Faszination Sturm! Was man als Kenner wissen sollte

Rhabarber und Spargel im Frühling, Sturm und Kürbis im Herbst – saisonale Köstlichkeiten muss man genießen, bevor ihre Zeit wieder vorüber ist! Im Spätsommer und Herbst ist der beliebte Klassiker bei so ziemlich jedem Heurigen erhältlich. Und das hat seine Gründe: Die liebliche Süße in Verbindung mit der spritzigen Kohlensäure erzeugen den unverkennbaren Sturm-Geschmack und machen Lust auf ein, zwei, vielleicht sogar drei Glaserl – oder mehr.

Saisonal, regional und einzigartig

Doch Sturm ist nicht gleich Sturm. Auch innerhalb Österreichs gibt es ein paar regionale Spezialitäten, die ganz besonders hervorstechen. Einer davon ist der Schilchersturm aus der grünen Steiermark. Das kulinarische Highlight besticht durch seine wunderbare dunkelrosa Färbung, die in jeder Instagram-Story für staunende Augen sorgt. Das burgenländische Pendant dazu, der Uhudlersturm, zeigt sich ebenfalls im pinken bis roten Kleid und duftet herrlich nach Waldbeeren. Da möchte – und kann – man ja gar nicht aufhören!

Was ist Sturm eigentlich?

Sein Name lässt es erahnen: Beim Sturm handelt es sich um einen bereits gärenden Traubenmost, der aus frühreifen Rebsorten hergestellt wird. Das klingt nach Lebendigkeit, und so schmeckt er auch. Das dürfte auch der Grund für seine große Beliebtheit sein, denn Sturm ist quasi Most mit Alkohol bzw. die Vorstufe des Weins. Seine trübe Farbe und das typische Prickeln hat das Herbstgetränk dem Gärungsprozess zu verdanken. Durch diesen wird CO² freigesetzt, welches wiederum die natürlichen Hefepartikel aufwirbelt.

Ein Getränk mit vielen Namen

Obwohl die Bestellung eines Sturms in Österreich kaum Verwirrung stiftet, ist das in unseren deutschsprachigen Nachbarländern nicht unbedingt der Fall. Ähnlich wie bei Marillen, Scheibtruhe, Nachtkasterl und Kübel muss Rücksicht auf vermeintlich unbekannte Wörter genommen werden. Sie wollen schließlich keine Massenpanik auslösen, wenn Sie am Heurigenbankerl sagen, dass „eh gleich ein Sturm kommt“. Die Schweizer und Deutschen haben nämlich ihre eigenen Bezeichnungen für den Herbstklassiker. In Deutschland heißt er neben „Neuer Wein“ auch „Federweißer/-roter“, „Rauscher“ oder „Bitzler“, während die Schweiz auf den ähnlich stürmischen Namen „Sauser“ zurückgreift.

Steirische Weinberge an einem sonnigen Herbstnachmittag | Credit: iStock.com/subcity

Strenge Regeln

Um den Namen „Sturm“ überhaupt tragen zu dürfen, muss übrigens mindestens ein Prozent Alkohol enthalten sein. Im Weingesetz gibt es sogar Richtlinien, die besagen, in welchem Zeitraum Sturm verkauft werden darf. Ausschließlich zwischen dem 1. August und 31. Dezember des aktuellen Erntejahres darf das Saisonprodukt auf den Markt gehen. Außerdem müssen die Trauben in Österreich geerntet und verarbeitet worden sein.

Die Lagerung macht's

Beim Sturm-Genuss ist übrigens große Vorsicht geboten! Denn in den Flaschen brodelt es regelrecht. Durch den anhaltenden Gärungsprozess entsteht wie bereits erwähnt CO², was die Boutaillen zum Bersten bringt, wenn diese dicht verschlossen werden. Deswegen ganz wichtig: Sturm nur im Stehen und auf keinen Fall mit Korkenverschluss lagern!

Benimmregeln rund um den Sturm-Genuss

All jene, die beim nächsten Heurigenbesuch mit ihrem Sturm-Wissen angeben wollen, sollten jetzt ihr Notizbuch öffnen und den Kuli zücken! Denn bei diesem Getränk gibt es so manch ein Fettnäpfchen, das sich vermeiden lassen kann.

  • Traditionell wird Sturm mit der linken Hand getrunken
  • Da Sturm kein fertiger Wein ist, wird nicht angestoßen
  • Vor dem ersten Schluck wird statt „Prost“ lieber „Mahlzeit“ gesagt
  • Serviert wird Sturm klassischerweise im Henkelglas

Jetzt aber schnell zum Heurigen oder in die Buschenschank, die stürmischen Zeiten neigen sich schon langsam dem Ende zu! Lassen Sie sich – Achtung, Wortspiel – im Sturm erobern und genießen Sie den Herbstliebling in vollen Zügen, bevor er wieder weg ist!

Zur Autorin

Kulinarik, Reisen, Film & Musik, Psychologie und kreative Hobbys - nur eine kleine Auswahl an Dingen, die Passion Author Helene Schweinberger aus Niederösterreich zu ihren vielfältigen und informativen Textbeiträgen für www.weekend.at inspirieren.

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Autor: Helene Schweinberger, 08.10.2021