Wohnmobil kaufen: Worauf sie beim Kauf eines gebrauchten Campers achten müssen

Der Wohnmobilmarkt boomt stärker den je zuvor. Vor allem auch gebrauchte Wohnmobile sind extrem nachgefragt und erzielen schon fast absurde Preise. Wer ein Wohnmobil aus zweiter Hand kauft, sollte aber einige viele Punkte beachten - hier unsere Tipps zum Womokauf!
Autor: Werner Christl, 02.05.2022 um 13:46 Uhr

Schäden an der Außenhaut

Auch kleine Schäden an der Außenhaut können brutal teuer werden. Zum einen kann unter der Außenhaut ein tragender Teil gebrochen sein und dies kann schwierig zu reparieren sein.

Getriebe

Wohnmobile werden oft großteils auf Autobahnen bewegt und hier mit dem höchstmöglichen Gang. Das führt oft dazu, dass dieser vorzeitig den Geist aufgibt. Bei verdächtigen Geräuschen vorher zum Fachmann. Zum anderen gibt es nicht immer die notwendigen Ersatzteile für jede gebrauchte Wohnmobil bzw. sind diese nicht immer leicht zu bekommen. Das gilt weniger für Kastenwägen, die ja mit den normalen Blechen der Transporterversion versehen sind.

Dichtheit

Gebrauchte Camper sind sehr oft nicht wirklich dicht. Vor allem Dachluken bereiten extrem oft Probleme. Letztere kann man mit etwas Glück mit Spezialsilikon (Sanitär-Silikon aus dem Baumarkt bringt hier nichts – funktioniert nur mit Sikaflex und Co.) abdichten. In einer Katastrophe kann die Sache enden, wenn sich die Feuchtigkeit bei Sandwichbauweise zwischen Holzrahmen und Styropor sammelt, beginnt das Holz zu gammeln. In der Folge löst sich sozusagen das Wohnmobil auf, ohne, dass der Besitzer es gleich bemerkt. Ausweg: eine Dichtheitsprüfung durch den Profi durchführen lassen. Oft wissen Verkäufer selber nicht, dass Wasserschäden vorliegen, weil diese nicht ersichtlich sind. Wobei es immer auf die Bauweise des jeweiligen Campers ankommt.  Heute gibt es „holzfreie“ Aufbauarten. Aber auch die haben Nachteile – am besten vorher in Foren informieren. Vor allem beim Erstkontakt mit dem Wohnmobil auf modrigen Geruch achten und wenn Wasserflecken zu sehen sind  – eher Finger weg.

 

Technik

Heizung, Kühlschrank, Batterie, Solaranlage – diese Dinge können alle kaputt gehen. Deshalb unbedingt vor dem Kauf alle „Geräte“ mit dem Verkäufer testen. Ein beispielsweise defekter Camping-Kühlschrank (Kompressor) kostet gut und gerne 1.000,- Euro!

Rost

Auch Camper rosten. Radläufe, Türen – alles kann betroffen sein. Jedes Modell hat da so seine Schwachstellen. Jedes Baujahr kämpft mit typischen Problemen. Ein Mercedes Sprinter rostet beispielsweise gerne unter den seitlichen Schutzleisten. Ein Ford Transit im Bereich der Radkästen. Wie gesagt, immer abhängig von Hersteller und Baujahr. Also am besten in diversen Foren nach den Schwachstellen suchen. Allerdings ist bei Alkoven oder integrierten Formen (also Aufbauvarianten) der Rost nur an den Holmen zu sehen.

Wassertank als Biotop

Der Geruchstest im Bereich des Frischwassertanks ist ein Muss! Mit der Taschenlampe den Zustand zu überprüfen ist so etwas wie Selbstschutz. Wenn schon der Tank gammelt, sind wahrscheinlich auch die Leitungen eine bakterologische Brutstätte. Die Reinigung ist alles andere als leicht.

WC vorhanden?

Ohne ein WC an Bord ist das Stehen abseits eines Campingplatzes quasi unmöglich.

Brause?

Nice to have aber es geht auch ohne – ist aber Ansichtssache. Wenn eine Brause vorhandens ist, auf Risse in der Duschwanne achten.

