Blackout: So tappen Sie nicht im Dunkeln

Anfang Jänner wäre es in Europa beinahe finster geworden – und kalt. Schuld? Eine Netzüberlastung in Südeuropa. Die flächendeckende Stromversorgung hing am berühmten seidenen Faden: Das in vielen Köpfen herumgeisternde Schreckgespenst „Blackout“ war drauf und dran, sich auch in unsere heimischen Haushalte zu schleichen. Mit verheerenden Folgen für unseren Alltag, der ohne Strom über kurz oder lang zum Erliegen gekommen wäre. Stillstand: vom Keller bis zum Dach. Nicht nur die Bevölkerung sieht seither die damit verbundenen Gefahren für die eigenen vier Wände stärker heraufdämmern.

Blick auf Speichertechnologien

Auch Krisen- und Blackout- Experte Herbert Saurugg mahnt Häuslbauer & Co vehement zur Vorsorge. Die Bau- und Elektrotechnikbranche stellt sich ebenfalls mit Verve der Debatte. Gottfried Rotter, Geschäftsführer und Präsident der E-Marke Austria (ein Qualitätszeichen für Elektrotechnikunternehmen) propagiert in diesem Zusammenhang die immer besser und günstiger werdenden Speichertechnologien.

Ein aufgerüsteter Haushalt könne mittlerweile gut und gerne 5 kWh bis 12 kWh an Energie für den Notfall speichern. Über ein an den Speicher angeschlossenes „Notfalls-Kit“ ließen sich damit im Krisenfall ausgesuchte Steckdosen- und Lichtkreise weiter versorgen.

Energie selbst erzeugen

Generell rät er künftigen Hausbesitzern, sich etwa im Zuge der Fertighausplanung frühestmöglich um die eigene Energieautonomie zu kümmern. Ratsam sei es, nach einer durchdachten Checkliste Antworten auf die heute relevanten Fragen zu finden: Wie kann ich Energie überwiegend selbst erzeugen? Auf welche Weise lassen sich die Energieflüsse richtig steuern? Und: Wie schaffe ich es, die vorhandene Energie effizient einzusetzen und ökonomisch zu speichern?

Dass Fertighaus-Fans verstärkt die Kontrolle über ihren „Energie-Haushalt“ gewinnen möchten, bestätigt ein Rundruf unter den heimischen Anbietern. Ihr einhelliger Tenor: Photovoltaik kommt mittlerweile bei immer mehr Häusern aufs Dach – in Kombination mit immer ausgeklügelteren Stromspeichern. Vario-Haus-Geschäftsführer Josef Gruber spricht gar von einem kommenden Standard.

Notstrom

Je nach Größe würde die Versorgung im Falle eines Stromausfalls auch gesichert werden können. Ob ein Blackout über einen längeren Zeitraum ausgeschaltet werden kann? Gängige Batteriespeicherlösungen geben wohl schnell den Geist auf. Im Einfamilienhausbereich könne man aber relativ kostengünstig mit Notstromaggregaten gegensteuern, heißt es aus der Elk-Zentrale.

Neues Fertighaus mit Photovoltaik am roten Dach | Credit: Griffnerhaus GmbH

Blackout-Haus?

Die eigene Photovoltaikanlage am Dach ist längst vom Ausnahme- zum Regelfall geworden. Auch die Fertighaushersteller haben auf die stetig steigende Nachfrage reagiert – und ihr Hausprogramm dementsprechend upgedatet. Doch sind die gängigen Systeme für einen tagelangen Blackout gerüstet? Experten verneinen eher. Die Dimension der Solaranlagen wäre zu klein, die Speicher-Akkus schnell leer. Abhilfe schaffen hier nur inselfähige Batteriespeicher.

Fakten-Check: Vorsorge und mehr

Ausfall: Am 8. Jänner sind wir um Haaresbreite an einem Blackout vorbeigeschrammt. Laut Austrian Power Grid (APG) würde es dann 20 bis 30 Stunden dauern, bis landesweit wieder Strom fließt.

Aufrüstung: Klimawandel und der Run in erneuerbare Energien bringen die Netze unter Druck. Die Polizei will jetzt verstärkt die kritische Infrastruktur absichern.

Vorsorge: Blackout-Experte Herbert Saurugg rät, Vorräte für zwei Wochen einzulagern. Wichtig sind: Lebensmittel wie Nudeln, Reis oder Konserven sowie Medikamente.

Autor: Rudolf Grüner, 21.10.2021