Alex Kristan: "Erwachsen? Nein, danke!"
Inhalt
- Alex Kristan über das Kind im Manne
- Warum Alex Kristan heute öfter Nein sagt
- Alex Kristan über Älterwerden und Longevity
Älterwerden? Gerne! Erwachsen werden? Lieber nicht. Kabarettist Alex Kristan gibt im exklusiven weekend-Interview persönliche Einblicke.
Alex Kristan über das Kind im Manne
In Ihrem neuen Programm „Born to be Child“ geht es darum, das Kind in sich nicht zu verlieren. Was kann der kleine Alex besser als der erwachsene?
Kristan: Das, was uns im Erwachsensein langsam abhandenkommt: lachen, neugierig und unbefangen sein, Fantasie haben und zuhören können. Kinder können viel besser im Moment sein als wir, weil sie die Welt um sich herum beim Spielen ausblenden. Da können wir uns viel abschauen – und nicht alles mit dem Smartphone filmen, sondern wieder mehr live erleben und als Erinnerung im Hirn statt im Handy abspeichern.
Warum heißt es eigentlich „Das Kind im Manne“? Dürfen Männer ungenierter kindisch sein als Frauen?
Kristan: Nein, aber das Kind im Manne äußert sich ja meistens dadurch, dass Männer sich wieder Spielzeug für Erwachsene kaufen. Frauen hingegen entdecken das Kind in sich meistens durch einen Schwangerschaftstest.
Sie sagen, erwachsen zu sein bedeute auch, die Versprechen einzulösen, die man sich als Kind gegeben hat. Wie gut ist Ihnen das gelungen?
Kristan: Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wie der Satz „wenn ich mal groß bin, dann ...“ geendet hat, aber ich versuche heute so gut es geht, mir meinen Spieltrieb zu bewahren und etwas auch einfach mal aus irrationaler Freude zu tun. Wo ich sicher noch Luft nach oben habe, ist, wenn es darum geht, meine eigenen Gefühle nach außen hin zu zeigen. Ich mache vieles mit mir selbst aus.
Was ist das Kindischste, das Sie in den letzten zwölf Monaten gemacht haben?
Kristan: Ich müsste eher überlegen, was das Vernünftigste war. Ich lache gern und viel und liebe es, mit meiner Tochter herumzublödeln. Sie sagt dann oft: „Papa, du wirst wohl nie erwachsen.“ Das empfinde ich als sehr großes Kompliment.
Warum Alex Kristan heute öfter Nein sagt
Sie sind als Stimmenimitator bekannt geworden. Heute hört man viel mehr Alex Kristan selbst auf der Bühne. Wie kam es dazu?
Kristan: Ich denke, das ist ein ganz natürlicher Entwicklungsprozess, der in den letzten 25 Jahren stattgefunden hat. Wenn man in diesem Beruf langfristig bestehen möchte, muss man sich permanent weiterentwickeln und dem Publikum neue Facetten zeigen.
Ich möchte kein ‚Ja‘ zu anderen sagen, wenn das gleichzeitig ein ‚Nein‘ zu mir selbst bedeutet.
Mit über 50 kennt man sich selbst ziemlich gut. Haben Sie in letzter Zeit eine neue Seite an sich entdeckt?
Kristan: Ja, ich erlaube mir im Gegensatz zu früher viel öfter das Wort „Nein“. Ein „Nein“ schützt mich vor Überlastung, gibt mir Resilienz und Selbstachtung und macht ein „Ja“ umso wertvoller.
Wird einem mit dem Alter auch egaler, was andere denken?
Kristan: Es ist mir nicht egal, was meine Familie und mein engstes Umfeld von mir denken. Aber ich möchte keine Erwartungen mehr erfüllen, die nicht zu mir passen. Mir ist wichtiger, authentisch zu sein, als es allen recht zu machen. Die Lebenszeit, die vor einem liegt, ist kürzer als die, die hinter einem liegt. Das schärft den Blick für das Wesentliche.
Alex Kristan über Älterwerden und Longevity
Beim Wort ‚Hype‘ gehe ich instinktiv in eine Art geistige Schonhaltung.
Eisbäder, Schlaftracking, Biohacking – beim Longevity-Hype wird Älterwerden fast zum Vollzeitjob. Was davon machen Sie mit und wo wird es für Sie absurd?
Kristan: Beim Wort „Hype“ gehe ich instinktiv in geistige Schonhaltung, weil es bei einem Hype zumeist um ein gezielt erzeugtes Massenphänomen mit kurzer Halbwertszeit geht. Bei Longevity wurde aus wissenschaftlicher Altersforschung eine milliardenschwere Optimierungsindustrie. Auf Sardinien werden überdurchschnittlich viele Menschen über 100. Nicht, weil sie Biohacking betreiben oder ihren Schlaf tracken, sondern weil sie sich von frischen, regionalen Lebensmitteln ernähren, bis ins hohe Alter aktiv bleiben und ein intaktes soziales Umfeld haben. Daran könnte man sich orientieren, finde ich.
Macht Ihnen das Älterwerden manchmal Angst?
Kristan: Überhaupt nicht. Ich kann die Zeit ohnehin nicht anhalten und empfinde es als Privileg, überhaupt älter werden zu dürfen. Einige Freunde aus meiner Schulzeit sind durch Krankheit oder Unfälle nicht mehr unter uns. Ich finde, jeder Altersabschnitt birgt neue Möglichkeiten und Chancen, sofern man ihn bei guter Gesundheit erleben darf.