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Dr. med. Matthias Koller
Dr. med. Matthias Koller
Sabine Starmayr Photography, julia traxler

Skalpell trifft Seitenwechsel

10.04.2026 um 00:00, Johanna Lengauer
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Schnitt & Story. Im Zusammenspiel von Handwerk und Handschrift entsteht ein Blick auf Schönheit, der tiefer geht als erwartet.

Hand aufs Herz: Was hat Sie als renommierter Chirurg und Facharzt dazu gebracht, sich zu denken: „Ich schreibe jetzt ein Buch“ und nicht „Ich operiere einfach weiter“ – noch dazu lange vor dem Hype um Longevity & Co.?
Die beiden Bücher spiegeln meinen Zugang zur ganzheitlichen Schönheitsmedizin ­wider. Meine Hauptarbeit ist sicherlich die plastisch-ästhetische Chirurgie, dennoch habe ich die moderne Schönheitsmedizin immer als etwas betrachtet, das weit über den OP-Tisch hinausgeht. 

Sie arbeiten stets am Äußeren von Menschen. Warum war es Ihnen plötzlich wichtig, auch über das Innere zu sprechen, ja gar ein Buch zu verfassen?
Bücher geben einem die Chance, in die Tiefe zu  gehen, verschiedene Aspekte zu beleuch­ten und ein Thema genau abzuhandeln. Für mich sind beide Bücher eine wichtige Ergänzung zur Behandlung der äußeren Schönheit. So wird im ersten das Thema „Ausstrahlung“ behandelt und im zweiten geht es um die Ernährung für Haut und Haare. Wenn man sich über Jahre mit diesem spannenden Gebiet der Schönheitsmedizin beschäftigt, drängen sich diese Bereich buchstäblich auf, weil man erkennt, dass beste Ergebnisse erzielt werden, wenn verschiedene Faktoren zusammenwirken – etwa die richtige Ernährung für unsere Darmflora, die sich unmittelbar auch auf die Haut auswirkt.     

Was nervt Sie am meisten an der aktuellen Schönheitsmedizin?  
Mich hat schon immer gestört, dass Schönheitsmedizin teilweise mit viel Oberflächlichkeit behandelt wird. Was mir außerdem nicht gefällt, ist die ­häufige Uniformierung behandelte­r Gesichter. Viele verlieren ihren individuellen Ausdruck und ähneln demselben Stereotyp. Oft sehe ich Menschen und denke mir, dass sie sich durch ästhetische Medizin in ihrem Aussehen eher verschlechtert als verbessert haben.
 

vorreiter. Seit 2005 ist Koller Mitglied der deutschen Gesellschaft für Anti-Aging-Medizin und widmete sich – lange bevor Longevity zum Marketingbegriff wurde – diesem Thema.


Wie oft sitzen Menschen vor Ihnen, die eher einen Reality-Check als ein Skalpell bräuchten?
In meinen Ordinationen wird großer Wert auf natürliche Ergebnisse gelegt, die Menschen nicht künstlich wirken lassen. Deshalb kommen kaum Pa­­tient:in­nen, deren Wünsche unnatürlich oder nicht nachvollziehbar sind.

Für alle unter uns, die Ihre Bücher nicht kennen: Geht es Ihnen eher um Aufklärung oder steckt dahinter auch ein bisschen „Mission“?
Beide sind als absolut alltagstaugliche  Ratgeber gedacht. Das heißt, meine Ratschläge sind auch gut umsetzbar, selbst wenn man wenig Zeit hat. Eine bestimmte Mission habe ich nicht. Zumindest denke ich bei diesem Wort an den erhobenen Zeigefinger und so sollen meine beiden Werke keinesfalls rüberkommen – eher als verständliche Lektüre mit großem Praxisbezug.      

Was thematisieren Sie, das andere Kolle­­g:in­­nen so nicht sagen würden?    
Als Autor kann man frei seine Meinung vertreten und genau das habe ich stets getan. Manche Kolleg:innen sind in den Formulierungen vorsichtiger, aus Angst, gegen ihr Geschäft zu sprechen – das war nie mein Ansatz. Ich kritisiere in einem meiner Bücher die Auswüchse der Schönheitsmedizin und erkläre, was ich ablehne und wofür ich nicht stehe. Mein Learning: Es ist besser, einen klaren Standpunkt mit Ecken und Kanten zu zeigen, als „Everybody’s Darling“ sein zu wollen.
 


Ihr ehrlicher Tipp: Was lohnt sich, und was können wir uns sparen?
Regelmäßige schonende Behandlungen für die Haut, etwa durch Eigenblutplasma, bringen eine deutlich verbesserte Hautqualität. Ich denke, dass man sich nicht operative Behandlungen sparen kann, die versprechen, dass man sie nur einmal machen muss, denn das entspricht nicht der Realität. 

Als umtriebiger Geist: Ist gedanklich Ihr drittes Buch bereits in Arbeit?     
Momentan beschäftige ich mich mit Zeit und Zeitempfinden in Bezug auf Longevity. Ob daraus einmal ein Buch entsteht, ist offen – derzeit fordern mich viele andere Projekte.

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