Ist Alzheimer übertragbar?

Einem Forschungsteam ist es gelungen, die heftig diskutierte Theorie zur Alzheimer-Übertragung zu widerlegen. Die Angst vor einer Ansteckung durch Angehörige ist somit unbegründet.
Autor: Simone Reitmeier, 15.06.2022 um 15:07 Uhr

Die Ursache für Morbus Alzheimer ist bis heute weitgehend ungeklärt, eine Heilung ist ebenso wenig möglich. Bekannt ist nur, dass durch die Krankheit Nervenzellen im Gehirn fortschreitend absterben und Eiweißablagerungen dafür charakteristisch sind. In den vergangenen Jahren häufte sich der Verdacht, dass Alzheimer nicht nur eine körpereigene Erkrankung ist, sondern auch eine übertragbare – zum Beispiel durch Bluttransfusionen oder Hirnoperationen.

Forschung widerlegt die Übertragungstheorie von Alzheimer

Einem Lübecker Forschungsteam rund um Prof. Jens Pahnke (Universität Lübeck) gelang es in Zusammenarbeit mit Forschenden von der Universität Oslo erstmals, den Weg des Alzheimer-Eiweiß im Körper nachzuvollziehen. Die Theorie, dass es sich bei Alzheimer um eine übertragbare Prionenerkrankung handelt, konnte so widerlegt werden. Prionen sind im Körper natürlich vorkommende Eiweiße. Verwandeln sie sich in eine abnormale Form und verändern ihre Struktur krankhaft, können sie verklumpen, sich beispielsweise im Gehirn ablagern und dort zu Schäden führen. Beispiele für Prionenkrankheiten sind BSE (Bovine spongiforme Enzephalopathie) bei Kühen, die Tödliche Schlaflosigkeit oder CJD (Creutzfeld-Jakob deasease).

Alzheimer verursacht Schäden im Hirn. | Credit: iStock.com/ selvanegra

Im Labor an Mäusen getestet

Die Forscher überprüften, ob das krankmachende Alzheimer-Eiweiß (beta-Amyloid) von Mensch zu Mensch übertragbar ist, indem sie beta-Amyloid mit speziell markierten Kohlenstoffatomen verwendeten. Das markierte Eiweiß aus an Alzheimer erkrankten Mäusen spritzten sie gesunden Tieren und konnten so dessen Weg durch den Körper verfolgen sowie sehen, wo sich Ablagerungen bilden. Hochspezifische Messmethoden zeigten schlussendlich, dass das Alzheimer-Protein nicht ins Gehirn der gesunden Tiere gelangte. Das heißt, eine Alzheimer-Übertragung an Pfleger oder Angehörige von Erkrankten kann ausgeschlossen werden. Die sechs Jahre andauernde Forschungsarbeit wurde im renommierten Journal EMBOreports publiziert.

Ist Alzheimer erblich?

Ist ein Angehöriger von Alzheimer betroffen, fürchten viele Menschen durch Vererbung ebenfalls eines Tags daran zu erkranken. Fakt ist, dass nur etwa ein Prozent aller Alzheimer-Patienten eindeutig eine erblich bedingte Form hat. Bisher sind drei dafür verantwortliche Gene bekannt, die Symptome beginnen früh zwischen 30 und 65 Jahren. Die restlichen 99 Prozent leiden an einer altersbedingten Form von Alzheimer, deren Symptome in der Regel erst nach dem 65. Lebensjahr auftreten.