Interrail für Erwachsene - Abenteuer oder doch nur Stress?

Einfach einsteigen und losfahren! Und selbst Erwachsene können ihren Jugendtraum von Interrail noch in späteren Jahren wahr werden lassen. Was man vorher jedoch wissen sollte.
Artikel von Passion-Autor: Margit Kainz, 09.12.2022 um 22:46 Uhr

Interrail feierte 2022 sein 50-jähriges Jubiläum. Bereits seit den 1970er-Jahren werden die Freiheit und Flexibilität auf Schienen großgeschrieben und ermöglichen vielen Jugendlichen, mit dem Zug Europa zu entdecken.

Heute in Paris, gestern in Nizza und morgen vielleicht schon in Amsterdam? Alles ist möglich! Und vielleicht geht es Ihnen so wie mir, und Sie fragen sich: "Warum habe ich meinen Interrail-Trip nicht bereits im Jugendalter verwirklicht? Wenn ich könnte, dann würde ich ..." Keine Sorge! Es ist nie zu spät, das Abenteuer zu beginnen!

Interrail für Erwachsene und Pensionisten

Im Gegensatz zu früher haben auch Erwachsene (ab 28 Jahren) und Pensionisten (ab 60 Jahren) die Möglichkeit, ein Interrail-Ticket zu durchaus erschwinglichen Preisen zu erwerben. Also worauf warten? Ticket kaufen, und los geht's! Nun gut, wenn es nur so einfach wäre! Denn zuvor heißt es noch, die eine oder andere Hürde zu überwinden.

Tipps für Interrail-Neulinge

Sind Sie bereit? Wer folgende Herausforderungen meistert, ist bestens für seine Reise vorbereitet.

Zug passiert Bahnhof in der Abenddämmerung | Credit: iStock.com/Photosely

Welches Interrail-Ticket kaufen?

Wer auf der Suche nach dem "einen" Interrail-Ticket von damals ist, wird schnell feststellen, dass zwischenzeitlich viele unterschiedliche Global- und Ein-Länder-Pässe angeboten werden, die sich in Gültigkeitsdauer und der gewünschten Anzahl an Fahrtagen unterscheiden. Einen Überblick kann man sich im Netz verschaffen, wo sie auch erworben werden können. Für Interrail-Neulinge empfiehlt sich die "Einsteiger-Variante" – ein einmonatiger Globalpass mit vier Reisetagen, um Interrail kennenzulernen.

Ticket per App oder in Papierform verwenden?

Möchten Sie Ihr Ticket in Händen halten oder bevorzugen Sie die digitale Version? Im Gegensatz zum "altmodischen" händischen Ticket ist das Online-Ticket sofort verfügbar und mit keinen Mehrkosten für den Versand verbunden. Da es nur per App aufrufbar ist, muss das Handy während der Zugfahrt stets mitgeführt werden und aufgeladen sein. Achtung: Nicht alle Züge verfügen über Steckdosen! Sollten Sie prinzipiell mit der Technik auf Kriegsfuß stehen, ist der Kauf des Tickets in Papierform empfehlenswert.

Frau genießt die Zugfahrt mit geschlossenen Augen beim Musikhören | Credit: iStock.com/Drazen Zigic

Was sollte man über Interrail wissen?

Wer sich jetzt fragt:

  • Kann es sofort losgehen?
  • Wie funktioniert die Interrail-App eigentlich?
  • Warum muss ich meine Zugfahrten vor Reiseantritt eintragen?
  • Was bitteschön ist In- und Outbound?
  • Kann ich beliebig in jeden Zug ein- und aussteigen?

Wer Gewissheit haben will, studiert am besten die häufigsten Fragen und Antworten. Wer noch immer nicht ganz schlau daraus wird, tut gut daran, eines der zahlreichen YouTube-Videos zum Thema "Was ich vor Antritt meiner Interrail-Reise gerne gewusst hätte" anzusehen. Informieren lohnt sich. Spätestens jetzt wird klar, dass Interrail mit "Einfach einsteigen und losfahren" nicht mehr wirklich viel zu tun hat.

Belebter Bahnhof | Credit: iStock.com/uskarp

Welche Zusatzkosten sind bei Interrail möglich?

