Buchtipp der Woche: "Mutters Sprache" von Wlada Kolosowa
Inhalt
Lisa will ihre russische Herkunft hinter sich lassen, doch ihr Baby hört nur auf zu schreiben, wenn sie ihm alte Wiegenlieder auf Russisch vorsingt. Nach zwanzig Jahren in Deutschland will sie nicht mehr an ihr altes Leben im hohen Norden Russlands, der Halbinsel Kola, denken. Doch seit sie Mutter ist, kommen die Erinnerungen hoch.
Die Schwerkraft der Herkunft
Und als ihre Hebamme überstürzt nach Russland aufbricht, ergreift Lisa die Gelegenheit und begleitet sie. Es beginnt eine Reise durch ein Land, in dem Werbung für den Krieg neben dem für Waschpulver läuft und endet in dem Ort, dem dem von Oktober bis Mai die Sonne nicht aufgeht. Ganze Landstriche sind dort durch den Nickelbergbau vergiftet.
Neue Sprache
Gerade in dieser unwirtlichen Gegend findet Lisa eine neue Sprache für ihre Mutterschaft und ihr Begehren. Wlada Kolosowa erzählt eine Geschichte großer Zartheit in einer Welt, die ihren Figuren sonst nur Härte abverlangt.
Die Autorin
Wlada Kolosowa, eine deutsche Schriftstellerin und Journalistin, wurde 1987 in St. Petersburg geboren und wuchs in der Polarsiedlung Nikel sowie in Cottbus und später in Ulm auf, wo sie ihr Abitur machte. Sie studierte Publizistik in Berlin und Creative Writing in New York. Ihr Roman "Der Hausmann" (Laykam 2022) wurde 2023 für die Aktion "Berlin liest ein Buch" ausgewählt. Ihr Romandebut "Fliegende Hunde" erschien 2018.