Warum es heute so schwer ist, die große Liebe zu finden

Single oder gebunden? Diese Frage ist in heutigen Zeiten oftmals nicht so einfach mit "Ja" oder "Nein" zu beantworten, obwohl Klarheit doch so schön wäre. Das bleibt uns jedoch verwehrt. Wieso? Weil es besser ist, die Dinge so laufen zu lassen, wie sie sind, anstatt ein möglicherweise unangenehmes Gespräch über Gefühle führen zu müssen, welches alles verändern könnte. Ganz nach dem Motto: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß, oder? „Communication is the key“ bleibt offenbar nur ein leerer Leitgedanke, der unter dem nächsten Instagram-Post zwar tiefsinnig wirkt, dem in der Anwendung hingegen verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit zukommt.

Warum wir nicht reden wollen

Wetter, Familie, Hobbys, Job, Ausbildung ... eigentlich gibt es so vieles, worüber man sich unterhalten kann. Aber ein Thema ist uns so ganz und gar nicht sympathisch: Gefühle. Das erfordert ein ganz anderes Level an Vertrauen, eine ganz andere Ebene. Was, wenn der andere nicht gleich empfindet? Man will nicht verletzt werden, man will nicht verletzen. Dann doch lieber einfach so laufen lassen. Man kann doch einfach Zeit miteinander verbringen, bis man sich sicher ist, oder? Bloß nichts überstürzen! Vielleicht wissen wir in fünf Jahren mehr - wer weiß. Zuerst muss man sich immerhin mal selbst finden. Da macht es Sinn, die Zukunft offen zu lassen als sich festzulegen. Das schafft zwar keine Klarheit und verursacht vermutlich ein kleines Chaos, aber in der Theorie wissen wir bekanntlich immer alles besser. Wenn sich doch bloß die Praxis nicht so ganz anders gestalten würde.

Was sich zunächst mit einem freiheitsliebenden, flexiblen und ungebundenen Lebensstil gut vereinbaren lässt, kann sich sehr schnell als Dilemma entpuppen und uns in eine missliche Lage katapultieren. Damals war klar, dass regelmäßige Treffen letztendlich in einer Beziehung gipfeln, heute jedoch ist unser Verständnis hinsichtlich Liebesbeziehungen dermaßen komplex, dass es geradezu unwahrscheinlich ist, dass beide Parteien dieselbe Intention verfolgen. Gern Zeit miteinander verbringen, sich gegenseitig mögen oder lieben – wer soll sich da noch auskennen? So einfach ist das nicht zu differenzieren. Was will er? Was will sie? Es bleibt ein Geheimnis, es bleibt spannend.

Who do you love?

Zu viele Auswahlmöglichkeiten überfordern uns und machen uns unglücklich. Bei der Partnerwahl ist das nicht anders. Während sich Oma und Opa zumeist im selben Dorf kennengelernt, verliebt und arrangiert haben, gibt es nun unzählige potentielle Partner/innen auf der ganzen Welt. Wieso an den Nächstbesten/die Nächstbeste binden, wenn man doch noch etwas Besseres finden könnte? Durch soziale Medien werden wir zudem zunehmend oberflächlicher und selbstverständlich wählerischer. Im Gegensatz zu früher, wird uns jetzt nämlich die volle Bandbreite geboten, was unsere Erwartungen in unrealistische Dimensionen treibt.

Hinzu kommt, dass sich immer weniger im „Real Life“ kennenlernen. Während wir also offenbar weltoffener werden, werden wir allem Anschein nach scheuer in Bezug auf das aktive Zugehen auf Menschen und regeln das lieber online. Passt aber zumindest perfekt zu unserer auch sonst eher distanzierten Haltung gegenüber der Welt und ernsten Themen, oder?

"Dating-Tipps 21. Jahrhundert"-Edition

Die folgenden Dating-Tipps, um sich im 21. Jahrhundert in Sachen Liebe tapfer als Millennial zu bewähren, haben sich (leider) auch bewährt. Abschließend daher eine Checkliste für alle, die in puncto "moderne Liebe" mit der Zeit gehen wollen. Ob sich auf dieser Grundlage eine "große Liebe" entwickeln kann, darf bezweifelt werden.

  • Kein Interesse zeigen. Das ist unsexy.
  • Sich binden verbaut dir alle Möglichkeiten.
  • Sex geht voll klar.
  • Aber bloß nichts überstürzen!
  • Nie über die aktuelle Situation reden!

Zur Autorin

Im Rahmen ihres Philosophie-Studiums geht Passion Author Sarah Füßlberger den Dingen gerne auf den Grund. Für www.weekend.at widmet hinterfragt sie die vielfältigen Entscheidungen, die wir Tag für Tag mit Blick auf unsere Lebensweise mehr oder weniger bewusst treffen.

Autor: Sarah Füßlberger, 23.07.2021