Scott Adams: Umstrittener Comic-Zeichner ist tot
Der US-Cartoonist Scott Adams, Schöpfer des satirischen Comicstrips "Dilbert" ist tot. Der konservative Kommentator ist im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer metastasierten Prostatakrebserkrankung verstorben.
Krankheit, letzte Monate und Abschied
Im Mai 2025 machte Adams öffentlich, dass bei ihm eine aggressive Form von Prostatakrebs diagnostiziert worden sei, die bereits in die Knochen gestreut habe. Der Zeichner suchte Zugang zu experimentellen Behandlungen, darunter dem Krebsmedikament Pluvicto, doch die Krankheit schritt weiter fort. Adams Zustand verschlechterte sich rapide.
Bereits im November 2025 teilte Adams mit, dass er seine Zeichentätigkeit wegen Krämpfen und teilweiser Lähmungen in den Händen nicht mehr ausüben konnte. Er arbeitete jedoch weiter an den Skripten zu seinem Comic, unterstützt von seinem Art Director. Seine letzten Monate waren von starker körperlicher Einschränkung geprägt, während er geistig weiter aktiv blieb. Bis Jänner 2026 verlor er das Gefühl in den Beinen vollständig und litt zusätzlich unter einer anhaltenden Herzinsuffizienz. Die Chance auf eine Besserung sei äußerst gering, erklärte Adams am 1. Jänner. Seine Zuhörer bat er bereits, sich darauf einzustellen, dass der Jänner für ihn eine Phase des Übergangs werden könne.
Die Nachricht von Adams’ Tod wurde am Dienstag, 13. Jänner 2026, von seiner Ex-Frau Shelly Miles während eines Livestreams seines YouTube-Kanals und Podcasts "Real Coffee with Scott Adams" bekannt gegeben. „Ich hatte ein unglaubliches Leben“, liest sie aus seinem Abschiedsbrief vor. „Mein Körper ist vor meinem Geist gegangen.“ von "The Scott Adams School" und seine offiziellen Social-Media-Kanäle bestätigten die Meldung vom Tod des Zeichners.
Herkunft, Ausbildung und berufliche Anfänge
Scott Adams wurde 1957 in Windham, New York, geboren. Bereits im Alter von 6 Jahren begann er, Cartoons und Comics zu zeichnen. Bereits früh prägten ihn Arbeiten von Charles Schulz und dessen "Peanuts", die seine Vorstellung vom Erzählen in Bildern prägten.
Nach der Schulzeit studierte Adams Volkswirtschaftslehre am Hartwick College und schloss 1979 mit einem BA ab. Anschließend zog er nach Kalifornien, wo er bei der Crocker National Bank verschiedene Bürotätigkeiten ausübte, unter anderem als Computerprogrammierer, Budgetanalyst und Bankangestellter. Die Erfahrungen der Bürowelt bildeten später einen wichtigen Hintergrund für seine satirischen Beobachtungen.
Parallel zu seiner Berufstätigkeit setzte Adams seine Ausbildung fort. Er absolvierte ein MBA-Studium an der University of California, Berkeley, das er 1986 abschloss. Während seiner anschließenden Tätigkeit beim Telekommunikationsunternehmen Pacific Bell im Bay-Area-Büroumfeld entwickelte er die Figur Dilbert, die zum Ausgangspunkt seiner späteren Karriere wurde.
"Dilbert": Erfolg und Werk
Mit nüchterner Satire griff Adams die Absurditäten der modernen Arbeitswelt auf. Der Comicstrip "Dilbert" startete im April 1989 bei United Media und wurde noch im selben Jahr erstmals veröffentlicht. Im Zentrum steht ein kompetenter, aber frustrierter Ingenieur, der sich in einem dysfunktionalen Büroalltag behaupten musste.
Bereits 1994 war "Dilbert" in mehr als 400 Zeitungen vertreten. Bis zum Ende der 1990er-Jahre erschien der Strip in über 2.000 Publikationen weltweit und wurde in 65 Ländern gedruckt. Besonders in der Tech-Branche Kaliforniens fand die Figur großen Anklang. Dilbert-Strips wurden zu einem festen Bestandteil vieler Büros, sei es an Kabinenwänden oder in Präsentationen.
