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Ex-BND-Chef August Hanning bei einem öffentlichen Auftritt.
Der frühere BND-Präsident August Hanning wurde wegen des Verdachts auf schwere Staatsschutzdelikte festgenommen.
Der frühere BND-Präsident August Hanning wurde wegen des Verdachts auf schwere Staatsschutzdelikte festgenommen.
APA-Images / EPA / MICHAEL KAPPELER

Spionageverdacht: Ex-BND-Chef August Hanning festgenommen

06.10.2026 um 11:46, Stefanie Hermann
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Ex-BND-Chef August Hanning wurde festgenommen. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Spionageverdachts und geheimer BND-Dokumente.

Der frühere Präsident des deutschen Bundesnachrichtendienstes August Hanning ist festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft ließ den 80-Jährigen am Dienstagmorgen in seinem Haus in Nordwalde bei Münster verhaften. Im Raum stehen schwere Vorwürfe rund um die Weitergabe geheimer Informationen. Auch ein früherer enger Mitarbeiter Hannings wurde festgenommen.

​Bundesanwaltschaft lässt August Hanning festnehmen

Wie die deutsche Bundesanwaltschaft bestätigt, wurden August Hanning und sein ehemaliger Mitarbeiter Manfred D. am Dienstag festgenommen. Einsatzkräfte des Bundeskriminalamts nahmen den früheren BND-Chef in Nordrhein-Westfalen fest, Manfred D. wurde in Bayern verhaftet.

Gegen Hanning richten sich unter anderem Vorwürfe wegen mutmaßlicher landesverräterischer Ausspähung, des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen, versuchten Landesverrats und geheimdienstlicher Agententätigkeit. Für beide Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

​Fast 2.000 BND-Dokumente sollen weitergegeben worden sein

Im Zentrum der Ermittlungen steht der Verdacht, dass Manfred D. seinen früheren Chef über Jahre mit internen Unterlagen des BND versorgt haben soll. Die mutmaßliche Vereinbarung soll bereits 2010 begonnen haben.

Bis zumindest Juni 2022 soll D. Hanning gegen Bezahlung nahezu 2.000 Dokumente des Bundesnachrichtendienstes überlassen haben. Zahlreiche Unterlagen waren laut den Berichten als Verschlusssachen eingestuft oder für die Führungsebene des deutschen Auslandsgeheimdienstes bestimmt.

Darunter sollen sich auch Briefings für die sogenannte „Nachrichtendienstliche Lage“ im deutschen Kanzleramt befunden haben. Die Unterlagen enthielten demnach sensible Informationen zum iranischen Atomprogramm, zum russischen Militär sowie Erkenntnisse ausländischer Partnerdienste.

​Hanning soll Informationen für Beratertätigkeit genutzt haben

Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst arbeitete August Hanning unter anderem als Unternehmer und Sicherheitsberater. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass er die erhaltenen Informationen für seine private Beratungstätigkeit verwendet und wirtschaftlich verwertet haben könnte.

Laut einem Bericht der Bild soll Hanning beabsichtigt haben, Informationen „im Rahmen seiner Beratungstätigkeit weiter [zu] veräußern“. Ob und in welchem Umfang tatsächlich geheime Informationen an Dritte gelangten, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Besonders schwer wiegt der Verdacht, dass Hanning zumindest eine Sicherheitsanalyse für einen ausländischen Nachrichtendienst erstellt haben soll. Welcher Staat oder Dienst dahintergestanden haben könnte, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor. Berichten von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung zufolge soll es sich jedenfalls nicht um Russland gehandelt haben.

​Ermittler stießen bei anderem Verfahren auf brisante Daten

Auf die Spur der mutmaßlichen Geheimnisweitergabe kamen die Ermittler offenbar durch ein völlig anderes Verfahren. Im Zusammenhang mit dem Fall um die Hamburger Unternehmerin Christina Block waren Hannings Wohnhaus und Büroräume bereits im September 2025 durchsucht worden.

Dabei stießen Ermittler des Landeskriminalamts Hamburg auf elektronische Datenträger mit teils aktuellen und hochsensiblen BND-Unterlagen, die sich nach Hannings Ausscheiden aus dem Staatsdienst nicht in seinem Besitz hätten befinden sollen.

Die Funde wurden an die zuständigen Bundesbehörden weitergegeben. Im Mai 2026 nahm die Bundesanwaltschaft nach den vorliegenden Berichten verdeckte Ermittlungen auf.

​Grünen-Politiker spricht von „abgründiger Geschichte“

Der Grünen-Geheimdienstexperte Konstantin von Notz reagiert scharf auf die Vorwürfe gegen den ehemaligen BND-Präsidenten.

„Das ist eine eisenharte und abgründige Geschichte, wir erwarten eine zügige und vollständige Aufklärung der ungeheuerlichen Vorwürfe, die gegen den Ex-BND-Chef Hanning im Raum stehen“, erklärt von Notz. Auch die späteren Tätigkeiten früherer Spitzenbeamter sieht der Politiker kritisch. „Dubiose und vielfältige Lobbytätigkeiten“ ehemaliger hochrangiger Beamter seien „ein Einfallstor für gegnerische Geheimdienste“.

​August Hanning stand sieben Jahre an der Spitze des BND

August Hanning gehört zu den bekanntesten früheren deutschen Geheimdienstbeamten. Der Jurist leitete den Bundesnachrichtendienst von 1998 bis November 2005. Anschließend wechselte er als parteiloser Staatssekretär in das deutsche Innenministerium unter dem damaligen Minister Wolfgang Schäuble.

2009 ging Hanning in den Ruhestand und war danach in der Privatwirtschaft sowie als Sicherheitsberater tätig. Zuvor hatte er unter anderem im Bundeskanzleramt und an der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in der DDR gearbeitet.

​Entscheidung über Untersuchungshaft steht bevor

Hanning und Manfred D. sollen einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden. Dieser entscheidet über den Vollzug der Haftbefehle und eine mögliche Untersuchungshaft.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte der Fall erhebliche Folgen für den deutschen Auslandsgeheimdienst haben. Besonders die mutmaßliche Weitergabe von Erkenntnissen ausländischer Partnerdienste könnte das Vertrauen internationaler Nachrichtendienste in den BND belasten.

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