Gewicht

Fast alle Wohnmobile haben ein Gewichtsproblem. Wer vor hat vollbeladen inklusive E-Bikes, Schlauchboot, Bierkisten und vor allem mit vollem Wassertank unterwegs zu sein, sollte fünf Euro investieren und eine Waage aufsuchen. Das zulässige Gesamtgewicht ist schnell überschritten. Vor allem auch dann, wenn diese unter 3.500 Kilogramm liegt. Die im Zulassungsschein vermerkten Gewichte sind oft nicht real. Zubauen, diverse Aufbaubatterien usw. werden erst auf der Brückenwaage ersichtlich. Vor allem ist es nicht lustig im Urlaub, sein Womo stehen lassen zu müssen, weil es überladen ist. Von den saftigen Strafen ganz zu schweigen.

Wartung

Wie schon beim normalen PKW gilt auch hier – schlechte Wartung ist gleich schlechte Lebenserwartung. Wintercamping Wer im Winter campen will braucht nicht nur eine Heizung, sondern eine gute Isolierung.

Leih-Wohnmobil

Es gibt Camper, die im Inneren aussehen, als hätte jemand eine Schmutzbombe geworfen. Wohnmobile, die im Verleih unterwegs waren sind in der Regel nicht so gut in Schuss, wie aus Privatbesitz (Ausnahmen bestätigen die Regel). Also auf nicht nur auf die Anzahl der Vorbesitzer achten, sondern auch darauf, wer dies war.Und: Die Kilometerleistung spiegelt sich nicht immer im Innenraum wider. Es geht ja nicht nur darum, wie weit bisher gefahren wurde. Ein Womo, das nur 50.000 Kilometer am Tacho hat, kann ja trotzdem 10 Jahre durchgehend als Wohnung genutzt worden sein.

Sicherheitsgurte

In älteren Wohnmobilen sind oft nur Beckengurte verbaut. Diese sind aber im Falle eines Unfalls mit „Rollgurten“ nicht zu vergleichen und verursachen oft Verletzungen im Beckenbereich.

Motor

Ein 3,5-Tonnenwohnmobil mit 100 PS ist keine gute Idee. Auf Teilstücken mit starken Steigungen kommt man so sehr schnell an seine Grenzen und ein Überholmanöver wird zum „Elefantenrennen“.

Alles eingetragen?

Diverse Änderungen am Wohnmobil müssen im Typenschein eingetragen sein.

Als Wohnmobil typisiert

Wer einen Selbstausbaucamper kauft, sollte darauf schauen, dass dieser als Wohnmobil im Zulassungsschein vermerkt ist. Späteres Umtypisieren vom Klein-LKW auf ein Wohnmobil kann teuer werden, weil die Nova fällig wird!

Zuladung

Wer ein Wohnmobil für vier Personen kauft und dann vollgetankt, mit gefülltem Wassertank, vier E-Bikes und vier Personen auf Urlaub fährt, wird ziemlich sicher die 3,5-Tonnen-Grenze überschreiten, wenn schon das Eigengewicht sehr hoch ist. Achtung: Es gibt Wohnmobile, die nur 3,3 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht haben.

Markise

Diese unbedingt ausfahren lassen. Risse oder Gammellook sind keine Seltenheit.

Unter dem Wohnmobil

Auch der Unterboden sollte kontrolliert werden. Nicht nur auf Rost, sondern auf defekte Leitungen. Wasser- bzw. Abwasserleitungen laufen oft unter dem Fahrzeug. Zudem sind Wasser- und Abwassertanks gerne unter dem Fahrzeugboden verlegt.

Ankaufstest

Generell ist es sinnvoll einen Ankaufstest bei einem Autofahrerclub durchführen zu lassen, wobei dabei nur jene Dinge geprüft werden, die auch bei einem PKW geprüft werden. Heizung und andere wichtige Aspekte werden in der Regel aber nicht getestet.

Zeit lassen

Ein Wohnmobil kann man nicht kaufen wie einen PKW. Es gibt einfach zu viele Punkte, die kontrolliert werden sollten.