Gesundheitsminister Anschober tritt zurück

Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Rücktrittsgerüchte standen schon länger im Raum. Die Spekulationen um die Zukunft des Ministers haben sich in den letzten Wochen gemehrt. Mehrfach musste der Minister in Krankenstand treten.

Die letzten 15 Monate fühlen sich eher an wie 15 Jahre.

"Vieles richtig gemacht"

Anschober zieht in einer emotionalen Erklärung Bilanz: Vor 15 Monaten, die sich jetzt „mehr wie 15 Jahre anfühlen“, habe er eine sehr schöne, herausfordernde Tätigkeit übernommen. Nach nur einem Monat habe sich die Lage schlagartig geändert. Die schwerste Gesundheitskrise seit Jahrzehnten, die globale Pandemie, habe das Gesundheitsministerium über Nacht in den Mittelpunkt gerückt. Trotz Fehlern sei vieles richtig gelaufen, so Anschober, der unter anderem die hohe Testquote als Erfolg nennt.

Steigende Aggressivität und Polizeischutz

Die zunehmende Aggressivität, wenn auch einer kleinen Gruppe, sei mit der Pandemie gewachsen. Seit November steht Anschober unter Polizeischutz, auch ihm nahestehende Personen wurden mehrfach bedroht. Sein Dank gelte den Einsatzkräften der Polizei und Cobra. Aber: „Auch sie konnten nicht verhindern, dass mir eine wichtige Quelle der Energie genommen wurde: Das ganz unbefangene Gespräch in der U-Bahn, auf der Straße, in der Westbahn war nicht mehr möglich“, sagt Anschober. Mehrfach bricht seine Stimme.

Mahnende Worte an Nachfolger

Kraft gekostet habe aber auch der Kampf gegen Windmühlen. Offen trat Anschober in den letzten Monaten für härtere Maßnahmen ein. „Nicht auszudenken, was jetzt wäre, wenn wir vor vier Wochen die Gastgärten geöffnet hätten“, so der Ex-Minister in spe. „Ich bin froh, dass wir die Osterruhe – Kritiker haben Recht, es ist ein Lockdown – durchgesetzt haben.“ Noch sei man nicht über den Berg. Als Probleme nennt er: Mutationen, Testmüdigkeit, Impfskepsis und zu rasche Öffnungen. Für die Zukunft gibt er mahnende Worte auf den Weg: Man solle sich nicht hinreißen lassen, zu schnell zu öffnen. Bis es zu einer kompletten Durchimpfung kommt, gelte es jede Infektion zu vermeiden.

Emotionale Worte zum Abschied

„Ich habe versucht in den letzten 14 Monaten alles zu gegeben, mit voller Kraft und Einsatz. Ich habe seit 14 Monaten praktisch durchgearbeitet und ich habe mich dabei ganz offensichtlich überarbeitet. Seitdem ich seit einigen wenigen Wochen nicht mehr voll fit. Mir ist teilweise die Kraft ausgegangen. Ich habe zunehmende Kreislaufprobleme bekommen, steigender Bluthochdruck, steigender Zucker, ein beginnender Tinnitus“, sagt er offen. „Für Erkrankungen braucht sich niemand zu schämen, wichtig ist es, Tabus wegzubringen. Und weil ich vor 9 Jahren ein Burnout gehabt habe, war es für mich wichtig, offen und transparent umzugehen.“

Ich bin überarbeitet und ausgepowert.

Kein Burnout

Nach einem Kreislaufkollaps vor einem Monat haben die Ärzte Anschober geraten sich zu schonen. Aber: „Das ist kein Burnout. Hätte ich eines, würde ich nicht hier stehen, ich hätte nicht die Kraft dafür.“ Nichtsdestotrotz habe er erkannt, dass er die Notbremse ziehen müsse. In jedem Beruf, auch dem des Gesundheitsministers, sollte das möglich sein. Aber: Während der schlimmsten Gesundheitskrise seit Jahrzehnten sei das nicht machbar.

Die Republik braucht einen Gesundheitsminister, der zu hundert Prozent fit ist.

Termin für Übergabe steht fest

„Am kommenden Montag wird vermutlich die Angelobung meines Nachfolgers stattfinden“, sagt Anschober ,der sein Amt am 19. April niederlegt. Pläne für die Zeit danach gebe es noch nicht. Nach fünf Sachbüchern habe er aber Lust, endlich einen politischen Roman zu schreiben. Inspiration gab es über das letzte Jahr wohl genug.

Nachfolger steht fest

Nur wenige Stunden nach Anschobers Rücktritt, hat Vizekanzler Kogler seinen Nachfolger präsentiert.

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Autor: Stefanie Hermann, 13.04.2021