Tech-Blog: Das ZTE Axon 20 4G im Test

ZTE aus China ist weltweit eher als Ausrüster von Netzwerktechnologie bekannt, will aber zunehmend auch mit eigenen Android-Geräten in den Markt dringen. Neben günstigeren Modellen der "V" oder "Blade" Reihe steht die "Axon"-Serie für hochwertigere und bessere Geräte. Und das Staunen war groß, als ausgerechnet ZTE als erster Hersteller weltweit eine Selfie-Kamera die unter dem Hauptdisplay versteckt ist in Serie gebracht hat. Andere große Hersteller wie Samsung oder Xiaomi forschen zwar dran, zur Marktreife gelangt ist aber noch kein Produkt der Platzhirschen. Das Axon 20 ist also das erste Gerät mit dieser neuen Technologie und verspricht ein Display ohne störende Kamerlöcher (Punch-Holes) oder Aussparungen (Notches). Dieses Versprechen gelingt leider nur halbherzig, denn das Axon 20 ist in der 4G-Version ein Smartphone mit zu vielen Kompromissen. Das ist insofern schade, da das Design des Smartphones sehr gelungen ist. Es ist ein schlankes und leichtes Gerät, welches gut in der Hand liegt und für Freunde großer Displays gemacht ist ohne dick aufzutragen. Leider krankt es jedoch unter der schicken Haube.

Hardware und Software - Einstieg statt Mittelklasse!

Zuerst zum Positiven: Das knapp 7-Zoll große OLED-Display ist ein guter Vertreter seiner Gattung und kommt tatsächlich auf den ersten Blick ohne störende Unterbrechungen. Es löst mit Full-HD+ (2460 x 1080) auf und ist ausreichend hell. Eine höhere Bildwiederholrate von 90 Hz fehlt dem Display jedoch leider. Die unter dem Display versteckte Kamera wird allerdings durch ein gröber aufgelöstes Feld oben in der Mitte erahnbar. Vor allem bei hellen Bildinhalten ist diese komische "Störung" sichtbar und sorgt für Erstaunen (Kann durch Verwendung des Dark-Mode großteils vermieden werden). Das Display ist dort, wo die Kamera dahinter sitzt gröber aufgelöst, damit mehr Licht durchscheint und die Kamera überhaupt etwas sehen kann. Das ist pure Physik. Zur Selfie-Kamera aber später mehr.

 

ZTE Axon 20 4G
Hinter diesem gröber aufgelösten Feld in der Mitte des Displays sitzt die Selfie-Cam (Bild unbearbeitet!). (c) Weekend/Steinberger-Weiß

 

Die restliche Hardware des Geräts ist 2021 leider nicht mehr in der Mittelklasse ausreichend. Ein Achtkern-Prozessor (8x 2Ghz) der recht unbekannten Marke Unisoc wird flankiert von 6GB RAM und 128 GB Speicher. Klingt gar nicht schlecht? Ja stimmt, aber leider ist die Lese- und Schreibgeschwindigkeit des Speichers vergleichsweise langsam. ZTE setzt hier nämlich auf veralteten eMMC 5.1 Speicher. Smartphones die ähnlich positioniert sind, werden zumeist schon mit dem viel schnelleren UFS 2.1 Speicher ausgeliefert. Warum die Chinesen hier derart sparen ist mir leider unbegreiflich. Der Akku ist mit 4.220 mAh ausreichend dimensioniert und bringt mich locker über den Tag, Quick-Charging wird aber offiziell nicht angeboten (18W-Ladegerät im Lieferumfang). Eine Zertifizierung gegen Wasserschäden fehlt dem Gerät. Es ist Dual-Sim fähig und der Speicher ist per microSD erweiterbar. Der optische Fingerabdrucksensor macht seinen Job einigermaßen zuverlässig, ist dabei aber eher langsam.

Die Kombi aus langsamem Speicher und einem Prozessor aus dem Jahr 2019, der damals schon eher Einstiegslevel war, sorgt nicht unbedingt für die flüssigste Bedienung des Geräts. Immer wieder kommt es zu Lags und Slow-Downs. Von butterweichem Scrollen ist man weit entfernt. Apps verschwinden oft aus dem 6GB großen RAM Speicher und müssen neu geladen werden. Spiele lassen sich zwar starten, grafikintensivere Anwendungen müssen aber stark runtergeschraubt werden, um flüssig spielbar zu sein. Noch dazu ist die Software unausgegoren. Immer wieder begegnen mir englische Texte, schwammige Übersetzungen und komische Rechtschreibung. Das System lief zum Testzeitpunkt auf Android 10 mit dem Sicherheitspatch von November 2020 (Update kam während des Testzeitraum keines). Die Empfangseigenschaften im 3G/4G-Netz sind gut, leider hatte ich manchmal im WLAN-Betrieb Aussetzer und Slow-Downs.

