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Fünf Kinder sitzen auf einer Fensterbank mit ihren Handys in der Hand.
Kinder und Jugendliche verbringen viel weniger Zeit in der realen Welt als je zuvor.
Kinder und Jugendliche verbringen viel weniger Zeit in der realen Welt als je zuvor.
iStockphoto.com/Lacheev

Gefangen im Netz: Was Social Media auslösen kann

05.08.2026 um 09:00, Nina Dam
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Das Smartphone ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken – und das schon ab dem frühen Kindesalter. Welche erschreckenden Auswirkungen das haben kann.

Apps, die junge Menschen fast genauso sehr brauchen wie Luft zum Atmen. In dieser virtuellen Bubble spielt sich für viele ein großer Teil des Lebens ab. Den Druck, immer erreichbar sein zu müssen, kennen und verspüren demnach vor allem Jugendliche. Doch das Problem fängt bereits im Kindesalter – mit gerade einmal zwei, drei Jahren – an. Eltern greifen immer häufiger zu Tablets, um ihre Kinder für kurze Zeit zu beschäftigen und um selbst eine kurze Pause erhaschen zu können. Die Folgen? „Kleinkinder, die häufig Medien konsumieren, tun sich schwerer beim Erlernen unserer Sprache, schlafen schlechter und sind oft motorisch unruhig“, erläutert Lukas Wagner. Er arbeitet als Psychotherapeut sowie als Medien- und Sexualpädagoge in Graz, gibt regelmäßig Vorträge zum Thema digitale Medien und spricht über die Auswirkungen der Digitalisierung auf Kinder und Familien.

Eine Abwärtsspirale

Dass die Lage bei Jugendlichen nur noch ernster wird, zeigen bereits einige Studien. Der US-Soziologe Zach Rausch sprach in einem Interview mit dem ORF sogar von einem gesundheitlichen Notstand. Die Depressionsrate bei Teenagern habe sich seit 2010 in den Vereinigten Staaten mehr als verdoppelt. Auch Wagner weiß genau, was Social Media mit der menschlichen Psyche machen kann. Er erklärt: „Je mehr Zeit die Jugendlichen mit sozialen Medien verbringen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Angststörungen sowie Essstörungen entwickeln und beginnen, sich selbst zu verletzen.“ Zu den Hochrisikogruppen zählen vor allem junge Mädchen, die am Beginn ihrer Pubertät stehen.

Mein Vorschlag wäre: Handys sollten restlos aus den Schulen verbannt werden.

Lukas Wagner, Psychotherapeut, Medien- und Sexualpädagoge

Fehlende Sicherheit 

Das Internet ist kein kontrollierbarer Raum. Eine Tatsache, die vielen Eltern zwar bewusst ist, die aber trotzdem immer wieder vernachlässigt wird. „Niemand fährt mehr mit dem Auto und fotografiert heimlich Kinder am Spielplatz, sondern die Kinder werden direkt auf Instagram oder TikTok angeschrieben“, so Wagner. Dadurch ist es fast unvermeidbar, dass bereits 10-Jährige mit Pornografie in Berührung kommen. Auch der US-Soziologe Zach betont: „Es gibt nur sehr wenige Schutzmaßnahmen oder Regulierungen, um Kinder vor den verschiedenen Gefahren zu schützen, die auf den Plattformen auftreten können.“

Handyfreie Zonen 

Die Digitalisierung schreitet immer weiter voran und besonders die zukünftigen Generationen werden sich noch früher mit den digitalen Medien befassen. Die Lösung? – Genau hier müsste die Handbremse gezogen werden. „Kinder sollten so spät wie möglich ein eigenes Smartphone bekommen, zumindest sollte die Nutzung von Social Media so lange wie möglich hinausgezögert werden“, betont Wagner. Auch handyfreie Schulen empfiehlt der Psychotherapeut. Das zwinge die Kinder dazu, miteinander zu sprechen, und gebe ihnen automatisch sechs bis acht Stunden pro Tag ohne digitale Medien. Hier appelliert der Experte vor allem an den Zusammenhalt der Eltern, denn wenn ein Kind ein Smartphone besitzt, müssen alle eines besitzen.

Ein Mädchen liegt mit ihrem Handy auf dem Bett.
Ein 12-jähriges Mädchen, das täglich Social Media nutzt, hat eine fünffach höhere Wahrscheinlichkeit, eine Essstörung zu entwickeln.

Selbstkontrolle

Darüber hinaus  ist es wichtig, sich selbst Grenzen zu setzen. Nicht nur Kinder und Jugendliche verfallen schnell in eine Abhängigkeit, auch Erwachsene haben damit oft zu kämpfen. Man sollte versuchen, seinen eigenen Konsum einzugrenzen – beispielsweise eine halbe Stunde Instagram pro Tag. Doch jeder, der Social Media nutzt, weiß, dass das Einhalten nicht immer einfach ist. „Kritisch wird es, wenn Menschen beginnen, schwierige Gefühle mit Social Media zu verarbeiten: Wenn ich traurig bin, gehe ich auf TikTok. Wenn mir langweilig ist, gehe ich auf TikTok. Wenn ich einsam bin, gehe ich auf TikTok“, erläutert der Medien- und Sexualpädagoge. Daher ist es umso wichtiger, sich selbst und auch schon Kindern klare Grenzen zu setzen, um einen bewussten Umgang mit digitalen Medien erlernen zu können.

Buchtipps 

  • "Generation Angst" von Jonathan Haidt. Wie wir unsere Kinder an die virtuelle Welt verlieren. 
  • "Unsere Kinder in der digitalen Welt" von Lukas Wagner. Ein Eltern-Guide, um Kinder in der digitalen Welt zu unterstützen. 

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