Rhetorische Tricks: Wie man sich dagegen wappnet

Wir haben sie alle: unsere Meinungen, Ansichten und Standpunkte, welche wir im Laufe unseres Lebens durch Erfahrungen und Informationen entwickelt haben. Fraglos gilt, dass unterschiedliche Interessen und Positionen auch Einfluss auf unsere Kommunikation nehmen und zu Differenzen führen können. Nicht immer wird hier mit fairen Mitteln versucht, die Oberhand in einer Diskussion zu gewinnen. Eine Auswahl der häufigsten Tricks und wie man am besten darauf reagiert.

1. Das Strohmann-Argument

Eine von Ihnen vermeintlich getätigte, aber vom Sinngehalt verfälschte oder überzogene Aussage wird von einer anderen Person widerlegt oder gar angegriffen. Es wird mit diesem Trick ein fiktiver Gegner aufgebaut, der „Strohmann“. Hier sollten Sie aufpassen, sich nicht durch Unterstellungen und Verdrehung von geäußerten Aussagen in ein falsches Licht rücken zu lassen.

Beispiel:

Person A sagt: "Ich finde es gut, dass es bei Bahnhöfen Überwachungskameras gibt, damit bei gewalttätigen Übergriffen die Täter ausgeforscht werden können."

Person B: "Wenn Ihnen ein Überwachungsstaat gefällt, wo man auf Schritt und Tritt beobachtet wird - also da bin ich klar dagegen."

Person B verzerrt die Aussage von Person A, um bessere Gründe zu haben, sie anzugreifen.

Hier hilft eine Klarstellung, etwa: "Das ist ein falscher Rückschluss auf meine vorige Aussage."

2. Das Totschlagargument bzw. Killerphrasen

Zwar ist darin das Wort „Argument“ enthalten, doch besteht so ein Totschlagargument eigentlich nur aus einer leeren Floskel oder Phrase, welche lediglich dazu dienen soll, jegliche weitere Diskussion im Keim zu ersticken.

Beispiele:

„Das haben wir schon immer so gemacht“, „Es gibt Wichtigeres“ oder „Es gibt größere Probleme als das“.

Beispielsätze für einen Konter:

„Warum gefällt Ihnen mein Vorschlag nicht?“, „Glauben Sie, weil es bisher immer so lief, gäbe es nicht bessere Alternativen?“ oder „Es gibt immer größere Probleme, doch wenn dieses Problem übergangen wird, könnte daraus … Möchten Sie das wirklich?“

3. Whataboutism

Hier soll einem vorgetragenen Argument durch ein scheinbar wichtigeres Thema die Relevanz genommen werden.

Beispiel: Person A sagt: „Ihr Schreibtisch schaut wieder total unordentlich und chaotisch aus“, worauf Person B entgegnet: „Schauen Sie lieber auf Ihr dreckiges Auto, das hätte ich schon längst sauber gemacht.“

Person B möchte diesen Vorwurf nicht nur mittels eines Ablenkungsmanövers abwehren, sondern hat in diesem Fall noch gleichzeitig einen Gegenangriff hinein verpackt. Sozusagen nach dem Motto: „Angriff ist die beste Verteidigung“.

Das muss aber nicht immer der Fall sein, und die Ablenkung kann ein Thema betreffen, welches nichts mit Ihnen zu tun hat.

Beispielsätze für einen Konter:

„Dieses Argument hat jetzt nichts mit diesem Thema zu tun“, oder „Lenken Sie bitte nicht vom eigentlichen Thema ab“.

4. Motivunterstellung

Vielleicht haben Sie es auch schon erlebt, dass ein Argument vorgebracht wurde und jemand hat Ihnen darauf ein Motiv unterstellt, welches aus der Aussage gar nicht hervorgeht.

Beispiel:

Person A schreibt in einem Internetforum: „Ich finde es dekadent, wenn Fußballer extrem teure Steaks mit Blattgold im Restaurant bestellen und dann noch stolz auf Instagram damit posieren“, woraufhin einige Foren-User entgegnen: „Sie sind doch nur neidisch, weil die mehr Geld haben“.

Beispielsatz für einen Konter:

„Es gibt auch Fußballer, die viel Geld haben und sowas nicht notwendig haben. Gegen solche habe ich nichts. Mir geht es hier nur um einen ausschweifenden Lebensstil und das damit auch noch geprahlt wird.“

5. Rosinenpicken bzw. Cherry Picking

Dabei handelt es sich um eine absichtlich selektive, einseitige Auswahl an Fakten, um die eigenen Glaubensgrundsätze und Überzeugungen zu bestätigen oder sich Vorteile zu verschaffen.

Beispiel:

Nehmen Sie an, der neue Chef findet Sie von Anfang an nicht sympathisch, und vielleicht mag das ja auch noch auf Gegenseitigkeit beruhen. Jedenfalls wird er, selbst wenn Sie goßteils Ihre Arbeit sehr zufriedenstellend erledigen, bei Ihrer gewünschten Gehaltserhöhung eine gesammelte Auflistung Ihrer „Worst Of“-Momente zum Besten geben, denn so lässt sich schließlich eine Ablehnung viel besser argumentieren.

Chef: „Leider bin ich nicht so zufrieden mit Ihnen. Vor drei Wochen ist Ihnen bei dieser Aufstellung ein Fehler unterlaufen, Sie kamen letzte Woche dienstags eine Viertelstunde zu spät, und vor ein paar Tagen sah ich zufällig beim Vorbeigehen, wie Sie gerade gemütlich eine Tasse Kaffee schlürften, obwohl genug Arbeit auf dem Tisch lag.“

Beispielsatz für einen Konter:

Mitarbeiter: „Wenn Sie aber all diese ausgewählten Kritikpunkte den Aufgaben gegenüberstellen, welche ich absolut korrekt und termingerecht erledigt habe, dann wäre hier ein extremes Ungleichgewicht zu Gunsten meiner positiven Aspekte. Soll ich sie Ihnen aufzählen?“

Tipp

Dies ist nur eine Auswahl der vielleicht am häufigsten verwendeten Strategien der schwarzen Rhetorik. Doch sollte generell dabei bedacht werden, dass bei den hier beschriebenen Verhaltensweisen nicht immer eine böse Absicht dahinter stecken muss. Manchmal können ähnliche Reaktionen zum Beispiel durch Missverständnisse, nicht überprüfte Falschinformationen, mangelnde Konzentration oder unzureichend kognitive Fähigkeiten entstehen.

Deswegen seien Sie mit einer Beurteilung der Sachlage vorsichtig, denn für eine nähere Einschätzung kommt es immer auf die Gesamtsituation an. Wie wohlwollend und wertschätzend ist Ihnen diese Person generell gegenüber? In welchem situativen Rahmen findet die Diskussion statt? Welche Informationen bieten Ihnen der Tonfall und bei einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht auch die Körpersprache?

Generell gilt aber: Sollte die Sachlage nicht eindeutig sein, ist es immer von Vorteil, keine vorschnellen Reaktionen zu zeigen, denn möglicherweise könnte das bei einer Fehleinschätzung eine Situation zum Eskalieren bringen.

Zum Autor

Kommunikation - manchmal geht es nicht mit ihr, aber noch weniger ohne sie! "Passion Author" Thomas Lentz hat das erkannt. In seinem Beitrag für www.weekend.at teilt der niederösterreichische Publizist Empfehlungen und Tipps, die die Verständigung und damit das Miteinander im Privat- wie Berufsleben deutlich leichter machen.

Autor: Thomas Lentz, 14.04.2021