Von der Stange kann jede:r
Deine Homepage beginnt mit „Jedes Hemd ein Original“. Warum war für Dich klar: Nur Standard kommt nicht in die Manufaktur?
Ich mag echtes ehrliches Handwerk. Fast Fashion, bei der jeglicher Wert in der Werbung und nicht im Produkt steckt, ist für mich undenkbar und auch nicht verhandelbar.
Als Schneiderin in dritter Generation: Wie viel Familien-DNA trägt jedes Deiner Hemden in sich?
Ich bin mit dem Surren der Nähmaschine sowie dem Zischen von Dampf und Druckluft aus jeder Ecke in der Werkstatt groß geworden. Und ja – es sind Sätze meiner Großmutter und meiner Mutter, die ich bis heute höre: Sie erinnern, ermahnen und ermutigen mich. So steckt in jedem Hemd auch ein Teil von ihnen.
Warum sollte jeder Mann mindestens 15 gute Hemden im Schrank haben?
15 gut sortierte, passende und perfekte Maßhemden sind besser als 50, die „eh nur halbwegs passen“.
95 Prozent Deiner Kundschaft sind Männer zwischen 40 und 70. Was schätzt diese Zielgruppe besonders an einem Maßhemd?
Diese Klientel und generell Männer gehen nicht gerne shoppen, wollen keine Kompromisse mehr machen, präferieren Kompetenz anstatt der Extraportion Markengetue, wissen genau, was sie brauchen, schätzen Handschlagqualität und meiden Chichi und Schnickschnack. Sie wollen kein State-of-the-Art-Atelier, sondern sichtbare Arbeit und Ergebnisse. In meiner Manufaktur steht man sofort inmitten von Maschinen, es gibt also kein heimliches Pfuschen im Hinterhof oder Ausland. What you see is what you get!
Maßhemd ab 149 Euro – was gibt‘s on top?
Montag bis Freitag Sorgfalt, Erfahrung und die Garantie, dass es sitzt, samstags auch ein Seiterl.
Du sagst: Bis zu sechs Kilo „schluckt“ ein gutes Hemd – wie geht das?
Herren haben meist viel weniger ein Thema mit einem kleinen Baucherl, ein paar Falterln im Gesicht, aber wichtig ist, dass das Hemd keine Falterln hat und es bequem sitzt. Beim Autofahren, am Schreibtisch oder nach dem Mittagessen soll es nicht beengt sein.
Was sind drei schlimme Fehler, die man seinem Hemd antun kann?
Ein Hemd nur für Anlässe aufzusparen, statt es zu tragen – es soll ein Lieblingsstück sein, kein Luxus. Zu heißes Waschen oder Bügeln schadet der Baumwolle ebenso und ist unnötig. Und: Das Hemd wie ein T-Shirt auszuziehen, ohne die Knöpfe zu öffnen – das hält auf Dauer kein Stoff aus.
Warum ist vermeintlich bügelfreies Polyester für Dich ein No-Go?
Alles, das mit meinem Handwerk nicht vereinbar ist, mache ich aus Prinzip nicht. Baumwolle und Leinen kommen auf meinen Tisch, alles andere ist die Arbeit nicht wert. Wenn schon der Rohstoff nicht stimmt, kann auch nichts Gutes entstehen.
Wie entsteht das erste Muster und danach jedes weitere Hemd?
Der Erst-Termin ist sehr wichtig, um ein Gefühl für sein Gegenüber zu bekommen – ebenso, welche Stoffqualitäten, Optik und Passform es bevorzugt. Jeder bekommt seinen individuellen Schnitt und die exakte Ausführung. Im Anschluss schreiben mir Kunden dann, welche Farben und Muster sie möchten, ich schicke Bilder per WhatsApp oder Stoffmuster. Denn: Einfach und schnell, das mögen die Herren.