Von Star Wars zu KPop: Film-Ikonen für Generationen
Inhalt
- Wenn uns das Murmeltier grüßt
- Der Film einer Generation
- Den Geist der Zeit einfangen
- Popkultur ohne Musik ist nichts
- In der viralen Welt von 2025
- Kids fühlen sich ernst genommen
Weit über 300 Millionen Mal auf Netflix aufgerufen, eine Milliarde Streams auf Spotify: "KPop Demon Hunters", der meistgesehene Film der Netflix-Geschichte, sagt auch viel darüber aus, wie die gesellschaftliche Relevanz von Popkultur funktioniert - und zwar schon seit Jahrzehnten.
Wenn uns das Murmeltier grüßt
Immer dieselbe Leier, dauernd die gleichen Probleme! Wenn uns sprichwörtlich täglich das Murmeltier grüßt, ist dies das Erbe der gleichnamigen Kinokomödie aus dem Jahr 1993. Selbst wer nicht gesehen hat, wie Bill Murray als mürrischer TV-Wetterfrosch denselben Tag immer und immer wieder durchlebt, versteht sofort, was gemeint ist.
Hin und wieder schafft ein Film den Sprung von der Leinwand ins echte Leben. Der erste war „Star Wars“ vor knapp 50 Jahren, das aktuellste Beispiel ist der Netflix-Animationsfilm „KPop Demon Hunters“.
Der Film einer Generation
Die Handlung des Streaming-Hits ist an sich banal, die drei jungen Sängerinnen einer koreanischen Popgruppe kämpfen gegen Dämonen aus der Unterwelt. Für seine Wirksamkeit spielt das Skript aber kaum eine Rolle. Das war bei den „Krieg der Sterne“-Filmen genauso, allen ziemlich offensichtlichen politischen Untertönen zum Trotz.
Nur: Was deren Schöpfer George Lucas damals auf die Leinwand brachte, war neu, groß, bombastisch, eine auch filmtechnisch bis dahin unbekannte Welt. Das zog vor allem junge Menschen in die Kinos. Laserschwerter und Darth Vader, der Look und die Figuren wurden zum gemeinsamen Nenner einer ganzen Generation.
Den Geist der Zeit einfangen
Das sind 2025 die singenden Dämonenjägerinnen Rumi, Zoey und Mira. Sie sind hin- und hergerissen zwischen überdrehtem Selbstbewusstsein und nagenden Selbstzweifeln, somit Identifikationsfiguren für Jugendliche und junge Erwachsene heute. So wie Marty McFly in „Zurück in die Zukunft“ mit der coolen Was-kostet-die-Welt-Attitüde perfekt für die 1980er war. Oder wie Neo aus „Matrix“, über den 1999 die Unsicherheit des beginnenden Internetzeitalters hereinbrach.
Und wie Elsa und Anna aus „Die Eiskönigin“: Erst 2013 gestand Disney zwei weiblichen Figuren zu, die Handlung zu tragen und für ein gutes Ende zu sorgen, das nicht die Eroberung von Männerherzen im Zentrum hatte. Das fand vor allem bei Millennial-Frauen Resonanz, die nach der Wirtschaftskrise an eine gläserne Karrieredecke stießen – und bei deren Töchtern, die sich gerne als Prinzessin verkleiden.
Popkultur ohne Musik ist nichts
Viele dieser Filme sind mit ikonischen Liedern verbunden, etwa dem von Elsa geschmetterten „Let It Go“ oder auch Celine Dions Titanic-Schmachtfetzen „My Heart Will Go On“. Bei „KPop Demon Hunters“ wird die Musik ins Zentrum gehoben: Der Titelsong „Golden“ wurde in fünf Monaten rund eine Milliarde Mal auf Spotify gestreamt und läuft zudem wie selbstverständlich im Radio, trotz einiger Textzeilen in koreanischer Sprache. Musik funktioniert unabhängig vom Film, gerade der „KPop“ genannte Musikstil aus Korea, der auch im Westen boomt.
In der viralen Welt von 2025
Diese Entkopplung vom Film gilt in der Welt von 2025 nicht nur für Musik, das macht sich „KPop Demon Hunters“ zunutze und schafft dadurch eine maximale virale Durchdringung. So ist der Film eine wahre Meme-Goldgrube: Bilder der bewusst überzeichneten Gesichtsausdrücke der Protagonistinnen lassen sich für jede beliebige Emotion am Smartphone verschicken – auch in Abgrenzung zur Elterngeneration, die eher Emojis verwendet. So bleibt der Film im Alltag junger Menschen dauerpräsent und wird zum Zeichen der Zugehörigkeit zu einer (Alters-)Gruppe.
Kids fühlen sich ernst genommen
Natürlich bedient „KPop Demon Hunters“ finanzielle Interessen, wie die Netflix-Kooperationen mit den Spielzeugherstellern Mattel und Hasbro zeigen. Dennoch funktioniert der Streifen, weil sich die Zielgruppe ernst genommen fühlt. Maya Phillips, Filmkritikerin der New York Times, erklärt: „Der Erfolg des Films basiert darauf, dass er das moderne Fan-Dasein versteht und respektiert. Er konzentriert sich oft auf das Publikum und dessen Interaktion mit den Künstlern.“ Religion ist im Westen als identitätsstiftende Institution kaum noch relevant. Popmusik ist für viele junge Menschen eine Alternative. Das fängt der Film ein.