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Grasende Kühe auf einer Weide mit Bergen im Hintergrund
Heumilchkühe gehören jetzt zum Weltkulturerbe.
Heumilchkühe gehören jetzt zum Weltkulturerbe.
LMZ/Bauer

Weltklasse: Heumilch ist Weltkulturerbe

11.03.2024 um 08:56, Claudia Schneiderbauer
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Die Heumilch ist am Samstag zum landwirtschaftlichen Weltkulturerbe ernannt worden - als erstes Produkt überhaupt im deutschsprachigen Raum.

Ein historischer Tag für die Heumilchbäuerinnen und Bauern. Die traditionelle Heumilchwirtschaft im österreichischen Alpenbogen ist ab sofort landwirtschaftliches Weltkulturerbe. Gefeiert wurde diese Auszeichnung im Rahmen einer Heugala mit rund 800 Gästen am 9. März im Salzburg Congress.

Weltkulturerbe nach FAO-Anerkennung

Die entsprechende Auszeichnung wurde von der Food and Agriculture Organization of the United Nations  - kurz FAO – beschlossen und feierlich an die ARGE Heumilch Österreich überreicht. Dem vorangegangen sind ein zweijähriger Prozess sowie ein 160 Seiten langer Antrag.

Ich bin überzeugt, dass mit der Anerkennung als Weltkulturerbe nun die Bekanntheit der Heumilch über Ländergrenzen hinweg weiter steigen wird. Mit dieser Auszeichnung wurde ein Meilenstein erzielt.

Norbert Totschnig, Landwirtschaftsminister

Jahrzehntelange Tradition

Die Heumilchwirtschaft gilt als die ursprünglichste Form der Milcherzeugung. Heumilchkühe werden gefüttert wie von der Natur vorgegeben. Sie ernähren sich im Sommer auf Almen und Weiden von frischen Gräsern und Kräutern und im Winter von Heu. Vergorene Futtermittel wie Silagen sind dabei strengstens verboten. Die Bewirtschaftung des Dauergrünlands erhält Wiesen, Weiden und Almen, die wertvolle CO2-Speicher sind. Laut einer BOKU-Studie weist die Heuwirtschaft bezogen auf die bewirtschaftete Fläche insgesamt um ein 40 Prozent geringeres Treibhauspotenzial auf als industrialisierte Systeme.

Es ist einzigartig, dass wir das geschafft haben, von der FAO ausgezeichnet zu werden. Ein großer Tag für die Bäuerinnen und Bauern.

Karl Neuhofer, Obmann der ARGE Heumilch
Die FAO überreichte in Salzburg die Auszeichnung. Yoshihide Endo (FAO), Karl Neuhofer (Obmann ARGE Heumilch), Christiane Mösl (Geschäftsführerin ARGE Heumilch) und Bundesminister Norbert Totschnig
Yoshihide Endo (FAO), Karl Neuhofer (Obmann ARGE Heumilch), Christiane Mösl (Geschäftsführerin ARGE Heumilch) und Bundesminister Norbert Totschnig (v.l.n.r.)

„Wir machen Milch wo andere Urlaub machen“

Karl Neuhofer, Obmann der ARGE Heumilch und selbst Heumilch-Bauer mit Leibe und Seele, sieht die Auszeichnung aber auch als Motivation für die Heumilchbetriebe. „Die Auszeichnung ist der Lohn für die Arbeit unserer Heumilchbäuerinnen und Bauern, aber auch ein Auftrag zur Bewahrung und Weiterentwicklung dieser nachhaltigen Form der Bewirtschaftung.“

Die ARGE Heumilch auf einen Blick

Die ARGE Heumilch vereinigt rund 7.000 Heumilchbäuerinnen und -bauern und mehr als 70 Verarbeiter und Vermarkter in Österreich und dem Allgäu. Hauptproduktionsgebiete sind neben Salzburg, Vorarlberg, Tirol und Oberösterreich auch Bayern und Baden-Württemberg. 2016 wurde die Heumilch bereits von der EU mit dem EU-Gütesiegel g.t.S. – garantiert traditionelle Spezialität – ausgezeichnet.

Mehrwert für Heumilchbetriebe

Seit dem Start der Vermarktungsoffensive der ARGE Heumilch Österreich konnten Wertschöpfung, Absatz und Bekanntheit der Heumilch im In- und Ausland kontinuierlich ausgebaut werden. Jährlich werden 590 Millionen Kilogramm Heumilch gesammelt und zu 100 Prozent vermarktet. 85 Prozent der Heumilch geht dabei in die Käseproduktion.

Der Mehrwert für die Heumilchbäuerinnen und Bauern liegt heute bei 30 Millionen Euro pro Jahr. Unser Ziel ist es, den Wert auf diesem hohen Niveau zu halten.

Christiane Mösl, ARGE Heumilch-Geschäftsführerin

Weltkulturerbe muss internationale Bedeutung haben

Die FAO würdigt landwirtschaftliche Systeme, die seit Generationen von Bauern entwickelt wurden, um Lebensmittel bereitzustellen, alte Traditionen zu bewahren und natürliche Ressourcen zu schützen. Die Heuwirtschaft ist damit eines von europaweit zehn und weltweit 72 landwirtschaftlichen Systemen, die bisher von der FAO als landwirtschaftliches Weltkulturerbe eingestuft wurden.

Ein landwirtschaftliches Weltkulturerbe muss eine weltweite Bedeutung als Modell für eine nachhaltige Landwirtschaft haben, die ein wertvolles Erbe darstellt.

Yoshihide Endo von der FAO

Auf der Liste der landwirtschaftlichen Weltkulturerbestätten befinden sich unter anderem die historischen Bewässerungssysteme in l'Horta de Valencia in Spanien, das Agropastoralsystem der Maasai im nördlichen Tansania und der traditionelle Wasabi-Anbau im japanischen Shizuoka.

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