Faszination Schneeschuhwandern

Schneeschuhwandern liegt im Trend und ermöglicht auch Nicht-Skifahrern ein
alpines Ziel zu erreichen. Warum nicht selbst einmal ausprobieren?
Autor: Margit Kainz, 04.03.2022 um 09:30 Uhr

Wir steigen in die Schneeschuhe und schließen uns einer Gruppe an. Unsere erste Tour führt uns durch unberührte Natur in die wunderschönen Brandenberger Alpen! Die Bedingungen könnten nicht besser sein. Gestern hat es noch geschneit, und heute zeigt sich ein wolkenloser Himmel mit ungetrübtem Sonnenschein. Alles glitzert rings um mich herum, wir setzen erste Spuren in den Schnee und queren die weitläufigen, tiefverschneiten Almwiesen, die sich bestens für eine Schneeschuhwanderung eignen.

Ich höre das Knirschen im Schnee, beschaulich im gemäßigten Tempo steigen wir bergauf, an der Eilalm vorbei und weiter auf einen aussichtsreichen breiten Rücken, bis wir die Anderl's Almhütte erreichen. Nur noch 150 Höhenmeter, dann könnten wir auch noch den Aufstieg zum Kreuzeinjoch schaffen! Oder vielleicht noch ein Stückchen weiter auf den nächstgelegenen Gipfel? Eine gute Idee, oder etwa nicht? Prinzipiell ja! Und für den einen oder anderen ambitionierten und durchtrainierten Sportler stellen weitere 150 Höhenmeter (oder auch mehr) bestimmt keine allzu große Herausforderung dar.

Die Länge nicht unterschätzen

Beim Schneeschuhwandern sollte grundsätzlich immer bedacht werden, dass selbst der Abstieg viel Zeit in Anspruch nimmt, und man – im Gegensatz zum Skitourengehen – eben nicht „in ein paar Schwüngen“ wieder im Tal ist. Daher ist es ratsam, die Tour im Vorfeld gut zu planen, die Länge nicht zu unterschätzen und gegebenenfalls, je nach Kondition und auch wetterbedingt, spontan anzupassen.

Sicherheit geht vor

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, meine erste Schneeschuhwanderung mit leichtem Gepäck zu meistern. Doch bereits im Vorfeld wurde ich mit Lawinensuchgerät, Schaufel und Sonde ausgestattet, sodass sich mein Rucksack (neben Getränken, Jause und Wechselkleidung) wider Erwarten füllte. Aber Sicherheit geht vor! Denn auch für Schneeschuhwanderer gilt: Wer sich abseits der Pisten bewegt, sollte die Lawinengefahr nicht unterschätzen, sich diesbezüglich informieren und das entsprechende Equipment immer bei sich tragen.

Der richtige Schneeschuh

Eines gleich vorweg: Schneeschuh ist nicht gleich Schneeschuh! Mit meinen ausgeliehenen Exemplaren fühle ich mich rundum wohl, sie sind leicht und auch beim Aufstieg finde ich guten Halt. Doch immer wieder beobachte ich andere Schneeschuhwanderer, die ab und an auch ins Rutschen geraten. Woran das wohl liegt? Ich bringe in Erfahrung, dass sich auf der Unterseite meiner Schneeschuhe zusätzlich „seitliche Metallzacken“ befinden, die insbesondere bei Hangquerungen sowie im Harschschnee optimalen Halt bieten. Wer sich also Schneeschuhe zulegen möchte, sollte beim Kauf Vergleiche ziehen und sich nicht unbedingt vom ersten Schnäppchen locken lassen. Zum „nur einmal Ausprobieren" sind Leihschneeschuhe empfehlenswert. Übrigens sind auch die passenden Touren- bzw. Skistöcke kein Modeaccessoire, sondern ebenfalls Teil der Grundausrüstung.

Schneeschuhe | Credit: iStock.com/Vitalalp

Der richtige Winterwanderschuh

Optimal sind wärmende Winterwanderschuhe. Ich trage meine wasserdichten, knöchelhohen Sommerbergschuhe und darunter dicke Skisocken. Für einen ersten Versuch sind sie jedenfalls ausreichend, für regelmäßige Schneeschuhwanderungen würde ich mir dennoch ein gefüttertes Schuhwerk wünschen. Besonders komfortabel finde ich übrigens Gamaschen. Sie halten Nässe und Kälte von Schuh und Hosenbein fern und verhindern insbesondere das Eindringen des Schnees über den Schaft. Denn beim Abstieg kann es schon mal sein, dass der Schnee etwas hochspritzt, oder man auch mal bis über die Knöchel im Tiefschnee versinkt!

Der Abstieg

Nach einer kurzen Rast am Joch (zum Gipfel sind wir nicht mehr hochgestiegen) bereiten wir uns auf den Abstieg vor. Praktischerweise müssen wir – im Gegensatz zu den Skitourengehern – weder „abfellen“ noch unsere Bindung zum Bergabsteigen umstellen. Denn hier gilt: Aufstiegsmodus = Abstiegsmodus, sodass die Ferse sowohl beim Auf- als auch Abstieg immer beweglich bleibt, und nur der vordere Teil des Schuhs fest in der Bindung fixiert ist.

Schritt für Schritt steigen wir bergab. Kurz beneide ich ein paar Skitourengeher, die in langen Schwüngen an mir vorbeiziehen. Doch schon bald finde ich Gefallen am Abwärtsgehen, gleite mit weiten Schritten im Tiefschnee hinab und habe zeitweise sogar das Gefühl, als ob ich auf Watte laufe. Weich und angenehm fühlt es sich an und auch gelenkschonender als mancher Abstieg nach einer sommerlichen Bergtour. Doch ein wenig Konzentration ist geboten, denn je nach Schneeunterlage breche ich manchmal auch unerwartet etwas tiefer in der Schneeschicht ein.

Fahrbare Schneeschuhe

Der eine oder andere Mitwanderer würde nun lieber auf den Abstieg verzichten und wünscht sich stattdessen „fahrbare“ Schneeschuhe herbei! Vielleicht eine fahrbare Schiene, die ganz einfach an der Unterseite angebracht werden könnte und somit eine schnellere Abfahrt ermöglichen würde. Die Entwicklungen diesbezüglich stehen jedenfalls nicht still. Ich frage mich, ob ich mir für meine Schneeschuhe überhaupt einen fahrbaren Untersatz wünsche. Denn zwischenzeitlich empfinde ich den Abstieg als „meditativen“ Bestandteil unserer Tour, der das „Gesamtpaket“ noch abrundet und zu einem wunderschönen Erlebnis macht.

Eine Gruppe Schneeschuhwanderer | Credit: iStock.com/tepic

Zur Autorin

Als idealen Ausgleich zu ihrer Arbeit hat Passion Author Margit Kainz das Schreiben entdeckt. Kleine Anekdoten und Tipps sind die Spezialität der reisebegeisterten Tirolerin, die sie in ihren Beiträgen auf www.weekend.at serviert.