KI als Pflege-Coach: Digitale Hautanalysen boomen
- So funktioniert die Hautanalyse
- KI in der Praxis: Zwei Anbieter, zwei Ansätze
- 5 Tipps für eine möglichst genaue Hautanalyse
- KI entwickelt inzwischen sogar Hautpflege
- Chancen und Grenzen
Retinol, Hyaluronsäure, Niacinamid oder Vitamin C – die Auswahl an Hautpflegeprodukten war noch nie so groß. Gleichzeitig wünschen sich viele Menschen Produkte, die möglichst genau zu ihrem Hautbild passen. Immer mehr Kosmetikunternehmen bieten digitale Hautanalysen an, die anhand eines Fotos den Hautzustand bewerten und eine individuelle Pflegeroutine empfehlen. Doch was passiert da eigentlich – und wie zuverlässig sind die digitalen Hautberater?
So funktioniert die Hautanalyse
Der Ablauf ist bei den meisten Anwendungen ähnlich: Nutzerinnen und Nutzer fotografieren ihr Gesicht oder laden ein aktuelles Bild hoch. Je nach Anbieter werden zusätzlich Angaben zum Hauttyp, zu den persönlichen Hautbedürfnissen oder zum Alter abgefragt. Anschließend analysiert die Software innerhalb weniger Sekunden sichtbare Hautmerkmale wie Fältchen, Poren, Pigmentflecken, Rötungen oder die Hautstruktur.
Auf Basis dieser Informationen erstellt die KI eine individuell abgestimmte Pflegeroutine. Einige Systeme beziehen zusätzlich Informationen wie UV-Belastung oder den Standort in ihre Empfehlungen ein. Wichtig ist jedoch: Die Anwendungen liefern keine medizinische Diagnose. Sie beurteilen ausschließlich das sichtbare Hautbild und sollen die Auswahl passender Pflegeprodukte erleichtern. Sina Sommerhalder, Digital Content Manager Louis Widmer Schweiz:
Unser Ziel ist nicht, die Beratung durch Kosmetikerinnen oder Dermatologen zu ersetzen. Wir möchten personalisierte Hautpflegeberatung für mehr Menschen zugänglich machen – unabhängig von Ort und Zeit.
KI in der Praxis: Zwei Anbieter, zwei Ansätze
Die Grundidee ist bei den meisten Anwendungen ähnlich: Ein Foto bildet die Basis für eine KI-gestützte Analyse, aus der eine individuelle Pflegeroutine abgeleitet wird. Unterschiede gibt es vor allem bei der Ausrichtung.
Louis Widmer: Dermatologische Beratung wird digital ergänzt
Mit seinem neuen KI-gestützten Hautanalyse- und Beratungstool erweitert Louis Widmer seine dermatologische Hautpflege um eine digitale Komponente. Nach der Analyse des Gesichts und einigen ergänzenden Angaben erhalten Nutzerinnen und Nutzer Empfehlungen für eine individuell abgestimmte Pflegeroutine.
Nach Angaben des Unternehmens wurde die zugrunde liegende Hautdiagnosetechnologie gemeinsam mit Dermatologinnen und Dermatologen validiert, also geprüft. Die KI soll dabei nicht die persönliche Beratung ersetzen, sondern als jederzeit verfügbare Orientierung dienen und den Einstieg in eine passende Routine erleichtern. Denn: Bei Reinigungsmilch- oder gel, Toner, Serum, Augenpflege, Tages- und Nachtpflege sowie UV-Schutz verliert man schon einmal den Überblick!
Lancôme: Hautanalyse als Teil von Longevity
Auch die französische Luxus-Brand setzt mit dem e-Skin Expert auf künstliche Intelligenz. Das Tool analysiert zahlreiche sichtbare Hautmerkmale, ergänzt sie mit den Antworten der Anwenderin und erstellt daraus eine persönliche Pflegeroutine.
Die Hautanalyse führt direkt zu neuen Linie Absolue Longevity MD. Dahinter steht die Idee, Hautpflege stärker an biologischen Alterungsprozessen auszurichten. Die KI dient dabei als Ausgangspunkt. Sie analysiert über 20 sichtbare Hautmerkmale und vergleicht diese mit mehr als 25.000 gespeicherten Hautaufnahmen, um die Pflege möglichst individuell auf die jeweilige Lebensphase und die Bedürfnisse der Haut abzustimmen: Anticipate (junges Alter / Schutz), Intercept (mittleres Alter von 35 bis 55 / Zellerneuerung) und Reset (reiferes Alter / Korrektur von Alterszeichen).
5 Tipps für eine möglichst genaue Hautanalyse
- Gesicht vor der Aufnahme gründlich abschminken.
- Das Foto bei möglichst natürlichem Licht aufnehmen.
- Beautyfilter und starke Bildbearbeitung vermeiden.
- Direkt in die Kamera blicken und das Gesicht vollständig zeigen.
- Die Ergebnisse als Orientierung verstehen – nicht als medizinische Diagnose.
Hautpflege, von KI entwickelt
Künstliche Intelligenz kommt inzwischen nicht mehr nur bei der Analyse des Hautbildes zum Einsatz. Das österreichische Beauty-Unternehmen IB-7 nutzt KI bereits in der Entwicklung neuer Hautpflegeprodukte. Dafür werden wissenschaftliche Studien und umfangreiche Forschungsdaten ausgewertet, um vielversprechende Wirkstoffkombinationen schneller zu identifizieren.
Das zeigt: KI verändert die Beautybranche nicht nur dort, wo Konsumentinnen und Konsumenten mit ihr in Berührung kommen. Sie hält zunehmend auch hinter den Kulissen Einzug und unterstützt Forschung und Produktentwicklung.
Chancen und Grenzen
Digitale Hautanalysen können eine hilfreiche Orientierung sein – vor allem für Menschen, die sich angesichts der großen Produktauswahl unsicher fühlen oder ihre Pflegeroutine gezielter auf ihren Hautzustand abstimmen möchten. Gleichzeitig haben die Systeme Grenzen. Sie bewerten ausschließlich das, was auf einem Foto sichtbar ist. Faktoren wie Allergien, hormonelle Veränderungen oder Vorerkrankungen bleiben unberücksichtigt.
Gerade deshalb verstehen auch die Hersteller die Technologie als Ergänzung zur klassischen Beratung. Wer unter anhaltenden Hautproblemen leidet oder auffällige Hautveränderungen bemerkt, sollte diese weiterhin dermatologisch abklären lassen.
Fest steht aber auch: Personalisierung gehört zu den wichtigsten Trends der Beautybranche. Künstliche Intelligenz dürfte dabei künftig eine immer größere Rolle spielen: als intelligenter Helfer, der die Produktauswahl erleichtert und Hautpflege individueller macht.