Viele Karrieren, ein Anfang: Lehre
Inhalt
- Stefan Sandberger - Generaldirektor-Stellvertreter Raiffeisenlandesbank OÖ
- Robert Machtlinger - CEO FACC AG, Präsident z.l.ö. - Zukunft.Lehre.Österreich
- Alexander Schinnerl - Landesdirektor Uniqa Österreich
- Günter Redhammer - COO FILL Gesellschaft m.b.H.
- Thomas Richter - Leiter Eventmanagement Oberbank AG
- Dominik Leitner - Lehrlingsbeauftragter Pappas Linz
- Gabriele Zehetner - Vizerektorin Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz
- Gerlinde Leichtfried - Biohort
- Felix Kürner - ehemaliger Lehrling E-Commerce Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG
Oberösterreich bleibt die Lehrlingshochburg Nummer eins in Österreich. Laut „Lehrlingsbilanz OÖ 2025“ der Wirtschaftskammer OÖ mit Stichtag 31.12.2025 werden exakt 20,8 Prozent aller österreichischen Lehrlinge hier ausgebildet. Diese Zahl unterstreicht eindrucksvoll die starke Rolle des Bundeslandes in der heimischen Berufsausbildung und seine Bedeutung für den Fachkräftenachwuchs. Damit setzt sich der positive Trend der vergangenen Jahre fort: 2025 entschieden sich wieder 6.015 Mädchen und Burschen für den Einstieg ins duale Ausbildungssystem und wählten damit einen praxisnahen, zukunftsorientierten Weg in die Berufswelt. Zum Jahreswechsel 2025/26 engagieren sich 5.038 Betriebe in der Ausbildung und betreuen insgesamt 21.390 Jugendliche. Sie sichern damit nicht nur den künftigen Fachkräftenachwuchs, sondern übernehmen auch Verantwortung für die Perspektiven der jungen Generation. 3.043 Lehrlinge kommen aus anderen Ländern als Österreich, ihr Anteil liegt bei 14,2 Prozent. Insgesamt vereint Oberösterreich 77 Nationen in der Lehre und zeigt, wie selbstverständlich Vielfalt im Ausbildungsalltag gelebt wird. Besonders stark präsentiert sich das Gewerbe und Handwerk mit 2.830 Betrieben und 9.108 Lehrlingen als tragende Säule der Ausbildung und als verlässlicher Motor für Qualität, Qualifikation und Wettbewerbsfähigkeit.
Are we ready for tomorrow?
Wirtschaftlicher Wandel braucht vor allem Menschen, die ihren Berufsweg etwa mit einer Lehre beginnen und so Verantwortung in ihren Unternehmen tragen. Sie haben gelernt, Veränderungen anzunehmen, Prozesse weiterzudenken und Chancen frühzeitig zu erkennen – Fähigkeiten, die gerade in dynamischen Märkten entscheidend sind. Ihre Werdegänge zeigen, wie sehr eine praxisorientierte Ausbildung unternehmerisches Denken schärft und Innovationskraft fördert. Wer von Beginn an in reale Abläufe eingebunden ist, entwickelt ein tiefes Verständnis für Wertschöpfung, Kund:innenbedürfnisse und wirtschaftliche Zusammenhänge. Dieses Fundament ermöglicht es, Trends nicht nur zu beobachten, sondern strategisch einzuordnen und aktiv zu nutzen. Gerade im digitalen Umfeld entstehen daraus neue Perspektiven. Datenbasierte Entscheidungen, vernetzte Geschäftsmodelle und technologische Schnittstellen prägen zunehmend den Alltag von Unternehmen weltweit, aber auch vor unserer Haustür. Fachkräfte, die sowohl operative Praxis als auch digitales Know-how mitbringen, werden damit zu zentralen Treibern der Weiterentwicklung. Denn eines ist uns allen klar: Zukunft entsteht nicht zufällig, sie wird Tag für Tag ausgebildet. Sie wächst dort, wo junge Menschen mit Herzblut lernen und durch harte Arbeit an sich und ihrem Können feilen. Wir brauchen diese treibenden Kräfte mit Haltung und Charakter, die ihr Handwerk von Grund auf beherrschen und bereit sind, mehr zu leisten als das Erwartbare. Aus einer Ausbildung, die fordert und fördert, entsteht nicht nur Fachkompetenz, sondern innere Stärke. Und genau diese trägt, gestaltet und prägt die Wirtschaft von morgen.
Stefan Sandberger - Generaldirektor-Stellvertreter Raiffeisenlandesbank OÖ
Stefan Sandberger startete mit einer Lehre bei der VoestAlpine Intertrading. Neben seinem Job in der RLB OÖ absolvierte er die Studienberechtigungsprüfung und studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der JKU. Seit mehr als 35 Jahren ist er Teil der Bank, seit 2014 im Vorstand, seit 2025 Generaldirektor-Stellvertreter. Privat stehen Ehefrau Monika, Sohn Lukas, Tochter Marie sowie Labrador Hemingway im Mittelpunkt. Seit September 2025 ist er Präsident des OÖ Fußballverbands.
Robert Machtlinger - CEO FACC AG, Präsident z.l.ö. - Zukunft.Lehre.Österreich
Robert Machtlinger ist seit 2016 CEO der FACC AG und verantwortet zentrale Bereiche wie Sales, Business Development, Marketing, Engineering, Operations sowie Arbeitssicherheit und Qualität. Er war zuvor bereits in verschiedensten Bereichen im Unternehmen tätig, bis er 2011 als Mitglied des Vorstands bestellt wurde. Seine Karriere begann mit einer Lehre als technischer Zeichner bei Fischer Ski in den Bereichen Design Engineering und Manufacturing Engineering.
