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Allergische Reaktion: Pusteln auf der Haut am Arm. | Credit: iStock.com/Eik Scott
Bei einer Kreuzallergie reagiert der Körper auf ähnlich zusammengesetzte Stoffe überempfindlich.
Bei einer Kreuzallergie reagiert der Körper auf ähnlich zusammengesetzte Stoffe überempfindlich.
iStock.com/Eik Scott

Wenn das Immunsystem zum Hypochonder wird

24.08.2022 um 07:30, Simone Reitmeier
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Wer gegen Pollen, Milben oder Tierhaare allergisch ist, reagiert womöglich auch auf andere Auslöser – dieses Phänomen nennt man Kreuzallergie.

Juckreiz, verstopfte Nase und Atemnot – bei Birkenpollen wäre diese Reaktion bei Ihnen normal, nicht aber bei Äpfeln oder Tomaten? Wer auf bestimmte Nahrungsmittel überempfindlich reagiert, obwohl eigentlich keine Allergie vorliegt, leidet vermutlich unter einer sogenannten Kreuzallergie.

Irrtum der Immunabwehr

Bei einer Allergie handelt es sich generell um eine Fehlfunktion des Immunsystems, in dem der Körper überempfindlich auf eigentlich harmlos Stoffe (Tierhaare, Nüsse, Blüten, etc.) reagiert. Als wäre das nicht schon Irrtum genug, interpretiert die Abwehr bei einer Kreuzallergie auch noch komplett andere, aber ähnlich zusammengesetzte Stoffe als gefährlich – und reagiert prompt mit tränenden Augen, Niesanfällen oder gar Atemproblemen. Der Grund: Die Eiweiße beider Allergieauslöser ähnliche sich, das Immunsystem kann das nicht unterscheiden und mutiert quasi zum Hypochonder.

Die häufigsten Kreuzallergien

In Österreich leidet in etwa jeder Vierte an einer Allergie. Über die Verbreitung von Kreuzallergien gibt es bis dato keine genauen Angaben. Was bekannt ist: Manche Nahrungsmittel oder Pflanzen lösen häufiger eine kombinierte Allergie aus als andere.

  • Birkenpollen-Nuss-Kernobst-Syndrom: Zieht das Immunsystem gegen die Birke in den Krieg, sagt es häufig auch Äpfeln, Hasel- oder Walnüssen, Erdbeeren oder Sellerie den Kampf an.
     
  • Sellerie-Karotten-Beifuß-Gewürz-Syndrom: Eine Allergie gegen Beifuß kreuzt u. a. mit Karotten, Sellerie und mit Gewürzen wie Curry, Petersilie, Kümmel und Koriander.
     
  • Gräser-Allergie: Kreuzt u. a. mit Erdnuss, Hülsenfrüchten, Dinkel-, Weizen- und Roggenmehl, Tomate
     
  • Latex-Frucht-Syndrom: Bei einer Latex-Allergie kann es u.a. auch bei Avocado, Ananas, Banane, Kiwi, Paprika und Tomate zu allergischen Reaktionen kommen.
     
  • Hausstaubmilben-Allergie: Kreuzt mit Schalen- und Krustentieren.
     
  • Vogel-Ei-Syndrom: Wer auf Vogelfedern empfindlich reagiert, tut das womöglich auch bei Hühnereiern und Geflügelfleisch.
     
  • Cat-Pork-Syndrom: Eine Katzenallergie bringt allergische Reaktionen mit Schweinefleisch mit sich.
Lebensmittel mit Fragezeichen: Erdbeeren, Shrimps, Brezen, Eier, Tomate | Credit: iStock.com/Olga Chalovskaia
Kreuzallergien werden auch Sekundäre Nahrungsmittelallergien genannt.

Wichtig: Nicht jede Birken-, Latex- oder Gräser-Allergie ist automatisch eine Kreuzallergie. Sie können auch ohne kombinierte Reaktionen auftreten.

Kreuzallergen teils schwer zu diagnostizieren

Die Diagnose einer Kreuzallergie wird durch Hauttests (Pricktest) oder anhand einer Blutprobe im Labor gestellt. Hat man es nicht mit einer gängigen Kombination zu tun, gestaltet sich die Diagnose mitunter als schwierig. Herauszufinden, auf was man tatsächlich überempfindlich reagiert, entpuppt sich unter Umständen sprichwörtlich als die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

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