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Pneumokokken Impfung bei älteren Menschen in Österreich mit Spritze beim Arzt
Die Pneomokokken-Impfung ist in Österreich für ältere Menschen und Risikogruppen kostenlos und soll vor schweren Krankheitsverläufen schützen
Die Pneomokokken-Impfung ist in Österreich für ältere Menschen und Risikogruppen kostenlos und soll vor schweren Krankheitsverläufen schützen
pedro7merino / Shutterstock

Pneumokokken in Österreich auf Rekordhoch – Gratis-Impfung kann Leben retten

17.04.2026 um 07:31, Stefanie Hermann
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Pneumokokken-Infektionen erreichen Rekord in Österreich: 944 Fälle und 64 Tote. Die Gratis-Impfung für Ältere soll jetzt vor schweren Verläufen schützen.

Die Zahl der Pneumokokken-Erkrankungen in Österreich ist 2025 auf ein Rekordniveau gestiegen. Laut aktuellen Daten der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) sind 944 invasive Fälle registriert worden. Bereits 2024 ist mit 812 Erkrankungen ein Höchstwert verzeichnet worden, der nun erneut deutlich überschritten wurde.

Damit setzt sich der Trend steigender Infektionszahlen fort. Die Häufigkeit der Erkrankungen ist ebenfalls gestiegen: Die Inzidenz liegt inzwischen bei rund 10,3 Fällen pro 100.000 Einwohner, nach 8,9 im Jahr davor.

Pneumokokken erreichen Rekordwert in Österreich

Die Entwicklung zeigt deutlich, dass sich Pneumokokken-Infektionen in Österreich weiter ausbreiten. Besonders die steigende Zahl invasiver Erkrankungen gilt als alarmierend, da diese mit schweren Komplikationen verbunden sind.

Warum Pneumokokken so gefährlich sind

Pneumokokken sind Bakterien, die über Tröpfcheninfektion – etwa beim Husten oder Niesen – übertragen werden. Es existieren mehr als 100 verschiedene Serotypen, von denen jedoch nur ein Teil schwere Erkrankungen verursacht.

Die Bakterien können schwere Krankheitsbilder auslösen. Dazu zählen vor allem Lungenentzündung, Blutvergiftung (Sepsis) und Hirnhautentzündung (Meningitis). Besonders kritisch wird es, wenn die Erreger in sterile Körperbereiche eindringen. In diesen Fällen spricht man von invasiven Pneumokokken-Erkrankungen, die häufig schwere Komplikationen nach sich ziehen.

„Der Verlauf kann sehr schwer sein, eine Behandlung auf der Intensivstation erforderlich machen und leider auch – selbst mit Behandlung durch Antibiotika – zum Tod führen“, erklärt Eveline Kink, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie.

Im Jahr 2025 sind 64 Menschen an den Folgen einer invasiven Pneumokokken-Erkrankung gestorben.

Warum vor allem ältere Menschen gefährdet sind

Die Auswertung zeigt eine klare Risikogruppe: ältere Menschen, insbesondere über 80-Jährige. In dieser Altersgruppe wird die höchste Erkrankungsrate verzeichnet.

„In dieser Gruppe sehen wir – aufgrund des nachlassenden Immunsystems und oft vorhandener weiterer Krankheiten – besonders oft Komplikationen“, so Kink.

Auch chronische Erkrankungen wie Herz- oder Lungenleiden erhöhen das Risiko für schwere Verläufe deutlich. Weitere Risikofaktoren sind unter anderem Diabetes, Lebererkrankungen sowie ein geschwächtes Immunsystem. Zudem zeigen Auswertungen, dass Männer häufiger betroffen sind als Frauen.

Gratis-Impfung gegen Pneumokokken gestartet

Als Reaktion auf die steigenden Pneumokokken-Fälle ist in Österreich seit November 2025 eine kostenlose Pneumokokken-Impfung verfügbar. Diese richtet sich an Personen ab 60 Jahren sowie Risikogruppen ab 18 Jahren.

Erste Zahlen zeigen, dass die Impfung stark nachgefragt wird. Laut Verband der Impfstoffhersteller sind bereits über 210.000 Impfdosen verabreicht worden, rund 400.000 Dosen sind ausgeliefert worden.

Viele Fälle durch Impfung vermeidbar

Nach Einschätzung von Fachleuten könnten viele Pneumokokken-Erkrankungen durch eine Impfung verhindert werden. Moderne Impfstoffe decken einen Großteil der aktuell kursierenden Serotypen ab.

„Die Auswertungen der AGES zeigen, dass die modernen Impfstoffe einen Großteil der letztes Jahr kursierenden Serotypen abgedeckt haben, vermutlich also viele Krankheitsfälle zu verhindern gewesen wären“, heißt es vom Verband der Impfstoffhersteller.

Experten gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil der zuletzt registrierten Fälle durch eine breitere Durchimpfung vermeidbar gewesen wäre.

Ob die kostenlose Impfung tatsächlich zu sinkenden Fallzahlen führt, wird sich erst im kommenden Jahr zeigen. Eine abschließende Bewertung ist derzeit noch nicht möglich.

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