Martin Winkler spricht Klartext über Oberösterreichs Zukunft
Sie treffen regelmäßig Kinder, Jugendliche, Eltern, Pädagog:innen und Sozialarbeiter:innen. Wo besteht aktuell der größte Handlungsbedarf?
Martin Winkler: Darin, Kindern und Jugendlichen ausreichend Zeit und Raum für eine gesunde Entwicklung zu geben. Soziale Medien, Erreichbarkeit und Leistungsdruck prägen ihren Alltag. Gleichzeitig stehen viele Eltern immer öfter unter finanziellem Druck und müssen oft rasch in den Arbeitsmarkt zurückkehren. Umso wichtiger sind mir daher der rasche Ausbau von Kinderbildungseinrichtungen sowie eine starke Jugendarbeit in den Gemeinden, denn Vereine bieten jungen Menschen Orientierung, Gemeinschaft und Sicherheit.
Welches Anliegen junger Menschen wird zu wenig gehört?
Martin Winkler: Wir sprechen oft über die Probleme von Jugendlichen, aber zu selten über ihre Zukunftsaussichten. Viele junge Menschen fragen sich, ob sie sich später Wohnen, Familie oder ein gutes Leben überhaupt noch leisten können. Diese Unsicherheit beschäftigt sie stärker, als viele Erwachsene glauben. Wer junge Menschen ernst nehmen will, muss ihnen in Oberösterreich eine wirtschaftliche Perspektive durch neue Arbeitsplätze im Bereich Wind-, PV- und Batteriekraftwerke sowie im Wohnbau und mit Gemeinde-Investitionen geben. Es sind stets Taten, die Zuversicht in die Zukunft schaffen.
Sie sehen viele Gemeinden aus nächster Nähe. Was machen die erfolgreichen unter ihnen richtig?
Martin Winkler: Wenn ich eines gelernt habe, dann: Eine Gemeinde ist nur so stark wie die Verbindung zwischen ihren Verantwortlichen und den Menschen vor Ort. Dort, wo Bürgermeister:innen zuhören, ansprechbar sind und Anliegen der Bevölkerung ernst nehmen, entsteht Vertrauen – die wichtigste Währung einer Gemeinde. Vieles gelingt dort besser, weil die Menschen sich als Teil eines gemeinsamen Weges fühlen.
Und was setzt Oberösterreichs Gemeinden am meisten zu?
Martin Winkler: Ganz klar die Finanzen. Viele Gemeinden kämpfen mit steigenden Pflichtausgaben, während die Spielräume für eigene Entscheidungen immer kleiner werden. Die Landesumlagen für Krankenanstalten, SHV* und die allgemeine Landesumlage sind viel zu hoch. Die Finanznot schränkt längst nicht mehr nur Investitionen ein, sondern gefährdet teils bereits bestehende Leistungen. Wenn Gemeinden sparen müssen, spüren das die Menschen direkt vor Ort.
Was muss sich also ändern?
Martin Winkler: Meine wichtigste Aufgabe ist es, die finanzielle Handlungsfähigkeit der Gemeinden zu stärken, damit sie wieder gestalten können, statt von finanziellen Zwängen ausgebremst zu werden. Eine nachhaltige Entlastung ist dabei kein Selbstzweck – sie muss bei den Menschen ankommen. Denn ob Kinderbetreuung, Vereine, Feuerwehr oder Infrastruktur: Wenn Gemeinden investieren können, wird Politik im Alltag spürbar. Das ist mein Ziel!
Stichwort „Tierschutz“ – warum ist das ein Thema für uns alle?
Martin Winkler: In Oberösterreich lebt in jedem vierten Haushalt ein Haustier – daraus entsteht Verantwortung. Gerade weil Tiere heute auch online leicht verfügbar sind, braucht es einen bewussten Umgang. Ein Tier ist kein Konsumgut, sondern ein Lebewesen – und Tierschutz ist gesellschaftliche Verantwortung.
Sie kennen die Welt der Wirtschaft und nun die der Politik. Wo reden beide aneinander vorbei?
Martin Winkler: Die Wirtschaft glaubt manchmal, Politik sei eine Unterdisziplin der Betriebswirtschaftslehre. Die Politik wiederum, dass die Wirtschaft nur an den eigenen Vorteil denkt. Die Wahrheit ist: Beide Seiten agieren unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Politik ist oft das Bohren sehr harter Bretter, um mehrheitsfähige Lösungen zu finden, während Unternehmen unter hohem Wettbewerbsdruck innovativ bleiben und unter Marktdruck rasch entscheiden müssen. Tatsächlich sind wir in der Politik mindestens so ungeduldig wie die Unternehmen. Diese Ungeduld gilt es, besser zu bündeln – zum Vorteil der Menschen im Land.
Worüber reden wir zu wenig?
Martin Winkler: Über die Energieversorgung. Wir sprechen oft über aktuelle Preise, aber zu wenig darüber, wie wir den steigenden Bedarf künftig decken wollen. Durch Digitalisierung, KI und neue Technologien wird dieser weiter wachsen. Die Entscheidungen von heute bestimmen, ob auch unsere Kinder und Enkelkinder in einem wirtschaftlich starken und lebenswerten Oberösterreich leben können. Daher müssen wir wieder neue Kraftwerke vor Ort errichten. Ich plädiere für Hybridkraftwerke, die Windkraft, Photovoltaik und Batteriespeicher verbinden, sowie für mehrstufige Pumpspeicherkraftwerke.