Welt-AIDS-Tag: ein Überblick

Heute, 01. Dezember, ist der Welt-AIDS-Tag. Weltweit wird den Opfern gedacht und auf die Krankheit aufmerksam gemacht. Hier ein kurzer Überblick über die Lage speziell in Österreich.
Autor: Pia Kulmesch, 01.12.2022 um 11:01 Uhr

Auf der ganzen Welt sind rund 38 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, der unbehandelt zu AIDS führt, was Acquired Immune Deficiency Syndrome bedeutet. Übersetzt redet man von einer erworbenen Schwäche des Immunsystems. HIV (Humanes Immundefizienz-Virus) ist also nicht dasselbe wie AIDS. Der Virus an sich schädigt die körpereigenen Abwehrkräfte, sodass eindringende Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze und Viren nicht mehr bekämpft werden können. Im schlimmsten Fall treten dann bestimmte lebensbedrohliche Erkrankungen auf (beispielsweise Lungenentzündung). Dann spricht man von AIDS.

Behandlung

Galt eine HIV-Erkrankung in den ersten Jahren nach der Entdeckung des Virus (primär in den 80er-Jahren) noch als sicheres Todesurteil, ist der Virus mittlerweile gut therapierbar und medikamentös behandelbar. Menschen mit HIV nehmen in der Regel 1-2 Tabletten am Tag und gehen regelmäßig zur Untersuchung. Die Lebenserwartung ist kaum geringer als bei Menschen ohne HIV. Betroffenen mag so der Schrecken genommen werden – der HI-Virus bleibt aber dennoch eine ernstzunehmende gesundheitliche Bedrohung, ganz zu schweigen von den psychischen Belastungen und der gesellschaftlichen Diskriminierung, die damit verbunden sind. In Entwicklungsländern und bei Menschen, die keinen ausreichenden Zugang zur Medikation oder zu Testmöglichkeiten haben, wiegt eine Erkrankung umso schwerer.
In Österreich leben derzeit etwa 9.000 Menschen mit HIV (offiziell), die Dunkelziffer dürfte um einige tausend Menschen höher sein. Im Vorjahr wurde bei rund 380 Menschen in Österreich eine Infektion mit dem HI-Virus nachgewiesen. Ein Ende der Pandemie ist nicht in Sicht, wenngleich die Vereinten Nationen AIDS bis zum Jahr 2030 eliminieren wollten. Das Ziel ist dennoch eine Strategie gemäß des „95-95-95-0“-Prinzips, wobei 95 Prozent der Infizierten ihren Status kennen, 95 Prozent eine Therapie erhalten, 95 Prozent nach antiviraler Therapie einen Abfall der Viruslast unter die Nachweisgrenze erreichen und 0 Prozent Diskriminierung vorherrscht.

Bluttest HIV

Prävention

Aufklärung und Prävention sind nach wie vor die wichtigsten Punkte im Kampf gegen HIV und AIDS. Zu wissen, dass der Virus relativ schwer und im Alltag nicht übertragbar ist, eine Infektion aber primär über Blut, Sperma und Scheidenflüssigkeit erfolgt. Deswegen ist der praktisch einzige Weg, der heutzutage zu einer Ansteckung führt, jener über ungeschützten Geschlechtsverkehr. Blutprodukte werden bereits seit mehreren Jahrzehnten getestet und auch sonst kann bei Einhaltung der Hygienestandarts beim Arzt keine Infektion erfolgen. Ganz besonders wichtig in der Prävention ist das Testen auf HIV, bei dem das Blut auf vorhandene HIV-Antikörper untersucht wird. Sind welche vorhanden, ist der Test positiv. Wenige Wochen nach der Übertragung tritt in vielen Fällen ein Infekt ähnlich einer Grippe auf, der als erstes Zeichen einer Infektion gedeutet werden kann. Danach passiert oft jahrelang nichts, bis man die ersten Symptome eines geschwächten Immunsystems wahrnimmt. HIV kann jeden treffen und vor allem in der Anfangsphase sieht man niemandem die Erkrankung an, deswegen kann einzig und allein ein Test die Diagnose sicher stellen.
Am Markt ist auch die so genannte PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe), ein Medikament, das bei Einnahme vor einer Ansteckung mit HIV schützen soll, sowohl als auch de PEP (Post-Expositions-Prophylaxe), die innerhalb von Stunden nach einem Risikokontakt eingenommen werden muss, damit eine Infektion verhindert werden kann. Aufgrund der Beschaffenheit des Virus ist eine Impfung gegen HIV nicht in Aussicht, sehr wohl aber verbessern sich die Therapiemöglichkeiten ständig. Bleibt nur zu hoffen, dass sich auch das Diskriminierungsverhalten gegen Infizierte bessert und HIV sein Stigma verliert – ohne dass ein leichtsinniger Umgang mit dem Virus und möglichen Risikokontakten provoziert wird.