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Der britische Künstler David Hockney vor einem Gemälde von ihm in einer Pariser Galerie
David Hockney verstarb friedlich im Alter von 88 Jahren in seinem Zuhause, nur wenige Wochen vor seinem Geburtstag
David Hockney verstarb friedlich im Alter von 88 Jahren in seinem Zuhause, nur wenige Wochen vor seinem Geburtstag
APA-Images / AFP / THOMAS COEX

Pop-Art-Ikone tot: Jahrhundert-Künstler ist verstorben

12.06.2026 um 12:43, Marcel Toifl
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Trauer in der Kunstwelt: Der britische Jahrhundertkünstler David Hockney ist im Alter von 88 Jahren friedlich in seinem Zuhause verstorben.

Wie seine Sprecherin Erica Bolton am Freitagvormittag offiziell bestätigte, ist der gefeierte britische Maler, Fotograf und Grafiker David Hockney am Donnerstag im Alter von 88 Jahren verstorben. Der Mitbegründer der Pop-Art-Bewegung schlief nur knapp einen Monat vor seinem 89. Geburtstag friedlich in seinem Zuhause ein. Hockney, der mit seinen sonnendurchfluteten Swimmingpool-Gemälden weltweite Berühmtheit erlangte, galt bis zuletzt als unermüdlicher Innovator, der selbst im hohen Alter Leinwand und Pinsel gegen das iPad eintauschte.

Der Aufstieg des Genies aus Bradford

Geboren am 9. Juli 1937 im nordenglischen Bradford, wuchs David Hockney in einfachen, von den Kriegswirren geprägten Verhältnissen auf. Trotz des kargen Umfelds kristallisierte sich sein außergewöhnliches zeichnerisches Talent bereits im Kindesalter heraus, was ihn schließlich an das renommierte Royal College of Art in London führte.

Die prägenden Stationen seiner frühen Karriere im Überblick:

  • Kreativität in Mangelzeiten: Aufgrund des kriegsbedingten Papiermangels in den 1940er-Jahren nutzte der junge Hockney den Küchenboden und kirchliche Gesangsbücher für seine ersten zeichnerischen Gehversuche.
  • Der rebellische Musterschüler: Obwohl er als absoluter Star-Student der Londoner Kunstakademie galt, weigerte er sich standhaft, die finale theoretische Abschlussarbeit zu verfassen. Nach heftigen öffentlichen Protesten lenkte das College ein und verlieh ihm dennoch das Diplom samt Goldmedaille.
  • Mut zur Identität: Als einer der ersten offen homosexuellen Künstler seiner Generation thematisierte Hockney in den 1960er-Anjahren erotische Beziehungen zwischen Männern, als Homosexualität in Großbritannien strafrechtlich noch strengstens verboten war.

Die kalifornische Sonne und der Auktionsrekord

Der wohl bedeutendste Wendepunkt in Hockneys Schaffen war sein Umzug nach Los Angeles im Jahr 1964. Die gleißende Sonne, die minimalistische Architektur der Vorstädte und das flirrende Licht Südkaliforniens wurden zu den zentralen Motiven, die sein gesamtes weiteres Lebenswerk definierten.

Die kommerziellen und künstlerischen Höhepunkte seiner Schaffensphase:

  • Die Geburt der Pool-Ikonen: Meisterwerke wie „A Bigger Splash“ (1966) etablierten seinen unverwechselbaren Stil, der von klaren Linien, flachen Acrylstrukturen und der mathematisch präzisen Brechung des Lichts im Wasser lebte.
  • Historischer Auktionsrekord: Im November 2018 schrieb Hockney Kunstgeschichte, als sein berühmtes Doppelporträt „Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)“ bei Christie’s in New York für rund 90,3 Millionen Dollar (ca. 78 Millionen Euro) versteigert wurde – der damals weltweite Rekord für einen lebenden Künstler.
  • Kulturelles Denkmal: Sein britisches Doppelporträt „Mr. and Mrs. Clark and Percy“ wurde in einer groß angelegten BBC-Umfrage auf Platz 5 der bedeutendsten Gemälde Großbritanniens gewählt – als einziges Werk eines damals noch aktiven Malers.

Technologische Innovationen und Bühnenbild

Hockney weigerte sich zeitlebens, sich auf etablierten Erfolgen auszuruhen. Bis ins neunte Lebensjahrzehnt hinein experimentierte er mit neuen Medien, entwarf monumentale Kulissen für die größten Opernhäuser der Welt und erforschte die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung.

Seine multidisziplinären Errungenschaften im Fokus:

  • Meister der Fotocollage: In den 1980er-Jahren revolutionierte er die Fotokunst durch komplexe, aus Hunderten Einzelaufnahmen zusammengesetzte Panoramen wie „Pearblossom Highway“, die an die kubistischen Perspektiven Pablo Picassos anlehnten.
  • Das iPad als Leinwand: Mit dem Erscheinen des ersten iPads entdeckte Hockney das digitale Zeichnen für sich. Er schuf hunderte leuchtende Landschaften der Normandie und Yorkshire direkt auf dem Bildschirm und stellte diese in Paris und New York aus.
  • Ein Denkmal für die Queen: Im Jahr 2018 gestaltete er zu Ehren von Königin Elizabeth II. das imposante „Queen’s Window“ in der Westminster Abbey – ein farbenprächtiges Buntglasfenster, das eine blühende Heckenlandschaft darstellt.

Ein eigenwilliger Charakter abseits der Normen

Trotz seines unermesslichen Reichtums und der weltweiten Bewunderung blieb der Mann mit den markanten runden Hornbrillen und den platinblond gefärbten Haaren stets ein bodenständiger Nonkonformist. Er definierte Reichtum rein über die Freiheit, tun zu können, was man liebt.

Anekdoten über den exzentrischen Ausnahmekünstler:

  • Die Verweigerung des Ritterschlags: Im Jahr 1990 lehnte Hockney die Schlägerung zum Ritter („Knighthood“) durch das britische Königshaus strikt ab. Den elitären „Order of Merit“ akzeptierte er 2012 nur, weil er ihn als persönliches Geschenk der Königin betrachtete.
  • Zigarettenpause in der Tate Britain: Zu seinem 70. Geburtstag im Jahr 2007 schaltete die Londoner Tate Britain nach dem Abendessen für exakt zehn Minuten die Feuermelder ab, um dem bekennenden Kettenraucher eine Zigarette im Ausstellungsraum zu ermöglichen – eine Ehre, die sonst niemandem zuteilwurde.
  • Das ungeschriebene Gesetz: Auf die Frage nach dem Geheimnis seines jahrzehntelangen Erfolgs verwies Hockney stets auf einen simplen Ratschlag eines Studienfreundes aus den 1960er-Jahren: „Male einfach nur die Dinge, die du wirklich liebst.“

David Hockney hinterlässt seinen langjährigen Lebenspartner Jean-Pierre Gonçalves de Lima, seine zwei Brüder Phillip und John sowie seinen Großneffen und Studioassistenten Richard. Sein unermessliches Erbe spiegelt seine ungebrochene Begeisterung für das Leben und das Sehen wider.

Mit dem Tod des Genies aus Yorkshire schließt sich eines der faszinierendsten Kapitel der zeitgenössischen Kunstgeschichte.

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