Alexander Schinnerl - Landesdirektor Uniqa Österreich
Alexander Schinnerl begann nach seiner Lehre im Innendienst als Maklerbetreuer sowie Regionalleiter im Maklervertrieb und übernahm später die Leitung des Exklusivvertriebs im Norden. Seit 1997 ist er Teil von UNIQA, seit 2020 Landesdirektor für OÖ. Seine größte Stärke ist es, auch in fordernden Zeiten motivierend auf sein Team zu wirken. Privat findet er Ausgleich auf seiner Terrasse – ganz nach seinem Motto: „Durchs Reden kommen d’Leit zam.“
Günter Redhammer - COO FILL Gesellschaft m.b.H.
Günter Redhammer begann vor rund 35 Jahren seine Lehre und durchlief zahlreiche Stationen – vom Maschinenbauer über den Arbeitsvorbereiter und Abteilungsleiter bis hin zum Geschäftsführer. Er war maßgeblich an der Einführung von ERP sowie an der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Unternehmensprozesse beteiligt. Logistik und Produktion zählen seit Jahren zu seinen Kernthemen, ebenso die Lehrlingsausbildung der Zukunft.
Thomas Richter - Leiter Eventmanagement Oberbank AG
Thomas Richter begann seine Laufbahn mit der Lehre bei Gerngross. Nach Stationen im HIFI-Video-Studio Haudum ist er seit 1989 bei der Oberbank tätig – zunächst als Event-Techniker und Event-Manager –, heute als Leiter Events und Kooperationen. Seine Führungskompetenz vertiefte er an der LIMAK Führungsakademie. Mit langjähriger Erfahrung und strategischem Blick prägt er die Event- und Kooperationsstrategie des Hauses.
Dominik Leitner - Lehrlingsbeauftragter Pappas Linz
Dominik Leitner startete bei Pappas in Linz und absolvierte eine Lehre als Kfz-Techniker inklusive Lehre mit Matura. Später schloss er ein Masterstudium in Wirtschaft und Management ab. Heute ist er am Standort Linz als Lehrlingsbeauftragter tätig und fungiert oberösterreichweit als Ansprechpartner für die Entwicklung junger Talente. Zudem ist er in die Organisationsentwicklung sowie in den kaufmännischen Bereich eingebunden.
Gabriele Zehetner - Vizerektorin Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz
Gabriele Zehetner absolvierte die Lehre zur Friseurin und Perückenmacherin in Ottensheim und legte neben Familie und Weiterbildung die Meister- und Unternehmerprüfung ab. Über das Studium der Berufspädagogik führte sie ihr Weg an die Universität, wo sie in Schulpädagogik und Pädagogischer Psychologie promovierte. Seit 2018 ist sie Vizerektorin der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz (PHDL) und verantwortet dort Fort- und Weiterbildung.
Gerlinde Leichtfried - Biohort
Gerlinde Leichtfried studierte Wirtschaftswissenschaften und promovierte 2004. Ihre Karriere ist geprägt von Markenführung und digitaler Transformation. In leitenden Funktionen verantwortete sie digitale Customer Journeys und sammelte Beratungserfahrung. Seit September 2024 leitet sie Marketing und E-Commerce bei Biohort.
Felix Kürner - ehemaliger Lehrling E-Commerce Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG
Warum wählten Sie die E-Commerce-Lehre?
Mein älterer Bruder hat diese gemacht und was ich bei ihm mitbekommen habe, begeisterte mich von Anfang an. Ich hatte schon immer Interesse an Online-Shops und dem Marketing dahinter – wie Produkte präsentiert, Kund:innen erreicht werden und wie alles zusammenspielt. Der Mix aus Kreativität, Technik und Handel reizte mich und die E-Commerce-Lehre gab mir die Möglichkeit, in diesem Bereich Fuß zu fassen.
Wie haben Sie die Ausbildung in der RLB OÖ erlebt?
Meine Ausbildungszeit war interessant und spannend. Besonders gefallen hat mir, dass ich nicht nur im E-Commerce gearbeitet habe, sondern auch viel über die Bank und andere Bereiche lernte. So habe ich Zusammenhänge besser verstanden und Einblick in diverse Abteilungen bekommen – das machte die Ausbildung abwechslungsreich.
Wie heben sich Schule, Lehrzeit und Praxis voneinander ab?
In der Berufsschule lernt man die Theorie als Basis, auf der alles aufbaut. In der Lehrzeit wird es dann praktisch: Man kann Gelerntes direkt anwenden, eigene Stärken ausbauen und auch mal experimentieren. Die tatsächliche Arbeit nach der Lehre geht noch einen Schritt weiter – hier arbeitet man selbstständiger an Projekten und setzt seine Fähigkeiten gezielt ein.
Mein Rat an junge Talente ist ...
... folgt Euren Interessen und Eurem Bauchgefühl – eine Lehre, besonders im E-Commerce, ist ein praxisnaher Start mit vielen Möglichkeiten. Rückblickend ist mein wichtigster Tipp an Lehrlinge: Fragt nach, sooft es nötig ist. Niemand erwartet, dass Ihr alles wisst – aber Fragen und Lernbereitschaft bringen Euch fachlich wie persönlich weiter.