Alles, was man über intuitives Essen wissen sollte

Das Prinzip des intuitiven Essens wurde bereits im 1995 von den beiden Ernährungswissenschaftlerinnen Evelyn Trobole und Elyse Resch entwickelt. Es soll zu einem natürlichen Körpergefühl zurückführen und verzichtet auf die klassischen Verbote und Zwänge von Diäten. Stressfrei und ohne schlechtes Gewissen besinnt man sich dabei wieder auf den eigenen Körper und lernt, auf ihn zu hören.

Schluss mit dem Diätwahn.

Nach diesem Prinzip arbeitet auch die deutsche Ärztin Mareike Awe in ihrem Programm „intueat“. Auch sie hat, wie so viele, schon Erfahrungen mit Diäten gemacht und davon eigentlich nur Negatives mitgenommen. „Ich war ständig müde, hatte keine Energie, fühlte mich unwohl und gab mir die Schuld, dass ich mein Essverhalten nicht kontrollieren konnte“, erzählt Mareike. Genau davon lebt die Diätindustrie: Ständig erobern neue Wunder-Diäten das Netz, die immer noch leichter und immer noch effektiver die Kilos purzeln lassen sollen. Oft werden dazu Appetithemmer oder andere eher dubiose Nahrungsergänzungsmittel angeboten.

Gesunder Körper und Geist.

Durch ständige Vergleiche mit anderen und das schlechte Gewissen beim Essen wird zunehmend ein negativer Bezug zum eigenen Körper hergestellt. „Dazu kommt die Haltung der Gesellschaft: Schlanksein ist Kopfsache. Wer nicht durchhält, dem fehlt es an Disziplin und Willensstärke. Manche entwickeln dadurch einen regelrechten Selbsthass,“ erzählt die Ärztin. Genau dem steuert ihr Programm entgegen. Im Vordergrund steht die Verbindung zwischen einem gesunden Körper und einem gesunden Geist. Beim intuitiven Essen lernt man zu essen, wenn man wirklich hungrig ist, und aufzuhören, wenn man satt ist. Den Unterschied zwischen Hunger und Appetit scheinen die meisten nämlich im Laufe des Lebens verlernt zu haben.

„Es war eine Qual: Ich musste ständig ans Essen denken. Oft stopfte ich unkontrolliert alles in mich rein, was ich finden konnte. Das intuitive Essen war für mich wie eine Rettung in letzter Not. Ich erlaubte mir, alles zu essen, wenn ich hungrig war. Es gab keine Verbote mehr, keine Essensregeln, kein schlechtes Gewissen.“ - Mareike Awe, Ärztin und Gründerin des Programms „intueat“

Kein Verzicht.

Intuitives Essen ist also kein Abnehmprogramm, es muss auf nichts verzichtet werden. Auch das Verbot, nach 18 Uhr noch etwas zu essen, kann man sich sparen. „Wir werben nicht mit Sixpack und Bikini-Figur und sagen: So siehst du in drei Monaten auch aus, wenn du bei uns mitmachst“, betont Awe. Anstatt ständig auf sein Gewicht und die dazugehörige zwanghaft gesunde Ernährung zu achten, soll das körperliche Wohlbefinden wieder im Vordergrund stehen: „Viele Menschen sind so fokussiert, ein bestimmtes Gewicht zu erreichen, dass sie denken: Wenn ich so und so viel wiege, bin ich endlich glücklich. Das eigene Wohlbefinden wird dabei komplett vernachlässigt. Dabei ist genau das entscheidend: Was tut mir gut? Wann fühle ich mich wohl?“

Natürliches Essverhalten.

Der erste Schritt für dieses Programm ist, jede Diät vollständig auszuklammern. Denn wenn man auf den eigenen Körper und sein Hunger- und Sättigungsgefühl hört, braucht es weder Ernährungspläne noch Kalorienzählen. So kann man auch wirklich essen, was man will. Das Essverhalten ist zudem oft mit Emotionen verbunden. Mareike Awe weiß: „Wer bei Stress immer zur Schokolade greift, tut dies unbewusst. Das sind festgefahrene Routinen, die wir nicht von heute auf morgen ablegen können.“ Essen sollte aber weder als Belohnung noch als Bestrafung eingesetzt werden, sondern richtig genossen werden. Genau so verhält es sich mit Sport und körperlicher Betätigung. Ohne zwanghaftes Kalorienverbrennen kann Bewegung wieder Spaß machen.

Positive Selbstwahrnehmung.

Neben Ernährung und Bewegung spielt das eigene Wohlbefinden bei „intueat“ die entscheidende Rolle. Mareike Awe erklärt dazu: „Für viele Teilnehmer ist es ein langer Weg, bis sie wieder zu einem positiven Selbstbild zurückfinden. Wir unterstützen sie dabei und machen ihnen klar: Es geht um dich. Du sollst dich wohlfühlen. Dein Körper ist ein Geschenk, ganz egal, ob du Größe 36 oder 52 trägst.“

Autor: Teresa Frank , 13.10.2020