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Mann mit Kopfschmerzen vor PC
Bei Schmerzen den PC fragen – ein altbekanntes Modell. Doch ChatGPT funktioniert anders als Doktor Google.
Bei Schmerzen den PC fragen – ein altbekanntes Modell. Doch ChatGPT funktioniert anders als Doktor Google.
iStock.com/OtmarW

Kann ChatGPT den Arzt ersetzen?

31.03.2023 um 09:26, Pia Kulmesch
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Das neue Superding in Sachen Künstliche Intelligenz (KI) heißt ChatGPT. Doch wie zuverlässig ist das Kommunikationstalent bei medizinischen Angelegenheiten?

Bye-bye Doktor Google! Willkommen ChatGPT: die Künstliche Intelligenz ist derzeit in aller Munde und wird für die unterschiedlichsten Bereiche genutzt. Manche Schüler beispielsweise verfassen damit ihre Deutsch-Hausübung, andere wollen sich über medizinische Fragen informieren. In die KI wurde eine große Menge an Informationen aus dem Internet eingespeist; dabei kann es sich um seriöse Infos aus Online-Lexika oder vollkommen falsche Angaben aus dem Social Media-Bereich handeln.

Fragen stellen

So tippen manche User Fragen wie „Was muss ich bei Fieber tun“, oder „Wie behandle ich meine Allergie“ in das Programm ein. Andere Fragen wären beispielsweise, welche Therapien es bei Krebs gibt, welche Wechselwirkungen bei Medikamenten zu befürchten sind. Oder aber man verwendet die KI als Symptomchecker, indem man Symptome nennt und danach fragt, um welche Krankheit es sich handeln könnte. Der Chatbot kann wie eine medizinische Suchmaschine verwendet werden. Der Unterschied allerdings ist, dass ChatGPT keine Websites auflistet, wie etwa Google, sondern eine konkrete Antwort verfasst.

Probleme bei der Anwendung

Besonders problematisch bei dem Chatbot ist, dass er keine Quellen angibt. Dieses Sprachmodell versteht nicht wirklich, was die einzelnen Wörter und Sätze bedeuten. Es berechnet die Wahrscheinlichkeit für die Abfolge von Wörtern. Man kann also nicht wissen, ob es sich um Fakten oder Fantasie handelt, denn im Internet stehen viele ungeprüfte Informationen.

Frau sucht mit Laptop am Schoß im Internet
Mehr als nur eine klassische Suchmaschine: ChatGPT unterhält sich mit dem Fragenden wie ein realer Mensch.

Vorsicht geboten

Eine Sache sollte bei der Anwendung von ChatGPT noch unbedingt bedacht werden: was passiert eigentlich mit sensiblen Informationen? Kann es sein, dass diese bei einem anderen Anwender landen?
Gibt man sensible personen- oder unternehmensbezogene Daten ein, kann es passieren, dass möglicherweise Dritte mit schlauen Angriffen darauf zugreifen. Bei einem Versuch einer Forschungsgruppe gelang es dem Team, hunderte Sequenzen aufs Wort genau aus ChatGPT herauszukitzeln – inklusive Telefonnummern, Mailadressen und Unterhaltungen.

Der direkte Vergleich

In Zukunft könnten Anwendungen wie ChatGPT Ärzten helfen, Erkrankungen anhand von Symptomen und der Krankengeschichte zu identifizieren. Das ist nicht zwangsläufig besser als Ärzte, allerdings braucht das System nur einen Bruchteil ihrer Zeit. Das Kommunikationstalent könnte die Medizin revolutionieren; es liefert streng genommen auch keine Antworten, sondern Zusammenfassungen von Texten, die Menschen niedergeschrieben haben. Die Genauigkeit der Ergebnisse hängt von der Evidenz des Wissens bzw. der Anzahl von Experten ab, die das Wissen aufgebaut haben. Man könnte auch sagen, dass die Kreativität von ChatGPT die eigene Kreativität der Menschen ist, das Verhalten von uns Menschen, das wir einem Algorithmus beigebracht haben. Zu ernst sollte man den Chatbot aber in medizinischen Fragen nicht nehmen, denn er liegt auch einmal daneben. Zumindest den Hausarzt sollte diese KI also vorerst nicht ersetzen.

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