1996 veröffentlichte Adams das Buch "The Dilbert Principle", in dem er mit satirischem Blick Management und Unternehmensstrukturen betrachtete. Das Werk avancierte zum New-York-Times-Bestseller. 1997 erhielt Adams für seine Arbeit an "Dilbert" die Reuben-Auszeichnung der National Cartoonists Society sowie den Newspaper Comic Strip Award.
Für den Sender UPN wurde die Figur zwei Staffeln lang in einer animierten Fernsehserie zum Leben erweckt und mit einer Primetime-Emmy-Nominierung gewürdigt. Darüber hinaus entstanden zahlreiche weitere Veröffentlichungen und Produkte: Adams schrieb zusätzliche Bücher, unter anderem im Bereich Selbsthilfe und Populärwissenschaft, und verantwortete Dilbert-Kalender, Computerspiele und umfangreiches Merchandising. Zu seinen bekannten Selbsthilfe-Titeln zählten "How to Fail at Almost Everything and Still Win Big", "Win Bigly", "Loserthink" und "Reframe Your Brain". Zudem war Adams als ausgebildeter Hypnotiseur tätig.
Politische Wende: Kontroversen und "Dilbert Reborn"
Ab 2015 rückte Adams’ politische Kommentierung zunehmend in den Vordergrund. Während er sich in früheren Jahren selbst als "ultraliberal" beschrieben hatte, wandte er sich nun verstärkt konservativen Positionen zu. In Blogbeiträgen lobte er Donald Trump und gewann bei Trump-Anhängern an Popularität, nachdem er den Wahlsieg des Republikaners 2016 vorausgesagt hatte.
Parallel dazu baute Adams ein tägliches Podcast-Format auf, in dem er unter anderem Covid-19-Impfstoffe und Aspekte der Holocaust-Debatte kritisch hinterfragte. Sein Format "Real Coffee With Scott Adams" entwickelte sich zu einer Plattform, auf der konservative Gäste und dezidiert rechte Sichtweisen Raum fanden.
Die Zuspitzung seiner Satire führte zu wachsender Kritik. 2022 führte er in "Dilbert" erstmals eine schwarze Figur ein, mit der er Phänomene rund um "Wokeness" satirisch thematisierte. In der Folge strichen mehr als 75 Zeitungen den Strip aus ihrem Programm. Die Entwicklung kulminierte im Februar 2023, als Adams in einem YouTube-Livestream schwarze Amerikaner als "Hassgruppe" bezeichnete und weißen Amerikanern empfahl, sich "so weit wie möglich" von ihnen fernzuhalten.
In den anschließenden Debatten erklärte Adams, er habe mit Übertreibung arbeiten wollen, um einen Punkt zu verdeutlichen, und distanzierte sich von bekennenden Rassisten. Dennoch beendeten die meisten US-Zeitungen und große Syndikate daraufhin die Zusammenarbeit und nahmen "Dilbert" aus ihrem Programm. Adams reagierte mit einem Neustart seines Strips "Dilbert Reborn" auf der Abo-Plattform Locals.
Privatleben und Vermächtnis
Im privaten Leben war Adams zweimal verheiratet. 2006 heiratete er Shelly Miles und wurde Stiefvater ihrer beiden Kinder Savannah und Justin. Die Ehe endete 2014 mit einer Scheidung. 2018 starb sein Stiefsohn Justin an einer Fentanyl-Überdosis.
Im Juli 2020 ging Adams eine zweite Ehe mit Kristina Basham ein. Auch diese Verbindung hielt nicht dauerhaft und wurde im März 2022 geschieden. Eigene leibliche Kinder hatte er nicht.
- nytimes.com: Scott Adams, Creator of the Satirical ‘Dilbert’ Comic Strip, Dies at 68
- theguardian.com: Scott Adams, Dilbert creator and conservative commentator, dies aged 68
- reuters.com: Scott Adams, 'Dilbert' comic strip creator and Trump fan, dead at 68