Gefühlschaos: Wie man Eifersucht in den Griff bekommt

Die Furcht, jemandes Liebe mit einem anderen teilen zu müssen bzw. zu verlieren, ist durchaus legitim. Aber Achtung: Wird sie übertrieben ausgelebt, folgen oft heftige Beziehungsprobleme und zuletzt die Trennung. Katarina Michel gibt in Ihrem Buch „Was hat sie, was ich nicht habe?“ Ratschläge, wie man aus der Eifersuchtsfalle wieder herauskommt.

1. Loslassen

Eifersucht ist das zweitstärkste Motiv für Gewalt und Verbrechen, weil Menschen immer wieder von ihren Gefühlen überwältigt werden. Der erste Weg, dem entgegenzuwirken, ist die Suche danach, was wirklich wichtig ist. Michel erklärt: „Diese Suche erlaubt uns, zu überprüfen, wofür es sich lohnt zu kämpfen und was man im Gegensatz dazu eher loslassen sollte.“

2. Werte prüfen

Jeder Mensch möchte glücklich sein, muss aber ­einen individuellen Weg gehen, sein Glück zu leben. Um diesen Weg zu finden, hilft es, die eigenen Wertvorstellungen zu überprüfen, so Michel: „Es geht um persönliche Werte, nicht um die allgemein gesellschaftlich angepassten Normen, die man oft übernimmt und dabei glaubt, es seien die eigenen.“ Als ­Beispiel nennt die Expertin Treue, die in der Gesellschaft weitgehend auf die Sexualität reduziert wird: „Aber verbindet sich Treue wirklich nur mit Sex? Wo bleiben die ­Zuverlässigkeit und das Vertrauen in anderen Aspekten des Lebens?“

3. Gleichgewicht finden

Nachdem Sie Ihre Werte definiert haben, können Sie Ihre innere Mitte finden. „Wir leben unter starkem Medieneinfluss und gesellschaftlichem Druck. Man verliert schnell den Kontakt zu sich selbst und ist den ­äußeren Einflüssen ausgeliefert“, spricht Michel aus Erfahrung. „Ein Gleichgewicht zwischen dem Äußeren und dem wahren Inneren zu finden ist wichtig, damit man in Harmonie mit sich und auch in sich bleibt.“

4. Angst bekämpfen

­Stellen Sie sich Ihren (Verlust-)Ängsten! Fragen Sie sich: „Wovor fürchte ich mich und warum?“ Um mit der Angst in Kontakt zu treten, darf man sie nicht überspielen oder unterdrücken. Man muss herausfinden, wo die Ursache liegt. Erst durch das Verstehen der Hintergründe verliert die Angst ihre Macht.

5. Vergleich beenden

­Hören Sie auf, Ihr Leben und Ihre/n Partner/in mit anderen zu vergleichen, rät die Expertin: „Das führt nicht selten dazu, dass man das ­Leben anderer lebt und nicht sein eigenes. Außerdem entsteht das Gefühl ,Der andere hat, ich will das auch haben!‘ Ein gefährliches Spiel, welches das Gegenteil von Ruhe und Harmonie hervorruft.“

6. Sex als Rettungsanker

Werden Sie sich bewusst, dass Sex nur kurzfristig Probleme lösen kann, rät Michel: „Sex als Rettungsanker ist immer Verschleierung der Realität. Langfristig hilft, am eigenen Selbstvertrauen und an gemeinsamen Interessen zu arbeiten.“

7. Nein sagen

Hinter der Angst, Nein zu sagen, steckt die Furcht vor negativen Konsequenzen. Sagen wir aber zu allem Ja, zahlen wir einen hohen Preis: Wir machen uns selbst unzufrieden, und das bringt auf Dauer auch unsere Liebesbeziehung ins Trudeln. „Nur wenn ich mir im Klaren darüber bin, was wichtig ist, kann ich auch Nein sagen, ohne jemanden zu verletzen oder mich selbst zu verleugnen“, so Michel.

8. Alltagsarbeit

Die tägliche Arbeit an der Eifersucht ist nicht einfach, da sie strikte Ehrlichkeit erfordert. Kommen bei Ihnen negative Gefühle hoch, fragen Sie sich: „Warum bin ich enttäuscht/­wütend/traurig?“ Geben Sie dabei aber nicht dem anderen die Schuld und wiegen sich selbst in der Opferrolle. Stehen Sie zu sich selbst, um die eigenen Gefühle und Handlungen zu verstehen. Michel ermutigt: „Das ist eine wahre Kunst – aber es lohnt sich!“

9. Neue Beziehungsmodelle finden

„Hier geht es um Beziehungen, die nicht mehr auf Angst und Besitzansprüche aufgebaut sind, sondern auf gegenseitigem Respekt, Verständnis, Vertrauen und auch auf Freiheit“, erklärt die Expertin. Dabei verwandelt sich das bekannte „Du sollst“ in das zärtliche „Magst Du auch?“ – und die Liebe ­bekommt einen frischen Raum zum Leben.

Autor: Weekend Online, 06.03.2015