Heated Rivalry: Wie Serien und Bücher Eishockey neu erfinden
Inhalt
- Phänomen Eishockey
- Kilian Zündel: Ein Profi erzählt
- Adrenalin trifft Fantasie
- Buchtipps: Diese Eishockey-Romanzen muss man kennen
- Bleibt der Hype bestehen?
- 4 Fragen an Autorin Ayla Dade
Auf dem Eis sind sie erbitterte Rivalen, hinter verschlossenen Türen leidenschaftliche Liebhaber. Die beiden fiktiven Eishockeyprofis Ilya Rozanov (Connor Storrie) und Shane Hollander (Hudson Williams) sind DIE Eishockeystars der nordamerikanischen Profiliga. Dass die beiden auch starke Gefühle füreinander hegen, darf jedoch keiner wissen. Queere Spieler? Gibt es am Eis nicht. Oder halt eben doch. Genau auf diesem Plot baut die Serie "Heated Rivalry", basierend auf der Buchreihe "Game Changers" der Autorin Rachel Reid, auf. Seit der Veröffentlichung im November haben die sechs Episoden Wellen geschlagen, die wohl selbst die Macher überrascht haben.
Phänomen Eishockey
Was seitdem auf Social Media passiert, kann nur als Hype bezeichnet werden. Videos von Eishockeyspielen und vor allem -Spielern gehen viral, der Sport erlebt eine Euphorie, die ihresgleichen sucht. Weitere Streaminganbieter wie Amazon Prime haben schon neue Serien in petto: So dürfen sich Fans bald über die Verfilmung der "Off Campus"-Reihe der Autorin Elle Kennedy freuen.
Kilian Zündel: Ein Profi erzählt
Eishockey-Romane und "Heated Rivalry" haben auch Österreich im Griff – und das, obwohl die Serie erst seit 6. Februar auf HBO Max gestreamt werden kann. Wie es sich anfühlt, plötzlich im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen? Das weiß Kilian Zündel, Verteidiger der Moser Medical 99ers. Er ist nicht nur Eishockeyprofi, sondern teilt sein Leben auch als Content Creator mit über 55.000 Followern auf Instagram. "Seit der Serie und auch dank Booktok ist auf meinem Instagram-Account extrem viel los", erzählt der gebürtige Vorarlberger, der seit zwei Jahren für die Grazer am Eis steht. Wie er dem Hype gegenübersteht? "Zu 90 Prozent positiv. Der negative Aspekt ist die extreme Sexualisierung der Spieler. Mir persönlich ist das mehr oder weniger egal, weil ich damit umgehen kann. Viele Spieler haben aber Partnerinnen und Kinder, für die das sehr unangenehm ist. Wichtig ist es, respektvoll zu bleiben", erklärt der 25-Jährige.
Adrenalin trifft Fantasie
Doch wieso hat das Liebesgenre gerade diesen Sport für sich entdeckt? "Eishockey-Romanzen treffen diesen perfekten Spot aus Adrenalin, Emotion und Fantasie. Der Sport bringt automatisch eine Rivalität und Körperlichkeit mit, was natürlich die knisternde Dynamik verstärkt", meint Ayla Dade, Autorin der "Winter Dreams"-Reihe. Auch Zündel hat sich schon an das Genre herangewagt und den bekannten Roman "Rewind It Back" gelesen. "Ich wollte verstehen, was die Leute in meinen Kommentarspalten meinen. Und ehrlicherweise habe ich mich beim Lesen gut mit dem Hauptcharakter identifizieren können. Im Eishockey ist es gang und gäbe, dass die Spieler Partnerinnen haben oder jung heiraten. Als einer der wenigen Singles in der Runde wollen sich immer alle in dein Liebesleben einmischen", lacht er. Dating-Anfragen bekommt der Profi genug. Zündel betrachtet das aber auch kritisch. "Gerade auf Social Media ist es wichtig, die Absichten von Menschen zu hinterfragen. Manche sind weniger an der Person und mehr am Status einer Spielerfrau interessiert", so der 25-Jährige.
Buchtipps: Diese Eishockey-Romanzen muss man kennen
Bleibt der Hype bestehen?
Fakt ist: Der Hype macht Eishockey einem breiteren Publikum zugänglich. "Normalerweise stehen wir in der Steiermark immer im Schatten des SK Sturm. Aber letztens war ich mit meinem Team in Graz feiern und plötzlich haben mich ständig Leute angesprochen", erzählt Kilian. Ob die Euphorie lange anhält, wird sich zeigen. Ayla Dade ist sich auf jeden Fall sicher, dass Hockey-Romanzen gekommen sind, um zu bleiben: "Es ist wie eine Welle, Sports-Romance-Trends wechseln immer wieder. Aber auch wenn ein anderer Sporthype auftaucht, wird Eishockey nicht verschwinden. Es hat sich bereits als ein zu starkes Subgenre etabliert." Der Klimawandel kann zumindest dieser Eiszeit nichts anhaben.
4 Fragen an Autorin Ayla Dade
Mit „Like Feathers We Fly“ und „Like Fire We Burn“ haben Sie zwei Bücher geschrieben, in denen der männliche Protagonist ein Eishockey-Profi ist. Wie kam die Idee zu den Romanen?
Ayla Dade: Als ich mit der „Winter Dreams“-Reihe begonnen habe, wollte ich unbedingt ein gemütliches Kleinstadt-Setting, das im Winter spielt. Mit Aspen habe ich es auch gefunden. Also überlegte ich, welches Leben die einzelnen Protagonisten verfolgen könnten. Da war mir sehr schnell klar, dass es ein Eishockey-Team geben muss, für dessen Mitglieder alle schwärmen.
Die Mischung aus Sport und Erotik scheint vor allem Frauen zu faszinieren: Warum?
Ayla Dade: Weil es Fantasie, Kontrolle und Emotion auf eine extrem befriedigende Art verbindet. Sport, vor allem ein körperlich intensiver wie Eishockey, steht für Stärke und Disziplin. In einer Romanze wird das emotional aufgeladen. Der starke, begehrte Mann ist nicht unnahbar, sondern verletzlich, loyal und soft – aber natürlich nur für sie.
Was unterscheidet Eishockey von anderen Sportromanzen?
Ayla Dade: Eishockey wirkt exklusiver, die Fans sind den Teams treu, die Stimmung ist immer stark aufgeheizt. Eishockeyspieler wirken oft nahbarer als andere Sportler, das macht sie romantisch greifbarer. Der Sport hat auch eine sehr visuelle Bildsprache, die sich leicht in Erotik verwandeln lässt: Kälte, Schweiß, Narben.
Wieso verkaufen sich gerade Bad Boys so gut?
Ayla Dade: Weil sie Drama, Sehnsucht, Humor und Intensität widerspiegeln. Bad Boys romantisieren heute auch keine toxischen Verhaltensweisen mehr.