Trauer um Ex-Ministerin: Andrea Kdolsky ist tot
Andrea Kdolsky ist tot. Die frühere Gesundheitsministerin, Ärztin und Autorin ist im Alter von 63 Jahren verstorben. Zwei Jahre lang kämpfte sie öffentlich gegen ihre Krebserkrankung und versuchte dabei, auch anderen Betroffenen Mut zu machen.
Andrea Kdolsky stirbt mit 63 Jahren
Österreich nimmt Abschied von Andrea Kdolsky. Die ehemalige Gesundheits- und Familienministerin ist am 30. September im Alter von 63 Jahren verstorben. Kdolsky litt seit längerer Zeit an Krebs. Die Diagnose hatte sie 2024 erhalten.
Aus ihrer Erkrankung machte die Ärztin kein Geheimnis. Sie sprach offen über Ängste, Hoffnung und ihre Erfahrungen als Patientin. Selbst als ihre eigene Gesundheit immer stärker in den Mittelpunkt rückte, arbeitete sie weiter. Zuletzt widmete sie einen wesentlichen Teil ihrer Kraft einem Projekt für andere Krebspatienten.
Von der Ärztin zur Gesundheitsministerin
Andrea Kdolsky wurde am 2. November 1962 in Wien geboren. Bevor sie Medizin studierte, beschäftigte sie sich auch mit Jus und Handelswissenschaften. Als Anästhesistin und Interessenvertreterin machte sie sich schließlich weit über ihren medizinischen Beruf hinaus einen Namen.
Sie war Vorsitzende der Hochschullehrer-Gewerkschaft und später Geschäftsführerin der niederösterreichischen Landeskliniken-Holding. 2007 folgte der Schritt auf die große politische Bühne. Kdolsky wurde Gesundheits- und Familienministerin in der Bundesregierung von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer.
Schon damals gehörten klare Worte zu ihrem Markenzeichen. Sie galt als streitbar, direkt und wortgewaltig. Eigenschaften, an die auch politische Weggefährten nach ihrem Tod erinnern.
„Andrea Kdolsky war eine Politikerin, die offen ausgesprochen hat, was sie dachte, und die nie davor zurückgeschreckt ist, für ihre Überzeugungen einzustehen, auch wenn das unbequem war“, würdigt Bundeskanzler Christian Stocker die Verstorbene.
Politischer Abschied und ein neuer Weg
2023 zog Andrea Kdolsky einen persönlichen Schlussstrich unter ihre lange Verbindung zur ÖVP. Nach der Bildung der Koalition zwischen ÖVP und FPÖ in Niederösterreich trat sie aus der Partei aus. Als Gründe nannte sie damals den aus ihrer Sicht „zunehmenden Rechtsruck der Partei“ und die Zusammenarbeit der beiden Landesparteien.
Aus der Gesundheitspolitik zog sie sich damit allerdings nicht zurück. Bei den späteren Regierungsverhandlungen von ÖVP, SPÖ und NEOS beriet sie die NEOS in Gesundheitsfragen. 2025 kandidierte sie zudem für die Partei bei der Gemeinderatswahl in ihrer Heimatgemeinde Purkersdorf.
Krebsdiagnose veränderte ihr Leben
Im Oktober 2024 änderte sich Kdolskys Leben grundlegend. Bei ihr wurde Darmkrebs diagnostiziert. Rund ein halbes Jahr später kam ein Hirntumor hinzu. Die Ärztin wurde selbst zur Patientin und entschied sich, ihre Erfahrungen öffentlich zu machen.
Sie zeigte Verletzlichkeit, ohne ihre Direktheit zu verlieren. Ihre Erlebnisse verarbeitete sie auch in ihrem 2026 erschienenen Buch „Blumen in der Wüste. Die Schönheit schwerer Zeiten“.
Bis zuletzt wollte sie ihre Erfahrungen für andere Menschen nutzen. Im Burgenland arbeitete Kdolsky am Aufbau des ersten österreichischen Maggie’s Center. Die Einrichtung in Oberwart soll Menschen mit Krebs und deren Angehörigen neben der medizinischen Behandlung psychologische, emotionale und soziale Unterstützung bieten.
Ein letztes Projekt für andere Krebspatienten
Noch im Juni sprach Kdolsky öffentlich über das geplante Zentrum. Nach ihrem Tod kündigte Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil an, dass das Zentrum Andrea Kdolskys Namen tragen soll. „Der Tod von Andrea Kdolsky trifft mich persönlich sehr. Ich habe Andrea in den vergangenen Monaten als große Kämpferin erlebt. Sie hat sich bis zuletzt mit unglaublicher Energie und Überzeugung für andere Menschen eingesetzt“, sagte Doskozil. Für ihn war Kdolsky „eine außergewöhnliche Persönlichkeit“.
Auch NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger nahm persönlich Abschied: „Andrea war eine leidenschaftliche Ärztin, eine engagierte Politikerin und eine geschätzte Wegbegleiterin.“ Kdolsky habe sich für ein Gesundheitswesen eingesetzt, „das die Menschen und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt“. Mit ihrer Offenheit im Umgang mit ihrer schweren Erkrankung habe sie vielen Menschen „Mut gemacht und Kraft gegeben“.
Gesundheitsministerin Korinna Schumann würdigte vor allem diese Offenheit. Kdolsky habe „über Ängste, Hoffnung und das Leben mit einer schweren Erkrankung gesprochen, ohne sich dahinter zu verstecken“. Schumann fügte hinzu: „Diese Offenheit verdient großen Respekt.“