"Malle" mal mit dem Bus

Warum nicht einmal mit öffentlichen Verkehrsmitteln die schönsten Plätze Mallorcas erkunden, dachte ich mir. Hingekommen bin ich überall, wohin ich wollte, so viel sei gesagt. Aber entscheidender war ohnehin das Wie.

Rund um Palma

Bei der Ankunft in der Insel-Hauptstadt Palma war ich überwältigt von der Größe des Flughafens bzw. der Dauer des Spaziergangs zum Ausgang. Ich war es gewohnt, im Sommerurlaub von einem großen zu einem kleinen Flughafen zu reisen – hier war es umgekehrt. Die öffentlichen Verbindungen zum Flughafen sind sehr gut ausgebaut: Nach kurzer Verwirrung war der richtige Bus bald gefunden. Bei der Busfahrt ins Zentrum von Palma sieht man schon einmal gefühlt die halbe Stadt – und die wirkt ziemlich groß. Tatsächlich besitzt Palma einen der größten historischen Stadtkerne Europas und eignet sich somit wunderbar zum Flanieren. Innerhalb der Stadt benutzten wir deswegen keine Verkehrsmittel, obwohl es sogar eine U-Bahn gibt, die mir jedoch nie aufgefallen wäre.

Zum Strand gibt es auch gute Verbindungen – zur berühmten Platja de Palma etwa. Nicht fehlen durfte eine Fahrt nach Port de Sóller. Dorthin fährt nämlich ein Zug aus dem Jahr 1912. Im Nachhinein betrachtet handelt es sich dabei eher um ein touristisches Fortbewegungsmittel als um eines des öffentlichen Nahverkehrs. Mein Mitreisender konnte die Attraktion überhaupt nicht nachvollziehen – als Pakistaner findet er es seltsam, absichtlich in einen alten, langsamen Zug zu steigen und dafür richtig viel Geld auszugeben. Bei der Rückfahrt war der Zug außerdem so voll, dass wir stehen mussten und fürchteten, aus dem Waggon zu fallen. Irgendwie schaffte der Kontrolleur es aber trotzdem, alle nach ihren Tickets zu fragen.

Palma De Mallorca bei Nacht | Credit: iStock.com/Allard1

Der Norden

Von Palma fährt auch ein Bus nach Alcúdia im Norden der Insel, und von dort kommt man zu meinem persönlichen Highlight: dem Kap von Formentor. Bei einem Start von Port d’Alcúdia erwartet man sich vielleicht, einen der vielen Busse nach Alcúdia zu erwischen. In unserem Fall brachten diese Busse nicht viel, da jeder einzelne vollbesetzt vorbeirauschte. Nach zwei vorbeigezogenen Bussen beschlossen wir, eine halbe Stunde nach Alcúdia zu spazieren. Dadurch verpassten wir den Bus zum Kap und gaben in der Wartezeit auf den nächsten unser halbes Geld auf einem Markt aus.

Schließlich im Bus, gab es auf dem Weg zum Kap bemerkenswerte Aussichtspunkte. Wenn man jedoch aussteigt, um diese zu betrachten, bekommt man mit ziemlicher Sicherheit keinen Platz mehr im nächsten Bus, weil darin schon die nächste Horde abenteuerlustiger Touristen sitzt. Also stiegen wir erst beim Kap aus, wo es wirklich atemberaubend schön war. Auf dem Weg dorthin bezweifelte ich zwar die Bustauglichkeit der Straße, etwa als der Busfahrer in einer engen Abwärtskurve mit Steilhang davor zurück- und wieder vorfahren musste, aber als Bergmensch sollte ich so etwas wohl gewohnt sein, sagte ich mir.

Auf dem Rückweg stiegen wir dann doch an einem Strand aus und schafften es erstaunlicherweise, später noch einen Platz im Bus zurück nach Alcúdia zu ergattern. Dafür zahlten wir bei jedem Einsteigen in den Bus wieder denselben Preis.

Cap de Formentor auf Mallorca | Credit: iStock.com/mf-guddyx

Der Süden

Das letzte Ziel unseres Urlaubs war Colònia de Sant Jordi im Süden der Insel. Mit dem Auto erreicht man diesen Ort in etwa einer Stunde von Alcúdia – mit dem Bus dauert es über zwei. Vor dieser Etappe graute mir deswegen am meisten. Am Ende verlief sie aber sehr glatt – vermutlich, weil wir das erste Mal schon am Vortag den Busplan studiert hatten, dann aber zufälligerweise früher an der Bushaltestelle waren und in irgendeinen anderen Bus stiegen als geplant. Was dann seltsamerweise perfekt funktionierte.

Hafen von Colonia de Sant Jordi | Credit: iStock.com/DanielDiez

Urlaubsmood on

Heute weiß ich, dass sich Mallorcas viele schöne Ecken auch entdecken lassen, wenn man keine Lust auf Autofahren und Parkplatzsuche hat. Etwas Planung ist dabei zwar von Vorteil, aber es kann auch passieren, dass am Ende alles anders kommt als gedacht und gerade deshalb perfekt ist. Deswegen: Urlaubsmood on und Schwamm drüber, wenn man dann trotzdem ein Stück zu Fuß gehen muss.

Der Strand Can Pere Antoni bei Sonnenaufgang | Credit: iStock.com/Neme Jimenez

Zur Autorin

Passion Author Ariane Perktold studiert Bildnerische Erziehung und Englisch in Salzburg. In ihrer Freizeit begeistert sich die gebürtige Südtirolerin für Reisen, Literatur, Tiere, Kulinarik und Kunst. Themen, von denen auch ihre abwechslungsreichen Beiträge auf www.weekend.at handeln.

Autor: Ariane Perktold, 23.08.2021