Rücktrittswelle: Nächste ÖSV-Abfahrerin schmeißt hin
Nach den emotionalen Abschieden von Vizeweltmeisterin Mirjam Puchner und der Tirolerin Lena Wechner verliert das Damen-Team mit Vanessa Nußbaumer die nächste vielversprechende Abfahrtsläuferin. Besonders bitter: Die 27-jährige Vorarlbergerin zog den Schlussstrich nicht etwa wegen körperlicher Beschwerden – nach einer erfolgreichen Operation im April in Graz ist sie seit zweieinhalb Jahren endlich wieder komplett schmerzfrei.
Klartext im Interview: Die finanziellen Gründe
In einem Gespräch mit der Krone bezog die Sibratsgfällerin offen Stellung zu den bitteren Hintergründen, die hinter den Kulissen des Skiverbandes abliefen. Während ihr Körper grünes Licht gab, verlor sie die nötige finanzielle und sportliche Unterstützung für den Weltcup-Alltag: „Da ich letzte Saison trotz Schmerzen gefahren bin, habe ich keinen Verletztenstatus bekommen und jetzt meinen Kaderplatz im ÖSV verloren.“ Die 27-Jährige macht finanzielle Gründe für ihr Aus hauptverantwortlich: „Nachdem ich auch vom Bundesheer nicht mehr unterstützt werde, ist das für mich aber einfach nicht mehr finanzierbar.“
Emotionaler Abschied auf Instagram
Harmonisch und emotional klang die Botschaft, die Vanessa Nußbaumer am Freitagvormittag direkt an ihre Fans richtete. Auf ihrem persönlichen Social-Media-Kanal stellte sie die Dankbarkeit in den Vordergrund.
Die Zitate aus ihrem offiziellen Rücktritts-Posting auf Instagram:
- Über die Erfüllung ihrer Kindheitsträume: „The End. Es ist Zeit für etwas Neues. Die kleine Nessi hatte damals den Traum, im Europa- und Weltcup zu starten. Dass ich diesen Traum leben durfte, ist irgendwie schon sehr cool. Ich habe nicht alle Ziele erreicht, aber wenn ich zurückblicke, war es eine unvergessliche Zeit.“
- Über die Tränen nach der Horrorverletzung: „Es gab viele schöne Momente und Erfolge, aber auch Zeiten voller Tränen und Herausforderungen. Die letzten zweieinhalb Jahre nach meiner schweren Verletzung im Jahr 2023 waren für mich eine besonders große Herausforderung. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt und mich persönlich weiterentwickelt.“
- Über die körperlichen Grenzen und die Zukunft: „Mein Körper hat mir jedoch seine Grenzen aufgezeigt und ich konnte leider nie wieder 100 % geben. Nach meiner letzten Operation im April bin ich nun froh, dass ich endlich auf dem Weg zu einem schmerzfreien Alltag bin. Dennoch steht die Gesundheit an erste Stelle und ich möchte auch in Zukunft weiterhin sportlich active sein können.“
Endlich schmerzfrei, aber ohne ÖSV-Kader
Erst ein radikaler, finaler medizinischer Eingriff im April 2026 bei Professor Christian Kammerlander in Graz – der auch schon ÖSV-Teamkollegin Nina Ortlieb erfolgreich operiert hatte – brachte die ersehnte Erlösung. Noch vor knapp drei Wochen postete sie voller Erleichterung auf Instagram:
„Ich bin so glücklich, nach zweieinhalb Jahren endlich schmerzfrei zu sein und wieder alles machen zu können. Es war ein langer Weg, aber die Heilung fühlt sich endlich real an.“
Was Vanessa Nußbaumer nach dem abrupten Ende ihrer Skikarriere beruflich anpacken wird, ließ die Allrounderin vorerst noch komplett offen.
Die Chronologie einer schweren Leidenszeit
Die Tragödie Nußbaumers ist untrennbar mit dem 23. November 2023 verbunden. Bei einem verhängnisvollen Sturz im Abfahrtstraining auf der US-amerikanischen Piste in Copper Mountain zog sich die Speed-Spezialistin einen komplizierten Bruch des rechten Schien- und Wadenbeins zu, von dem sie sich sportlich nie wieder zu 100 Prozent erholen sollte.
Die Chronologie ihrer jahrelangen, schmerzhaften Comeback-Versuche:
- Der verpatzte erste Versuch: Ein geplanned Comeback im Dezember 2024 endete in einer Sackgasse. Wegen unerträglicher Schmerzen im Unterschenkel musste die Saison im Januar 2025 abgebrochen werden, um im Sanatorium Hochrum den US-Marknagel operativ zu entfernen.
- Das sensationelle Europacup-Podium: Am 1. Dezember des Vorjahres schöpfte Nußbaumer neue Hoffnung, raste bei der FIS-Abfahrt in Gröden auf Rang fünf und stand am 20. Januar beim Super-G in St. Anton als sensationelle Dritte wieder auf dem Europacup-Podest.
- Die medizinische Sackgasse: Im Weltcup reichte es Anfang März im Fassatal nur noch zu Rang 31 – die Punkteränge verpasste sie um mickrige 0,07 Sekunden. Nußbaumer verriet der Krone später verzweifelt: „Allerdings bin ich die ganze Saison mit Schmerzen gefahren und die Ärzte haben gesagt, dass das auch nimmer besser wird.“