Emily Artmann: Österreichische Kultregisseurin (50) verstorben
- Von Salzburg über die Filmakademie zur Montage
- „Der wackelatlas“: Filmisches Porträt des Vaters
- Eigene Wege in der Lyrik
- Sprache als Lebensform
- Vermächtnis einer stillen Beharrlichkeit
Die österreichische Filmemacherin und Lyrikerin Emily Artmann ist tot. Sie starb am 21. Jänner in Wien, wie ihr Ehemann Wolfgang Widerhofer gegenüber der APA bestätigt. Artmann, Tochter des Dichters H. C. Artmann (1921–2000) und der Autorin Rosa Pock, wurde 50 Jahre alt. Über ihre genaueren Todesumstände und -ursache liegen keine weiteren Details vor.
Von Salzburg über die Filmakademie zur Montage
Geboren am 13. Juli 1975 in Salzburg, studierte Emily Artmann zunächst Ethnologie, bevor sie an die Wiener Filmakademie wechselte. Dort spezialisierte sie sich auf Schnitt und Montage – eine Disziplin, in der sie den Rhythmus der Sprache ins Bild übertrug. Seit Mitte der 1990er-Jahre verantwortete sie den Schnitt zahlreicher Dokumentarfilme, die vor allem durch Sensibilität und formale Strenge auffielen.
„Der wackelatlas“: Filmisches Porträt des Vaters
Bekannt wurde Artmann 2001 mit dem Dokumentarfilm „der wackelatlas – sammeln und jagen mit H. C. Artmann“, den sie gemeinsam mit ihrer Cousine Katharina Copony († 2024) drehte. Das Werk zeigt poetisch und mit großer Nähe Gespräche mit dem Dichter in seinen letzten Lebensmonaten. Es kreist um Sprache, Erinnerung und das Spiel mit Wirklichkeit. Das Transkript des Films erschien später im Verlag Ritter.
Ein Mantel aus Fischhaut: Eigene Wege in der Lyrik
Abseits des Films fand Emily Artmann auch in der Literatur eine unverwechselbare Stimme. Ihr 2021 erschienener Band „in einem mantel aus fischhaut“ (Edition Thanhäuser) umkreist in 122 Gedichten in klarer, zurückhaltender Sprache Persönlichkeiten aus Mythos und Geschichte. 2025 folgte „Arboretum“, ein lyrisches Herbarium über Natur und Vergänglichkeit. Beide Bücher sind leise, konzentrierte Arbeiten – fern vom Pathos, nah an der Wahrnehmung.
Wir sind betroffen! Die Autorin, Cutterin und Filmemacherin Emily Griseldis Artmann, Tochter des Autorenpaars H. C....
Gepostet von Literaturhaus Salzburg am Dienstag, 27. Januar 2026
Sprache als Lebensform
Aufgewachsen in einem Haus, in dem das Wort Mittelpunkt war, fand Artmann früh zu einer eigenen Haltung. Während der Vater für sprachliche Virtuosität und barocke Fülle stand und die Mutter mit radikaler Reduktion arbeitete, verband Emily Artmann beides zu einer Form der stillen Präzision. Ihre Poesie war nie laut, aber von beständiger Präsenz.
Vermächtnis einer stillen Beharrlichkeit: Familie trauert
Emily Artmann hinterlässt ihren Mann, eine Tochter und ihre Mutter. Ihr Werk, das zwischen Film, Literatur und dem Nachdenken über Sprache steht, ist klein an Umfang, aber groß an Haltung. Es erinnert daran, dass künstlerische Konsequenz nicht Lautstärke braucht, sondern Genauigkeit.
Quellen und weiterführende Informationen
- Der Standard – Zum Tod der Lyrikerin und Filmemacherin Emily Artmann (27.01.2026): Nachruf auf Emily Artmann mit biografischen Details, Werkanalyse und Zitaten aus dem Familienumfeld.