Mega-Reform beim Heer: Das soll sich alles ändern
- Wie lange dauert das Bundesheer? Die neuen Fristen im Überblick
- Verpflichtende Milizübungen und Stärkung des Zivildienstes
- Fünfwöchige Begutachtung und Suche nach Zweidrittelmehrheit
Österreich steht vor der größten Umgestaltung seiner Landesverteidigung seit zwei Jahrzehnten: Die drei Regierungsparteien haben eine umfassende Reform für den Wehrdienst auf den Weg gebracht. Mit der Modernisierung reagiert die Politik auf veränderte sicherheitspolitische Rahmenbedingungen. Für Rekruten beim Bundesheer gelten künftig neue Regeln, die neben einer intensivierten Ausbildung auch die Wiedereinführung verpflichtender Milizübungen vorsehen.
Wie lange dauert das Bundesheer? Die neuen Fristen im Überblick
Mit der geplanten Reform stellt sich für angehende Präsenzdiener vor allem eine Frage: Wie lange dauert das Bundesheer? Nach dem neuen Wehrdienstmodell umfasst der Dienst beim Österreichischen Bundesheer künftig insgesamt neun Monate. Diese teilen sich auf in sechs Monate Grundwehrdienst und insgesamt drei Monate verpflichtende Truppenausbildung beziehungsweise Milizübungen.
Damit absolvieren Rekruten zunächst ihre sechsmonatige Basisausbildung in der Kaserne und leisten die verbleibenden drei Monate gestaffelt über spätere Jahre ab. Durch dieses System sollen die militärischen Fähigkeiten der Soldaten regelmäßig aufgefrischt und weiterentwickelt werden, während gleichzeitig die Verankerung im Berufs- und Bildungsleben erhalten bleibt.
Verpflichtende Milizübungen und Stärkung des Zivildienstes
Erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten werden demnach in Österreich wieder verpflichtende Milizübungen verankert. Ziel der Bundesregierung ist es, die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte und der Miliz nachhaltig zu sichern, damit Österreich im Krisenfall eigenständig handlungsfähig bleibt.
Parallel dazu soll auch der Zivildienst weiterentwickelt werden. Als tragende Säule im Rettungswesen, der Pflege und in sozialen Einrichtungen soll dieser Dienst durch faire und flexible Rahmenbedingungen attraktiver werden. Wer sich für die Verlängerung des Zivildienstes entscheidet, soll künftig selbstständiger über die Art und Weise der Ausgestaltung bestimmen können.
Fünfwöchige Begutachtung und Suche nach Zweidrittelmehrheit
Der fertige Gesetzesentwurf zur Wehrdienstreform startet nun in eine fünfwöchige Begutachtungsphase. Da für zentrale Teile der Gesetzesänderung eine Verfassungsmehrheit – also eine Zweidrittelmehrheit im Nationalrat – erforderlich ist, sind die Regierungsparteien auf die Zustimmung aus den Reihen der Opposition angewiesen.
Die Verhandlungen mit den Oppositionsparteien sollen in den kommenden Wochen fortgesetzt werden. Kernanliegen der Reform sei es laut Bundeskanzleramt nicht, die Dienstzeit bloß zahlenmäßig zu verlängern, sondern die verbrachte Zeit beim Heer sinnvoller zu nutzen, die Ausbildungsqualität zu steigern und eine verlässliche Planbarkeit für Ausbildung, Studium und Beruf zu garantieren.
Fakten zur geplanten Wehrdienstreform in Österreich:
- Modell: 6 Monate Grundwehrdienst + 3 Monate verpflichtende Milizübungen (insgesamt 9 Monate)
- Neuerung: Wiedereinführung verpflichtender Milizübungen nach über 30 Jahren
- Zivildienst: Attraktivierung und bessere Vereinbarkeit mit Beruf und Ausbildung
- Parlament: Zweidrittelmehrheit erforderlich (Gespräche mit Opposition laufen)
- Status: Start der 5-wöchigen Begutachtungsphase