Ein Leben für den Sport: Kaiser Franz

Zu Fuß den Hang hinaufstapfen und dann runterdüsen. So sehen die Anfänge von Franz Klammers Karriere aus. Einen Skilift gibt es zu dieser Zeit in seiner Heimatgemeinde Mooswald in Kärnten nicht. Und so muss sich Franz jede einzelne Fahrt hart erarbeiten. Die Mühen zahlen sich auch aus. Mit 14 Jahren fährt er sein erstes Rennen auf dem Gutenberg im Gailtal. Dort holt er auf Anhieb den zweiten Platz. Ein Jahr darauf ist er schon im Kärntner Jungkader und wird dreifacher Meister.

Die Anfänge

1971 bestreitet Franz Klammer seine erste Abfahrt im Europacup in Bad Kleinkirchheim, ein Jahr später misst er sich bereits mit den Besten der Besten im Weltcup. Den ersten großen Sieg feiert er 1973 auf der Schladminger Planai. Von da an dominiert Klammer die Königsdisziplin. Es gibt kaum eine Siegerehrung, bei der er nicht am Podest steht. Besonders die Klassiker liegen dem Kärntner. Die legendäre Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel gewinnt er viermal, das Lauberhorn in Wengen dreimal und die Val Gardena in Gröden ebenfalls viermal.

Die perfekte Linie

1976 kommt es zu einem ganz besonderen Moment in Klammers Karriere. Als klarer Favorit geht er bei der Olympiaabfahrt am Patscherkofel in Innsbruck an den Start. Alle Augen sind auf den 22-jährigen Rennläufer gerichtet. Als er mit der Nummer 15 an den Start geht, sind die Pistenbedingungen nicht mehr optimal. Nach einem schweren Fehler im oberen Teil liegt er in der Zwischenzeit zurück, im letzten Teil holt er aber dann doch noch viel Zeit heraus und feiert mit einem Vorsprung von 33 Hundertstel den Sieg. „Dieser Sieg war schon lebensverändernd. Natürlich ist der erste Sieg überhaupt sehr wichtig und auch der erste Sieg auf der Streif, weil der als Abfahrer einfach dazugehört, aber dieser Sieg als Favorit in Österreich war sicher der wichtigste“, resümiert Klammer. Dieses spektakuläre Rennen, bei dem Klammer nicht nur sein großes Talent, sondern auch Nerven aus Stahl beweist, geht in die Skigeschichte ein und fasziniert auch 45 Jahre später noch. So sehr, dass die Ereignisse mit „Klammer – Chasing the Line“ verfilmt werden. „Ich glaube, die Emotionen in dieser Woche vor dem Rennen werden im Film gut rübergebracht. Auch der Titel ist sehr treffend. Ich habe damals die richtige Linie gesucht und im entscheidenden Moment gefunden“, lobt er die 2021 erschienene Verfilmung.

Klammer – Chasing the Line

Ich glaube, die Emotionen in dieser Woche vor dem Rennen werden im Film gut rübergebracht. Auch der Titel ist sehr treffend. Ich habe damals die richtige Linie gesucht und im entscheidenden Moment gefunden.

– Franz Klammer, ehemaliger Skirennläufer und erfolgreichster Abfahrer aller Zeiten

Unvergleichbare Erfolge

Im Laufe seiner Karriere gewinnt Klammer fünfmal den Abfahrtsweltcup, holt 25 Siege in der Einzelabfahrt sowie einen Sieg in der Kombination, sichert sich zwei Weltmeistertitel und eine olympische Goldmedaille. Mit Recht darf er als Kaiser der Abfahrt bezeichnet werden, denn diese Ergebnisse in der Königsdisziplin des Skifahrens bleiben bis heute unübertroffen. Sein Erfolgsrezept? „Ich habe versucht, mich innerlich von der Außenwelt abzuschotten und einfach auf das Skifahren zu konzentrieren. So konnte ich auch bei großer Belastung gut fahren“, erklärt Klammer. 1985 ist dann aber Schluss, er gibt seinen Rücktritt vom professionellen Skisport bekannt. Ruhiger angehen und es sich in der Skipension gutgehen lassen, kommt jedoch nicht in Frage. Denn die Leidenschaft für einen anderen, nicht weniger temporeichen Sport, hat ihn gepackt. So werden Skier gegen Reifen getauscht. Bis 1988 ist Klammer als Rennfahrer im Team von Formel-1-Rennfahrer Helmut Marko unterwegs und feiert einige Siege bei Tourenwagen-Europameisterschaften. Die großen Erfolge, die er im Ski-Weltcup gefeiert hatte, bleiben jedoch aus. So bleibt der Motorsport für Klammer eher ein Ausflug.

Franz Klammer versuchte sich auch im Motorsport

Begeisterung für Golf

Und was treibt er heute so, der Klammer Franz? Auch wenn der Ski-Zirkus bereits einige Jahre hinter ihm liegt, so bleibt die Leidenschaft für Sport erhalten. In seiner Freizeit genießt er gerne die Schönheit der Natur, geht Skifahren und Wandern mit Freunden und Familie. „Skifahren ist für mich ein Gesellschaftssport, den ich mit Freunden und Familie betreibe. Ab und zu „loss i nu lafn“, wenn die Pistenverhältnisse gut sind, aber grundsätzlich gehe ich es eher gemütlich an. Ich muss meine Grenzen nicht mehr austesten“, erzählt Franz Klammer. Privat hat er schon lange das große Glück mit seiner Eva gefunden, die er 1979 geheiratet und mit der er zwei Kinder hat. Auch auf dem Grün findet man den Abfahrtskaiser nicht selten. Seit den 1980er-Jahren ist er begeisterter Golfer und veranstaltet jedes Jahr das Turnier „Klammer Trophy“ in Bad Kleinkirchheim.

Großer Einsatz

Soziales Engagement ist dem 67-Jährigen ebenfalls sehr wichtig. Mit der 1998 gegründeten „Franz Klammer Foundation“ unterstützt er Menschen, die durch einen Unfall im Sport plötzlich in schwere Not geraten sind. Ausschlaggebend für die Gründung der Stiftung war der schwere Sturz seines Bruders Klaus bei einer FIS-Abfahrt 1977, der eine Querschnittslähmung zur Folge hatte. Außerdem ist der Kärntner, der mittlerweile in Wien lebt, als Sportkoordinator für die Hypo Group Alpe Adria tätig, engagiert sich in der olympischen Bewegung, ist Botschafter der Vereinten Nationen und Mitglied der „Laureaus Sport for Good Foundation“. Bei so vielen Aktivitäten kann man der Skilegende eigentlich nachsagen, in der Pension zu sein. Sein Leben ist nach wie vor dem Sport gewidmet und das wird es wohl auch noch lange Zeit bleiben.

Autor: Teresa Frank, 21.01.2022