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Gery Keszler, Gründer des Life Ball, spricht bei einer Veranstaltung am Podium
Gery Keszler spricht nach der „40 Jahre Aidshilfe“-Gala Klartext zum "Life Ball".
Gery Keszler spricht nach der „40 Jahre Aidshilfe“-Gala Klartext zum "Life Ball".
APA-Images / Andreas Lepsi

Gery Keszler tobt: "Life Ball war kein schrilles Festl"

27.02.2026 um 14:27, Jovana Borojevic
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"Life Ball"-Gründer Gery Keszler meldet sich nach der „40 Jahre Aidshilfe“- Gala sichtlich irritiert mit einer sehr direkte Ansage zu Wort ...

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Beim Festakt „40 Jahre Aidshilfe“ stand die jahrzehntelange Arbeit im Kampf gegen HIV und AIDS im Mittelpunkt. Es wurde zurückgeblickt, gewürdigt und erinnert. Doch einer der prägendsten Akteure dieses Kapitels Wiener Event- und Charitygeschichte meldete sich danach mit klaren Worten zu Wort. Life-Ball-Gründer Gery Keszler zeigte sich in einem Facebook-Posting irritiert von dem Event ...

Life Ball ls "winzige Randnotiz"

Keszler schildert auf Facebook sehr persönlich seinen Eindruck des Events: „Bei der gestrigen Feier zu 40 Jahre Aidshilfe musste ich – dezent irritiert – feststellen, dass der LIFE BALL in der Stadtgeschichte bestenfalls als winzige Randnotiz vorkommt – wenn überhaupt.“ Für ihn sei das eine „bemerkenswerte Form von Erinnerungskultur“. Er verweist dabei auf die Dimensionen des Life Balls, der über Jahrzehnte hinweg internationale Aufmerksamkeit auf Wien gelenkt hat. „156 nationale und internationale AIDS/HIV-Hilfsprojekte wurden in über 26 Jahren durch den LIFE BALL unterstützt“, schreibt er. Zudem sei man „als größter privater Geldgeber der Aids Hilfe Wien“ aufgetreten und habe „in Stadt und Land einen großzügigen Millionenbetrag an österreichische Aids-Hilfsprojekte“ gespendet. Für Keszler sprechen diese Zahlen eine klare Sprache.

Mehr als Glamour und Prominenz

Der Life Ball war über viele Jahre hinweg eines der schillerndsten Events Europas, lockte internationale Stars nach Wien und sorgte weltweit für Schlagzeilen. Doch Keszler betont, dass es ihm nie nur um Glanz und Glamour gegangen sei. „Der LIFE BALL war kein schrilles Festl, sondern ein globaler Game Changer – für Betroffene, für Aufklärung und für die Sichtbarkeit eines Themas, das zu lange verdrängt und tabuisiert wurde“, hält er fest. Darüber hinaus hebt er auch die wirtschaftliche Bedeutung hervor. Der Life Ball sei „ein enormer Wirtschaftsfaktor und eine der bekanntesten Marken“ gewesen. Selbst aktuell gebe es weiterhin Engagement: „Auch aktuell haben wir eine Kampagnen Wiederauflage ermöglicht, verbunden mit einer kleinen Geldspende von 25.000€.“ Für Keszler ist das ein Zeichen, dass das Thema und sein Einsatz dafür noch lange nicht abgeschlossen sind.

Deutliche politische Seitenhiebe

Besonders kritisch äußert sich der Eventmacher zur Darstellung der Geschichte bei der Jubiläumsfeier. „Die vielen Menschen, die sich jedes Jahr, über ein viertel Jahrhundert, eingesetzt haben waren kein Thema mehr“, schreibt er. Lediglich im letzten Satz des Abspanns sei der Verstorbenen gedacht worden. Dann wird der Ton noch schärfer. „Offenbar gilt auch hier: Wer in politische Ungnade fällt, wird aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht. Geschichte wird dann nicht mehr erzählt, sondern redigiert.“ Auch das Begleitvideo zur AIDS-Geschichte sieht er kritisch: „Das Filmchen über die Geschichte von Aids nutzte man für den Kniefall vor internen Entscheidungsträgern mit richtigem Parteibuch.“  

Internationale Perspektive

Nach dem emotionalen Abend folgte für Keszler jedoch noch ein versöhnlicher Moment. „Zuhause angekommen, hatte ich einen zweistündiger Zoom mit einer strahlenden Sharon Stone“, berichtet er. Die Hollywood-Schauspielerin war mehrfach Gast beim Life Ball und unterstützte die Initiative öffentlich. Die Gespräche über gemeinsame Erfolge hätten ihm erneut vor Augen geführt, „was wirklich wichtig ist – Wirkung statt Deutungshoheit“. Und weiter schreibt er: „Umso mehr freut mich Sharons Lust auf neue, gemeinsame Schritte.“ 

Zuspruch

Unter Keszlers Facebook-Posting findet man viel Zuspruch.  So schreibt ein User: "Lieber Gery Keszler, das von dir zu lesen, ist sehr enttäuschend - nicht nur für dich, sondern für uns alle, die den Life Ball über so viele Jahre mitverfolgt haben. Du hast Großartiges auf die Beine gestellt, so viele internationale Stars nach Wien gebracht, das alles für den guten Zweck. Fühl dich umarmt und lass die Neider Neider sein."

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