Buchtipp der Woche: Engel des Verschwindens von Slobodan Šnajder
Inhalt
Irgendwie fühlt man sich schon bei den ersten Seiten an Jiri Kratochvil und sein Jahrhundert-Epos "Unsterbliche Geschichte" erinnert, nur das der Schauplatz eben Zagreb und nicht Brünn ist. Ansonst stehen Poesie und Phantasie diesem Meisterwerk um nichts nach.
Die Geschichte Jugoslawiens
1941 Okkupation. 1945 Befreiung. 1991 Zerfall: Die Stadt Zagreb, ein zweistöckiges Mietshaus im Zentrum und die Schicksale seiner Bewohner stehen im Mittelpunkt von Slobodan Šnajders epochalem Roman, der die Geschichte Jugoslawiens, ja des ganzen Balkans erzählt.
Ein Haus voller Geschichte und Geschichten
Im oberen Stockwerk residiert Professor Gavranić, ein Homme de Lettres und Menschenfreund, unter ihm Frau Blavatsky, in deren Wohnzimmer es zuweilen übersinnlich zugeht. Im Souterrain haust Mile, ein von Mussolini trainierter Ustascha der ersten Stunde, schließlich das Findelkind Anđa Berilo in der Dachkammer, das sich als Dienstmädchen verdingt und zur Partisanin und gemeinsam mit dem Haus selbst zur Erzählerin eines ganzen Jahrhunderts wird. "Engel des Verschwindens" zeigt Mitteleuropa als Geschichts- und Geschichtenpanorama einer Welt, die im Großen wie im Kleinen aus den Fugen gerät.
Autor Slobodan Šnajder
Slobodan Šnajder, geboren 1948 in Zagreb, wurde bekannt durch sein Stück »Der kroatische Faust«. Er war politischer Kolumnist und Theaterintendant in Zagreb. Sein 2019 bei Zsolnay erschienener Roman "Die Reparatur der Welt" wurde in viele Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet. 2026 erschien bei Zsolnay "Engel des Verschwindens".