Schweiz im Glacier Express: Winter in Cinemascope
- Glacier Express: Acht Stunden durch die Schweizer Alpen
- Albulalinie, Landwasserviadukt und Rheinschlucht
- Oberalppass: Der höchste Punkt der Strecke
- Matterhorn: Ankunft in Zermatt
- Mit der Gornergrat Bahn auf 3.089 Meter
- Langsam reisen im Glacier Express
Einsteigen, zurücklehnen, schauen. Draußen ziehen verschneite Wälder, Bergdörfer und Felswände vorbei, drinnen sitzt man warm und bequem hinter riesigen Panoramafenstern. Anfangs greift man noch ständig zum Handy. Ein Foto hier, ein Video dort. Irgendwann bleibt es liegen. Denn während der Glacier Express gemächlich durch die Schweizer Alpen rollt, entwickelt die vorbeiziehende Winterlandschaft ihren ganz eigenen Sog.
Abstecher Pontresina
Seit 1930 verbindet der Glacier Express, der „langsamste Schnellzug der Welt“, in acht Stunden St. Moritz und Zermatt quer durch die Schweizer Alpen. Wer St. Moritz bereits kennt, könnte zunächst Pontresina einen Besuch abstatten. Der traditionsreiche Bergsteigerort ist weniger mondän als sein berühmter Nachbar, dafür bodenständig und ganz auf die Engadiner Bergwelt konzentriert.
Von Pontresina geht es mit der Rhätischen Bahn nach St. Moritz. Wenn der Glacier Express dort den Bahnhof verlässt, bleiben Stress und Hektik am Bahnsteig zurück. Die Faszination stellt sich beinahe unmittelbar ein. Gerade im Winter wirkt die Aussicht wie aus einer „Universum“-Folge: Schnee auf mächtigen Schweizer Steinkiefern, schroffe Felsen, weite Täler, der eine oder andere Greifvogel – und dank der großen Panoramafenster Landschaft bis zum Dach.
Zahlen & Fakten
Die erste Fahrt war am 25. Juni 1930.
Fahrtzeit von St. Moritz nach Zermatt (291 km)
So hoch klettert der Glacier Express am Oberalppass.
Die tiefste Stelle liegt in Chur.
werden passiert – die höchsten: das Solisviadukt mit 85 m und das Landwasserviadukt mit 65 m.
längster Tunnel (Furkatunnel)
die maximale Steigung bei Ackersand-Stalden
Highlights der Strecke
Spektakulär ist neben der Kulisse auch die Strecke. Auf der zum UNESCO-Welterbe gehörenden Albulalinie windet sich der Zug durch Tunnel und über Viadukte. Berühmt ist vor allem das Landwasserviadukt bei Filisur: Auf mächtigen Steinbögen führt die Bahn über das Tal und direkt hinein in einen Tunnel im Fels.
Später folgt der „Swiss Grand Canyon“: die Rheinschlucht. Die Rheinquelle liegt nur wenige Dutzend Kilometer flussaufwärts nahe dem Oberalppass, bevor sich der Vorderrhein durch die bis zu 300 Meter hohen Felswände zwängt.
Oberalppass: Der höchste Punkt
Der Oberalppass bleibt besonders in Erinnerung. Auf 2.033 Metern erreicht der Glacier Express hier den höchsten Punkt seiner Strecke. Der Zug steht plötzlich in einer Welt, die fast nur noch aus Weiß und Blau besteht: Schnee, Eis und gleißendes Sonnenlicht. Nur wenige Meter unterhalb des Bahnsteigs ziehen Skifahrer:innen ihre Schwünge über die Piste.
Wintersportler:innen können mit regulären Zügen anreisen; im Glacier Express hingegen dürfen Ski nicht mitgenommen werden. Nach einer kurzen Pause heißt es wieder: Einsteigen bitte! Während draußen das Winterkino weiterläuft, werden Speisen und Getränke direkt am Platz serviert.
Wer es noch exklusiver möchte, findet in der Excellence Class ein mehrgängiges Menü, Weinbegleitung und Concierge-Service. Vor allem aber hat dort jeder Gast garantiert einen Fensterplatz.
EIN TICKET FÜR DIE GANZE SCHWEIZ
Mit dem Swiss Travel Pass können Reisende mit einem einzigen Ticket das öffentliche Verkehrsnetz der Schweiz nutzen – mit Bahn, Bus und Schiff. Das dichte, gut aufeinander abgestimmte Netz macht auch Rundreisen mit mehreren Etappen unkompliziert; Ermäßigungen bei zahlreichen Bergausflügen sowie der Eintritt in über 500 Museen sind inkludiert.
Für den Glacier Express ist zusätzlich eine Sitzplatzreservierung erforderlich.
3 Tage: ab € 277,–
6 Tage: ab € 434,–
8 Tage: ab € 478,–
3 Tage: ab € 441,–
6 Tage: ab € 690,–
8 Tage: ab € 758,–
Matterhorn: Ankunft in Zermatt
Je näher Zermatt rückt, desto häufiger wandern die Blicke nach draußen. Hinter welchem Gipfel versteckt es sich? Ist es schon zu sehen? Dann beschreibt der Zug eine sanfte Kurve und plötzlich ragt es auf: das Matterhorn. 4.478 Meter hoch und so markant, wie man es von unzähligen Bildern kennt. Im Wagen macht sich augenblicklich allgemeine Freude breit. Nach Stunden voller großartiger Landschaft schafft dieser eine Berg tatsächlich noch einmal einen Höhepunkt.
Gornergrat Bahn
In Zermatt begleitet das Matterhorn die Besucher:innen fast überallhin, jedenfalls wenn sich der Gipfel wolkenfrei oder nur mit einer zarten Wolkenfahne bekleidet zeigt: Ein bisschen Wetterglück gehört auf Reisen dazu.
Am nächsten Morgen geht es mit der Gornergrat Bahn noch höher hinaus. Die Zahnradbahn klettert auf beeindruckende 3.089 Meter, während der berühmte Gipfel mit jedem Höhenmeter mächtiger erscheint. Oben wartet ein Panorama mit 29 Viertausendern und der Gletscherwelt rund um den Gornergletscher. Wer möchte, spaziert im Winter von Rotenboden Richtung Riffelberg oder fährt mit dem Schlitten ein kurzes Stück talwärts.
Langsam reisen
Die Reise geht zu Ende, doch die Faszination wirkt lange nach. Und die Erkenntnis: Dass genau darin der Luxus der Reise im Glacier Express liegt: Acht Stunden lang muss man nichts tun, außer aus dem Fenster zu schauen. Die Landschaft kommt von selbst vorbei. Und wenn am Ende das Matterhorn auftaucht, hat man beinahe vergessen, dass man eigentlich „nur“ Zug gefahren ist. Großes Kino braucht eben seine Zeit.
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