Erster Test BMW iX: Elektro-Bayer

Nein, der neue iX von BMW ist kein umgestalteter Diesel und kein vom Benziner zum E-Auto umgebasteltes Auto. Hier hat BMW etwas komplett Neues auf die Räder gestellt. Im Grunde hat man mit dem iX alles auf den Kopf gestellt. Die Reichweite des Modells iX xDrive50 beträgt laut WLTP 630 Kilometer (kleinere Version: 425 km). Nach dem Test gehen wir von über 500 Kilometern aus. 523 PS (mit Boost) und bru­tale 765 Newtonmeter schieben den E-Bayern Richtung Horizont. Nur 4,6 Sekunden braucht der iX auf 100 Sachen. Im Normalfall fahren E-Autos maximal um die 160 km/h – mehr braucht zwar keiner – im Test fuhren wir trotzdem auf der deutschen Autobahn 200 km/h. Die Windgeräusche sind dabei sehr niedrig. Insgesamt absolut Langstreckentauglich - weil das Fahrver­halten eben BMW-like, ist. Nur das Gewicht merkt man.

Schön groß. Ja, der iX eist in ziemliches Bröckerl. Mit um die 600 Kilo Batterien im Gepäck fährt sich der Bayer trotzdem extrem wendig. Natürlich fährt sich ein M3-Benziner auf Kurvenjagd besser. Allerdings liegt der Schwerpunkt durch die Batterien in der Bodenplatte sehr weit unten, und zusätzlich hat man auch noch Karbonteile darüber verbaut, was dem Fahrverhalten spürbar guttut. Anders ausgedrückt: Der Werkstoff Karbon wurde eher oberhalb der Bodenplatte verbaut. Durch die Leichtbauweise des E-Bayern liegt das Eigengewicht etwa 50 Kilo unter dem eines BMW X5. Jedoch nur, wenn man die Batterien nicht mitrechnet! BMW hat sich mit dem Fahrwerk des iX speziell beschäftigt und deshalb kommen  verstärkte/verbesserte Querlenker usw. zum Einsatz. Der Allrad ist beim iX Serie und schaltet sich automatisch dazu - im Alltag fährt der Bayer mit Hinterradantrieb. 

Das Laden. Die getestete Version des iX mit dem 105 KW-Speicher lässt sich an der Highcharging-Zapfsäule theoretisch in 35 Minuten auf 80 Prozent laden. Anders berechnet: in 10 Minuten hat man 150 Kilometer Reichweite. Vorausgesetzt so eine Mega-Ladesäule ist vorhanden - derer gibt es ja derzeit noch nicht wirklich viele. Zusätzlich wird mittels Rekuperation in Form eines One-Pedal-System ordentlich rekuperiert. Wir stark der Fahrer wünscht, lässt sich einstellen. 

Innen. Das Cockpit erinnert an den BMW i3. Leicht futuristisch mit neuartigem Materialmix. Alles fühlt sich hochwertig an - darf man in der Klasse aber auch erwarten. Wer allerdings ein bekanntes BMW-Cockpit erwartet, liegt falsch. Hier wurde etwas gänzlich Neues in Angriff genommen. Manches Bekannte wurde abgeschafft. So ist die Sitzeinstellung – wie bei Mercedes – ist in die Türverkleidung gewandert.  Die Türe öffnet nicht mit dem Türgriff, sondern mittels "Button". Auch die Kommandozentrale (Bildschirm) wurde verändert. Sehr cool mit riesigem „Curved Display“ inkl. Touch-Funktion. Knöpfe sind fast alle verschwunden – dafür gibt es aber zumindest einen Controller! Ein echtes Highlight ist das Navisystem mit Augmented Reality. Diese zeigt am Screen im Bereich der Mittelkonsole praktisch auf den Meter genau, wo es hingehen soll. Dabei wird ein riesiger Pfeil dort eingeblendet, wo abgebogen werden muss. Zusätzlich spielt dieses System sogar im Head-up-Display alle Stückerl. Auch an 5G hat BMW gedacht. Wer möchte, kann 5G Internet (auch für die Passagiere) im Auto nutzen. 

Besonders. Noch einige Besonderheiten: Ab Jänner gibt es eine Manöver-Funktion. Diese erledigt die letzten 200 Meter beim Nachhausekommen vollautonom. Also inklusive Zufahrt und einparken auf engstem Raum. Auch rückwärts! Spannend noch die eingebaute Heizung sowie eine Waschanlage für Kamera, Radar und Co. Dadurch gibt es keine Probleme mit Vereisen und Schmutz. Und wer den Kühlergrill mit einem Nagel „verunschönt“ kann den Kratzer mit einem Heißluftfön einfach reparieren! Auch in Sachen Nachhaltigkeit gibt es eine Besonderheit. So bezieht BMW das Kobalt (wichtig für die Produktion der Batterien) bewußt aus Ländern, in denen faire Arbeitsverhältnisse herrschen. Also kommt Kobalt nicht aus dem Kongo sondern beispielsweise aus Australien. 

FAZIT: BMW hat sich mit dem iX endgültig als Elektrohersteller etabliert. Kein Auto mit Elektrogenen, sondern ein echtes, durchdachtes E-Auto, mit dem die Bayern zeigen was möglich ist. Reichweite und Alltagstauglichkeit stimmen! Preislich geht es jedoch erst bei 81.000 Euro los. Diese Hürde gilt es zu überwinden, um einen iX zu fahren.

Varianten:

iX xDrive50

Reichweite: 630 Km laut WLTP

523 PS

765 Nm

4,6 SEK./100KM/H

200 KM/H SPITZE

 

iX xDrive40

Reichweite: 425 Km laut WLTP

326 PS

630 Nm

6,1 SEK./100KM/H

200 KM/H SPITZE

 

iX M60:

Ab 2022

619 PS

1.100 Newotonmeter

3,9 Sek/100 km/h

Autor: Werner Christl, 29.09.2021