   

Kamerasystem - hinten ok, vorne leider nicht gelungen!

Einen Fokus legen die Chinesen natürlich auf das gesamte Kamerasystem. Das hintere Setup besteht aus vier Linsen. Die 64-Megapixel Weitwinkellinse ( f/1.8, 25mm, 1/1.72", 0.8µm, PDAF) kommt ohne optische Bildstabilisierung, macht aber bei guten Bedingungen ganz gute Fotos. Auch das 8-Megapixel Ultraweitwinkelobjektiv (f/2.2) ist in Ordnung. Die 2-Megapixel Makrolinse und der 2-Megapixel Tiefensensor sind allerdings eher unnötige Draufgaben. Die Aufnahmeleistung für Videos endet bei Full-HD mit 30 fps.

Der eigentliche Star des Kamerasetups soll jedoch die 32-Megapixel Selfie-Kamera sein (f/2.0), leider liefert ZTE aber auch hier nicht ab. Bei guten Lichtverhältnissen ist die Qualität einigermaßen akzeptabel, sobald aber wenig Licht oder Gegenlicht vorhanden ist werden Selfies nicht mehr gut und kämpfen mit Bildrauschen. Das hat mit der Tatsache zu tun, dass die Kamera eben durch oben erwähntes, gröber aufgelöstes, Feld durch muss. Es ist eben doch eine physische Barriere vor der Linse, auch wenn diese durchlässiger als ein vollaugelöstes Display ist. Diese Regeln lassen sich derzeit noch nicht brechen.

 

Fotobeispiele

Fazit - ein Satz mit X und einem großen ABER!

Das Design und das Display sind sehr gelungen. Das reicht aber 2021, wenn die Hardware unter der Haube wenig mitspielt, nicht für eine gute Benutzererfahrung, und das tut sie beim Axon 20 4G leider nicht. Auch die groß angepriesene Selfie-Kamera unter dem Display liefert einfach nicht ab. Noch dazu kostet das Gerät 349 Euro und ist damit nicht wirklich günstig. Geräte anderer Hersteller in der gleichen Preisklasse überflügeln das Axon 20 4G teilweise deutlich. Sei es beim Prozessor, dem schnelleren Speicher oder den Kameras. Einzig ein OLED-Display ist in dieser Preisklasse nicht immer selbstverständlich, dafür mittlerweile aber schon LCD-Displays mit 90 oder 120 Hz Bildwiederholrate.

Wie aber so oft ist dort wo Schatten ist auch Licht, denn das Axon 20 gibt es auch in einer 5G-Version und die bietet zumindest am Papier mehr. Ein Snapdragon 765G-Prozessor soll für mehr Dampf sorgen, noch dazu bietet das Display eine Wiederholrate von 90 Hz und ist damit zumindest am Papier besser. Wenn der Speicher beim 5G-Modell zumindest UFS 2.1 bietet, dann könnte das Axon 20 5G eine viel bessere Benutzererfahrung bieten. Das ZTE Axon 20 5G ist zu einem Preis von 449 Euro derzeit exklusiv im Online-Shop von ZTE verfügbar.

Das Axon 20 4G bekommt von mir lediglich 4 von 10 Bewertungspunkten und ist leider für mich überhaupt kein Kandidat um es als Daily-Driver in Betracht zu ziehen. Für dieses Geld gibt es bereits massiv bessere Geräte anderer Hersteller, die sowohl bei Hardware als auch Software mehr überzeugen. Einzig Fans großer Displays, die keine Notch wünschen und die Selfiekamera wenig nutzen, bekommen designtechnisch eines der meiner Meinung nach schönsten Geräte.

Mehr Fotos des Geräts:

Bis zum nächsten Mal!

Hinweis: Das Testgerät wurde mir von ZTE Austria für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt. Der Testbericht entsteht unabhängig und wird vor Veröffentlichung nicht an ZTE zur Freigabe gesendet.

Weekend-Redakteur Lukas Steinberger-Weiß ist ein Technik-Freak sondergleichen. Wobei ihn die Bezeichnung „Nerd“ nicht beleidigt, sondern ehrt. Er saugt alle Neuheiten in sich auf und ist immer am neuesten Stand, liebt Computerspiele, beschäftigt sich ausführlich mit den neuesten Smartphones und den dazugehörigen Gadgets und ist ein Experte für Unterhaltungselektronik. In seinem Blog testet er Spiele, Konsolen, Smartphones, Gadgets und vieles mehr und lässt die Leser an seiner Faszination für die spannende Technik-Welt teilhaben.

Autor: Lukas Steinberger-Weiß, 09.02.2021