein Verräter sein. Das ist das Gesetz des Dschungels“, sagt der 73-Jährige über die herrschende Gewalt und die ungeschriebenen Gesetze im Gefängnis.

Isolation von Hollywood

Weinstein beschreibt auch den Bruch mit früheren Weggefährten aus der Filmbranche. Zahlreiche Kontakte würden heute nicht mehr reagieren. Er nennt unter anderem Jeffrey Katzenberg, Ted Sarandos sowie Schauspieler Bradley Cooper.

„Ich wünschte, Jeffrey Katzenberg würde meinen Anruf annehmen. Ich wünschte, Ted Sarandos würde es tun oder Bradley Cooper. Ich vermisse diese Menschen nicht nur geschäftlich – da war mehr als das“, erklärt Weinstein im Gespräch mit The Hollywood Reporter.

Der ehemalige Hollywood-Manager zeigt Verständnis für die Distanz: „Ich bin Cancel-itis. Giftig. Wenn du meinen Anruf annimmst, wirst du selbst gecancelt.“ Er ergänzt: „Ich verstehe das. Ich erwarte nicht, dass jemand für mich seine Karriere zerstört.“ Die Isolation betreffe auch sein privates Umfeld; zwei seiner jüngsten Kinder hätten den Kontakt zu ihm abgebrochen. Über sein Verhalten gegenüber Frauen räumt er zwar ein, aufdringlich gewesen zu sein, betont aber: „Nach meiner Einschätzung habe ich keine Gesetze gebrochen.“

Neuer Prozess im April

Parallel zu seiner Zeit im Gefängnis steht Weinstein erneut vor einem Gericht in New York. Ein Richter setzte einen weiteren Prozess ab dem 14. April an. Dabei geht es um einen Anklagepunkt im Zusammenhang mit der Schauspielerin Jessica Mann.

Weinstein erhielt 2020 zunächst eine Verurteilung zu 23 Jahren Haft wegen Vergewaltigung sowie krimineller sexueller Handlungen, die jedoch 2024 wegen Verfahrensfehlern aufgehoben wurde. Ein Wiederaufnahmeverfahren im Jahr 2025 endete mit einem gespaltenen Urteil der Jury, weshalb dieser Vorwurf nun erneut verhandelt wird. Weinstein bleibt jedoch inhaftiert, da eine weitere Verurteilung zu 16 Jahren Haft in Los Angeles (2022/2023) fortbesteht.

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