Tatsächlich scheint Interrail seit den 1990er-Jahren an Flexibilität verloren zu haben. Grund dafür ist die Einführung verpflichtender Sitzplatz-Reservierungen in manchen Schnellzügen, wie beispielsweise in Italien, Frankreich oder auch anderen europäischen Ländern. Somit scheint der Traum vieler Interrail-Reisenden - einfach der Sonne entgegenfahren, beliebig ein- und aussteigen und nach Lust und Laune die Züge wechseln - wohl der Vergangenheit anzugehören. Auch Nachtzüge sind teilweise mit einer Reservierungspflicht und einem Aufschlag verbunden.

Weiters gilt das Interrail-Ticket nicht für alle Zugunternehmen. Wer Zusatzkosten meiden möchte, kann vorwiegend mit den Regional- bzw. Bummelzügen reisen, wobei hier mit oftmaligem Umsteigen und einer erheblichen "Entschleunigung" zu rechnen ist. Prinzipiell ist es ratsam, im Vorfeld die ungefähre Reiseroute festzulegen, die Zugverbindungen zu "checken" und gegebenenfalls die erforderlichen Sitzplatz-Reservierungen vorzunehmen. Es lohnt sich, die "Rail Planner"-App herunterzuladen. Diese kann Ihnen bei Ihrer Reiseplanung behilflich sein und gibt Aufschluss über eventuelle Zusatzkosten.

Was sollte man bei Interrail einplanen?

Überfüllte Züge, kurze Umstiegzeiten, das Suchen von Bahnsteigen und kurzen "Laufstrecken" machen den Trip mitunter anstrengend. Denn Zugverspätungen mit verpassten Anschlüssen führen dazu, dass der ursprüngliche Reiseplan manchmal kurzfristig überworfen werden muss. Ausgebuchte Züge lassen uns obendrein noch länger am Bahnsteig verweilen oder zwingen uns sogar zu einer ungeplanten Übernachtung. Sind Sie unter diesen Voraussetzungen immer noch bereit für Ihr Interrail-Abenteuer?

Auch wenn Interrail flexible Planungen kaum noch möglich macht, heißt es für den Reisenden umso mehr, flexibel zu bleiben. Eine gute Portion Humor und jede Menge Gelassenheit gehören mit ins Gepäck. Letztendlich stellt sich jedoch die Frage, ob es sich denn überhaupt lohnt, diese Strapazen auf sich zu nehmen. Oder ist Interrail am Ende nur Stress?

Wie gelingt Interrail?

Interrail bedeutet, seine Komfortzone zu verlassen. Hilfreich sind daher eine grundlegende Fitness und Ausdauer. Stressfreier ist es in der Nebensaison, außerdem sollten Sie auf allzu viel Gepäck verzichten. Am besten eignet sich ein Rucksack, um sich freier bewegen zu können und auch längere Zwischenstopps problemlos für Erkundungstouren nützen zu können. Koffer sind zu unbeweglich und Schließfächer nicht auf jedem Bahnhof vorhanden. Außerdem sollten Sie genügend Zeit für Ihr Interrail-Abenteuer einplanen. Denn der Reise-Genuss sollte nicht auf der Strecke bleiben.

Bahnhof bei Sonnenuntergang | Credit: iStock.com/christianchen

Der Weg ist das Ziel

Wer nur möglichst schnell von A nach B kommen möchte und den Zug ausschließlich als Mittel zum Zweck sieht, wird dieser Reiseform nur wenig abgewinnen können. Denn schließlich sollte die Zugfahrt als Teil der Reise gesehen werden. Und gerade bei Interrail ist der Weg das Ziel. Dem Rattern des Zuges lauschen. Immer wieder einen Blick auf die Landschaft werfen, die an einem vorbeizieht. Das Treiben im Zug beobachten und sich daran erfreuen, wie sich die Sprache nach einem langen Reisetag wieder ändert. All das ist Interrail – und gerade deshalb ein ganz besonderes Erlebnis!

Zur Autorin

Als idealen Ausgleich zu ihrer Arbeit hat Passion Author Margit Kainz das Schreiben entdeckt. Kleine Anekdoten und Tipps sind die Spezialität der reisebegeisterten Tirolerin, die sie in ihren Beiträgen auf www.weekend.at serviert.